Von Maia zu Maria: So wurde der Mai zum Marienmonat

Die Monate Mai und Oktober sind in der Praxis der katholischen Kirche ganz besonders der Gottesmutter Maria geweiht. Ausdruck dafür sind im Wonnemonat insbesondere die Maiandachten, deren Ursprünge im auslaufenden 18. Jahrhundert liegen. Doch die Wurzeln des heutigen Marienmonats Mai reichen eigentlich noch viel tiefer in die Historie hinein.

„Rose ohne Dornen, „Schönste Blume“: Die Gottesmutter wird in Kirchenliedern seit jeher mit Aufblühen, Frühling und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Diese Verbindung von Frühling und Maria kommt beispielsweise auch darin zum Ausdruck, dass Christen auf der Südhalbkugel den Marienmonat im dortigen Frühjahr begehen, nämlich im November.

Dass hierzulande der Mai im katholischen Einflussbereich auch offiziell zum Marienmonat wurde, hat eine lange Vorlaufzeit, die erst 1965 mit einer Enzyklika von Papst Paul VI. ihren Abschluss gefunden hat.

Alte Bilder, neue Farben

Die ersten Schritte dieses langen Weges dürften im Mittelalter getan worden sein, als die Kirche bestrebt war, auch noch die letzten heidnischen Bräuche mit christlicher Farbe zu übermalen. Und da gab es eben immer noch eine Erinnerung an die antike Fruchtbarkeitsgöttin Maia, die sowohl in der römischen als auch in der griechischen Mythologie ihren Platz gefunden hatte.

Ob nun der Monatsname noch immer auf sie zurückgeht, oder beide Namen einen anderen, weit zurückliegenden Ursprung haben, ist wissenschaftlich nicht restlos geklärt. Im Mittelalter übermalten die Kirchenoberen jedenfalls den Mai mit „ihrer Fruchtbarkeitsgöttin“, der Gottesmutter Maria — wie übrigens auch die anderen Monate mit einem jeweiligen christlichen Motto.

Erste Andacht in Italien

Die ersten Entwicklungsstufen zur heute bekannten Maiandacht dürften in den mittelalterlichen Gebeten um gutes Gedeihen der Feldfrüchte liegen. Die erste Maiandacht in der heute bekannten Form (Lieder, Gebete, Litaneien, sakramentaler Segen) wird auf das Jahr 1784 im norditalienischen Ferrara datiert. Dort sollen Angehörige des Ordens der Karmellianer diese neue Form der Frömmigkeit initiiert haben.

Über die Schweiz, Frankreich und Belgien breitete sich der Brauch der Maiandachten schließlich nach Deutschland und Österreich aus. In Bayern wurde die erste Maiandacht 1841 im Münchner Kloster der Guten Hirtinnen gefeiert, in Österreich datiert man den Startpunkt auf 1850.

„Ein frommer Brauch“

Auf eine lange Tradition verweist auch Papst Paul VI. in seiner 1965 veröffentlichten Enzyklika „Über Gebete im Monat Mai zur Erhaltung des Friedens“.

Dabei verortet der Papst die Entwicklung des Mai-Marienbrauchtums in der „Frömmigkeit der Gläubigen“, in einem „frommen Brauch“ bzw. in einer „teuren Gewohnheit der Vorgänger“. Dann appelliert Paul VI. aber erstmals offiziell, „in den Diözesen und Pfarreien im Maimonat besondere Gebete“ an Maria zu richten.

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