„Von Entspannung kann man leider nicht reden“

Borkenkäferplage hat laut Agrarlandesrat Max Hiegelsberger gravierende Auswirkungen auf den Holzmarkt

„Es ist notwendig, dass eine Oberösterreicherin im EU-Parlament sitzt“, sagt Agrarlandesrat Max Hiegelsberger.
„Es ist notwendig, dass eine Oberösterreicherin im EU-Parlament sitzt“, sagt Agrarlandesrat Max Hiegelsberger. © Koch

VOLKSBLATT: Der April war zu heiß, der Mai ist bis dato sehr nass und vor allem kalt. Ist das für die Landwirte ein Problem?

MAX HIEGELSBERGER: Wir sind über die kühleren Temperaturen froh. Und vor allem über die Niederschläge, denn diese sind insbesondere für das Grundwasser essenziell gewesen. Da wir in Oberösterreich nicht frostgefährdet waren, ist zum Glück nichts passiert. Auch für die Obst- und Gemüsebauern ist die Situation derzeit nicht bedrohlich.

Was heißt das in Bezug auf den Borkenkäfer? Ist da nun Entspannung in Sicht?

Von Entspannung kann man nicht reden, denn die Population aus dem Vorjahr ist sehr hoch. Etwaige Auswirkungen kann man jetzt noch nicht feststellen, da die Bäume sehr feucht sind.

Wann wird man hier Näheres sagen können?

Punktuell hat es kürzlich erste Begehungen gegeben. Durch den Schneebruch und Schneeeinfall mussten die Fachkräfte hier aber eine Pause einlegen. In den nächsten Wochen sollten wir ein genaueres Bild von der Lage haben.

Welche Gebiete sind am stärksten betroffen?

Generell kann man sagen, entlang der Donau, sowie sehr stark Richtung Norden in den Bezirken Rohrbach und Urfahr-Umgebung sowie Richtung Süden im Bezirk Eferding. Ein Viertel der Landesfläche ist stark vom Borkenkäfer befallen worden. Wenn es jetzt sehr schnell sehr warm wird, dann wird die Situation definitiv sehr problematisch.

Die Wetterextreme sind da vermutlich auch nicht gerade förderlich.

Allerdings. Vor allem die so unterschiedlichen Regenmengen während des Jahres werden mehr und mehr zum Problem. Speziell für die Fichte als Flachwurzler.

Deshalb also die Tanne.

Ja, deshalb propagieren wir bei der Aufforstung beispielsweise die Tanne, die Douglasie sowie generell die Harthölzer. Diese halten generell Temperaturunterschiede und längere Trockenphasen besser aus.

Aus dem Katastrophenfonds des Landes wurden für geschädigte Waldbestände bis dato 1,1 Millionen Euro ausbezahlt. Bis jetzt gab es 2700 Anträge. Das wird vermutlich noch ansteigen?

Ja. Wir gehen hier aufgrund des Schneeeinbruchs von steigenden Zahlen aus. Es geht dabei darum, dort öffentlich zu unterstützen, wo die Einbringung des Holzes nur sehr schwer möglich ist. Das dient schließlich dem Schutz des restlichen Waldes.

Und der Holzpreis ist derzeit im Keller.

Das ist die Logik von Angebot und Nachfrage. Die Schadflächen gibt es in Süddeutschland und Tschechien, die wesentliche Importmärkte sind, ebenfalls.

Das heißt, der niedrige Holzpreis bleibt uns noch einige Zeit erhalten?

Es ist wohl davon auszugehen, dass sich bei den Abnahmemengen heuer nichts großartig ändern wird. Und das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Preis.

Großes Thema ist auf europäischer Ebene derzeit die Gemeinsame Agrarpolitik.

Allerdings. Der Zugang der EU-Kommission zum EU-Budget ist aus meiner Sicht diesbezüglich interessant. Das soll prinzipiell steigen. Generell gibt es übernationale Bereiche, die mehr Unterstützung bedürfen, etwa die Außenpolitik, die Sicherheitspolitik oder die Fragen bezüglich der Migration. Und dann ist es spannend zu beobachten, dass trotz höheren Budgets der Agrarbereich gekürzt werden soll.

Warum spannend?

Die Landwirtschaft ist europaweit nicht homogen. Und das ist speziell hinsichtlich der zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik für die heimischen Landwirte wichtig. In dieser geht es um die ländliche Entwicklung, die Diversifizierung der Betriebe, die Bergbauernförderung, die Investförderung und die sogenannten Leader-Projekte. Dieses Budget um 15 Prozent zu verringern wäre de facto ein Angriff auf jene Betriebe, die die heimische Gesellschaft geschützt sehen möchte. Daher muss es hier noch intensive Diskussionen bezüglich des Finanzrahmens geben.

Von welchen Summen spricht man hier?

Im Jahr 2017 beliefen sich die Fördermaßnahmen für die ländliche Entwicklung in Österreich auf 495 Millionen Euro. Die zweite Säule hat in Österreich auch ein höheres Volumen als die erste Säule, eben darum würden die Kürzungen die heimische, klein strukturierte Landwirtschaft so hart treffen.

Stichwort klein strukturiert: Werden sich hier die Strukturen in Österreich ändern müssen?

Einen Strukturwandel wird es immer geben, das hat aber in Bezug auf etwaige Hofübergaben oft mit persönlichen Lebenssituationen zu tun. Daher wäre eine generelle Kennzeichnungspflicht auf Lebensmittel in der Gastronomie so wichtig. Heimische Produkte müssen in heimischen Großküchen der Standard sein und importierte Lebensmittel müssen die Spezialitäten sein.

Inwieweit kann OÖVP-Kandidatin Angelika Winzig, die dem Wirtschaftsbund angehört, die Interessen der Bauern glaubhaft in Europa vertreten?

Das kann sie auf jeden Fall. Im Wort „Landwirtschaft“ steckt ja nicht umsonst das Wort „Wirtschaft“ drinnen und nachdem Angelika Winzig selber einen spezialisierten Betrieb in einer ländlichen Region Oberösterreichs führt, ist die Vergleichbarkeit sehr gut gegeben. Sie versteht, was kleine Unternehmer – und da gehören sehr viele Landwirte dazu – brauchen. Und sie versteht, welche Regelwerke notwendig sind, damit auf europäischer Ebene Landwirtschaft nachhaltig funktionieren kann.

Selbiges gilt auch für die oberösterreichischen Interessen?

Natürlich. Jeder zweite Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt vom Export ab und nachdem Oberösterreich ein sehr stark von der Industrie und Wirtschaft geprägtes Bundesland ist, hat jedes Regelwerk auf europäische Ebene direkte Auswirkungen auf die heimischen Betriebe. Und daher ist es aus Sicht der Standortentwicklung notwendig, dass eine Oberösterreicherin im EU-Parlament sitzt.

Wie ist Ihre Meinung?