Von der Leander bis zur „Reblaus“

Susanne Mariks „Legenden des Tonfilms“ beim Lehár-Festival in Bad Ischl

Kuschelige Schlagerwelt: Die großartige Interpretin Susanne Marik verwies auch auf schamlosen Missbrauch durch die Nazis.
Kuschelige Schlagerwelt: Die großartige Interpretin Susanne Marik verwies auch auf schamlosen Missbrauch durch die Nazis. © Manfred Langer

Besser, spannender und lehrreicher als die Chansonette Susanne Marik beim Lehár-Festival im Kongress & Theater Haus in Bad Ischl kann man diese „Legenden des Tonfilms“ nicht vermitteln. Marik traf im hellen Kleid für Europa und in dunkler Adjustierung für Amerika auf ein enthusiasmiertes Publikum, sie hat unter Assistenz von Uwe Garrels die Texte spannend und lehrreich bis heiter verfasst und durch überwiegend bis heute beliebte Schlager präsentiert.

Akkuratesse, aber auch viel Humor

Nicht weniger als 18 Lieder der verschiedensten Stilrichtungen erklangen während des unvergesslichen Abends. Spiritus rector der musikalischen Gestaltung ist Susannes Ehemann Béla Fischer, der vom Klavier aus die Mitglieder des Palastensembles mit Akkuratesse, aber auch viel Humor leitete: Thorsten Schwarz (Bass), Thomas Ritter (Klarinette), Benjamin Laseer und Christian Ausserhuber (Saxophon) sowie Elias Pivec (Schlagzeug).

Ein historisches Detail beim Übergang vom Stumm- zum Tonfilm: Der grandiose Stummfilm-Star Harry Liedke wurde plötzlich überflüssig und musste durch Richard Tauber synchronisiert werden. Marik sprach auch die Kulturpolitik von Hitler und Goebbels an, die abgesehen von der „Judenfrage“ die zugelassenen Künstler schamlos für die politischen Interessen der Nazis einsetzte und dies auch mit scheinbar positiven Entscheidungen bewerkstelligte. So wurden etwa Wolf Albach Retty, Hans Albers, O. W. Fischer, Johannes Heesters, Hans Holt, Attila Hörbiger, Marika Rökk, Paul Hörbiger, Heinz Rühmann und Zarah Leander als privilegierte „Gottbegnadete“ in die politische Auslage gestellt. Unabhängig davon waren Rühmann und Albers durch „Die Drei von der Tankstelle“ eines der beliebtesten Schauspiel-Duos des neuen Tonfilms.

Natürlich gab der Schritt in die USA den genannten Musikern im Interesse der Diseuse dem Pianisten Béla Fischer zusätzliche effektive Möglichkeiten. Neben vielen Details und Songs tauchte plötzlich Fred Astaire auf, der steppte, dass es eine Freude war. In diese Rolle schlüpfte Fischers Sohn Michael, den seine „Stiefmutter“ (Eigendefinition von Marik) zu einem Tänzchen verleitete und der plötzlich „Puttin´ On The Ritz“ auf Parkett knallte.

Gegen Schluss ging´s nach Wien, wo sich die von Hans Moser Interpretationen bekannte „Reblaus“ als Lieblingslied der Chansonette entpuppte, die gleich den Schlager „Hallo Dienstmann“ (Moser/Paul Hörbiger) anhängte. Das Duo Marik/Fischer hat nun zumindest 15 musikalische Programme abrufbar. Ischl ist seit Jahren jener Ort, wo die beiden sympathisch-kreativen „Musikanten“ ihre allerbesten Einfälle haben und dies vor allem zum Vorteil des Lehár-Festivals.

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Nächster Kabarett-Abend am 4. August: Ab 20 Uhr wird Roman Seeliger das Programm „Kabarette der Operette“ präsentieren.

Von Ingo Rickl

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