Von Leopoldschlag bis Berlin

Theaterfans müssen und können weiter ins Internet ausweichen

Julia Preuß und Michael Pempelforth in „Süßer Vogel Jugend“.
Julia Preuß und Michael Pempelforth in „Süßer Vogel Jugend“. © Rolf Arnold

Karten für das Berliner Theatertreffen sind normalerweise ausverkauft. Die Ausgabe 2020 ist coronabedingt ins Netz gegangen und so kommen heuer weitaus mehr Menschen als normalerweise in den Genuss großartiger Produktionen aus dem deutschsprachigen Theaterraum. Bis zum 9. Mai werden mehrere ausgewählte Inszenierungen im Internet gezeigt, am 1. Mai wurde dieses außergewöhnliche Theatertreffen eröffnet.

Nach Meinung von Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer ist Streaming zwar kein 100-prozentiger Ersatz, eröffnet aber neue Möglichkeiten. „Durch das Eins-zu-Eins-Verlegen von Theaterkunst ins Internet geht einiges verloren“, sagte sie.

„Aber es gibt auch Potenziale. Es gilt herauszufinden, was wir möglicherweise gewinnen können.“ Man könne etwa neue Zielgruppen erreichen. Alle Mitschnitte würden kostenlos gezeigt. „Wir rufen lediglich auf, für Künstlerinnen und Künstler zu spenden — auf freiwilliger Basis“, sagt Büdenhölzer. Zum Theatertreffen wählt eine Jury jedes Jahr die „zehn bemerkenswertesten Inszenierungen“ aus dem deutschsprachigen Raum aus. Aus Österreich wurde heuer Florentina Holzingers „TANZ“ eingeladen. Online auf www.berlinerfestspiele.de werden sechs Inszenierungen je 24 Stunden lang gezeigt. Den Auftakt machte „Hamlet“ vom Schauspielhaus Bochum — die Hauptrolle spielt Sandra Hüller („Toni Erdmann“).

Von Dienstag (5. Mai) bis Mittwoch ist Claudia Bauers Inszenierung „Süßer Vogel Jugend“ (Tennessee Williams) am Schauspiel Leipzig online zu sehen.

Grenzlandbühne unterhält auch in der Wartezeit

Doch nicht nur die großes Theaterhäuser stellen ihre Produktionen ins Netz, auch regional werden Theaterfans kulturell versorgt — derzeit eben via Internet. In Leopoldschlag musste die Grenzlandbühne ihre für heuer geplante Inszenierung von „Die acht Frauen“auf 2021 verschieben. Um die Wartezeit zu versüßen, haben sich die Verantwortlichen nun dazu entschieden, Produktionen der vergangenen Jahre auf einem eigenen Youtube-Kanal zur Verfügung zu stellen.

„Das kann nicht das Live-Erlebnis ersetzen“, betont Bernhard Jahn, stv. Obmann der Grenzlandbühne in einer Videobotschaft. Aber es sei eine Alternative und vielleicht eine „kleine Erheiterung“. Deshalb hat man sich zu Beginn wohl auch für einen wahren Schenkelklopfer entschieden: Michael Frayns „Der nackte Wahnsinn“ in der Inszenierung von Raimund Stangl aus dem Jahr 2007 ist bereits auf Youtube unter „Grenzlandbühne Leopoldschlag“zu finden, im Wochenrhythmus folgen weitere Schmankerl, verspricht Jahn. APA, mmo

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