Von Menschen und Kaninchen

Intrigen und Dekadenz am Königshof: „The Favourite“ glänzt vor allem schauspielerisch

Neben den Mimen Weisz und Colman (v. l.) weiß zudem die Kameraarbeit von Robbie Ryan zu verzücken.
Neben den Mimen Weisz und Colman (v. l.) weiß zudem die Kameraarbeit von Robbie Ryan zu verzücken. © Fox

Von Andreas Huber

„The Favourite“ ist sicherlich der konventionellste Film des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos geworden. Das heißt jedoch nicht, dass sein neues Werk nicht minder mit subtilem sowie gleichermaßen aufdringlichem Kommentar auf die Welt beeindruckt wie seine Vorgängerfilme „The Lobster“ (2015) und „The Killing of a Sacred Deer“ (2017). Und in der Tat: Lanthimos scheint nun mit seinem historischen Intrigendrama endgültig der Durchbruch in der Szene gelungen zu sein. Zehn Oscar-Nominierungen in den allerhöchsten Kategorien sprechen für sich. Dabei ist die Handlung eigentlich sehr simpel: Im frühen 18. Jahrhundert herrscht Krieg zwischen England und Frankreich. Die britische Königin Anne – herausragend gespielt von Olivia Colman – ist geplagt von Krankheiten und Launen. Ihr zur Seite steht Lady Sarah, die sogar ihren eigenen Mann in den sinnlosen und viel zu teuren Krieg schickt. Rachel Weisz versteht es, ihrer Rolle einen Berg voll Nuancen zu verabreichen.

Ensemble par excellence

Emma Stone ist die Letzte im Beziehungsdreieck. Sie spielt das Dienstmädchen Abigail, das in einem ständigen Auf und Ab voller Intrigen und Irrsinn mit Sarah um die berufliche und fleischliche Gunst der Königin rittert. In jener findet der Zuseher bei all der überbordenden Unfähigkeit am Thron jedoch eine gebrochene Seele, eine emotionale Heimat. Wenn sie zum Beispiel wie ein kleines Kind am Boden ihres Zimmers mit ihren 17 Kaninchen spielt. Die absurde Dekadenz am königlichen Hof wird gleichzeitig in bestechenden Bildern gezeigt: Dabei ist die Kameraperspektive stets leicht von unten auf das Geschehen gerichtet. Neben dieser menschlichen Distanz unterstreichen Licht, Ausstattung und Musik jede Handlung. Dick aufgetragen ist dabei nur das Make-up. Und das soll so sein. Je näher das Ende rückt, desto trister die verfahrene Lage unserer Heldinnen. Hin und wieder wünscht man sich dennoch mehr Emotionen. Aber auch das soll so sein.

So einfach die Handlung mit all ihrer Zurschaustellung von Machtgeilheit auch sein mag, so feinsinnig ist das künstlerische, stimmungsvolle Finale. Es begleitet selbst dann noch, wenn der Film schon lange aus ist. Und auch das soll wohl so sein.