Von der „Hochofen-Bande“ und den geklonten Stühlen

Fortsetzung der „Gsöllpointner-Festspiele“ in Landesgalerie und Kunstuni

Helmuth Gsöllpointner bei der Ausstellung im splace.
Helmuth Gsöllpointner bei der Ausstellung im splace. © Kunstuni/Gschwendtner

Die Beteiligten streuen dem 86-jährigen Künstler Helmuth Gsöllpointner Rosen. Er habe die Kunstgeschichte Oberösterreichs mitgeschrieben, sei als Lehrer nicht nur Meister gewesen, sondern ein Freund, der sich für seine Studierenden eingesetzt, sich um sie gekümmert habe. Bis heute und in die Zukunft wirke seine Tätigkeit an der Linzer Kunstuni. „Helmuth Gsöllpointner ist eine lebende Legende“, bringt es die frischgebackene Nachfolgerin des Künstlers als Rektorin der Kunstuni – Gsöllpointner hat diese von 1977 bis 1981 geleitet —, Brigitte Hütter, auf den Punkt. „Es ist nicht leicht, dem, was er getan hat und was er tut, gerecht zu werden.“

Man versuche es mit vier Ausstellungen in Linz. „Das ist ein Projekt über die Bedeutung Gsöll- pointners“, betont Gabriele Spindler, Leiterin der Landesgalerie, wo gestern die Schau „Metall und mehr“ ebenso wie jene im splace der Kunstuni eröffnet wurde. Widmet man sich im splace den Großausstellungen Gsöllpointners, wie etwa dem Forum Metall, steht in der Landesgalerie die Meisterklasse des Künstlers im Mittelpunkt. Bereits 1955 hat Gsöllpointner die erste Abteilung für Metallplastik in den Lehrwerkstätten der VOEST gegründet.

„Metall ist das komplizierteste Material“

Entstanden ist eine Schau, die auf vielen Ebenen funktioniert. So zeigt sie eine — die Gestaltung von Stefan Brandtmayr hat daran einen großen Anteil — starke Dichte an unterschiedlichsten Kunstformen, die geradezu dazu verführt, Einflüsse, Überschneidungen, Inspirationen … zu entdecken. Gezeigt werden Arbeiten von rund 50 Schülern Gsöllpointners, die sich in die unterschiedlichsten Richtungen entwickelt haben. Ein Beispiel ist Stefan Brandtmayr, heute Bühnenbildner. „Ich gehörte noch zu dieser, Hochofen-Bande’“. Als der damalige Rektor der Kuntschule, Alfons Ortner, an Gsöllpointner herantrat, meinte dieser, die Studierenden sollen zu ihm in die VOEST kommen, dort wären Werkstätten, Maschinen … Dort sollten die Studenten dann auch um 7 Uhr antanzen. „Gekommen sind wir um 9“, erinnert sich Brandtmayr.

„Gestalten in Metall heißt Gestalten in allen Materialien“. Leitspruch des Meisters, der seine Schüler zu großen Leistungen trieb. „Metall ist das komplizierteste Material überhaupt“, betont Gsöllpointner. Die Beschäftigung damit bringe die Studenten zu logischem und folgerichtigem Denken.

Künstlerischer Output dieses Denkens in der Ausstellung: Goldhauben aus Steck- und Reißnägeln, Büroklammern … filigrane Schönheit, vergoldeter Alltag. Ein Bobby-Car aus Beton als Reaktion auf Gottfried Bechtolds betonierten Porsche. Dazwischen Messer in Mausefallen, in ungeahnte und ungewohnte Höhen wachsende Ringe. Der gedanklichen Blase rund um Klonschaf Dolly entsprungen: Zwei Stühle, der eine komplett entstanden aus dem anderen, ein verdammt anschaulicher Klon.

Und mittig ein Werk Helmuth Gsöllpointners: Massiv, schwer, schwarz, einnehmend. Für die Landesgalerie geteilt, der ehrwürdige Boden hätte das Gewicht nicht getragen. Bis 1. März 2020.

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