Von Soho in alle Himmelsrichtungen

Die Stadt: wunderschön alt, cool modern, traditionsbewusst und doch genial hip. Die Bewohner: Höflich, aber nie übertrieben und herrlich entspannt. Man kann einfach nicht oft genug nach London reisen. Vielleicht schaffen Sie es ja noch vor dem Brexit. Wir haben vor Ort ein paar Ideen für Sie zusammengetragen.

Text: Melanie Wagenhofer

Sehr empfehlenswert ist es, egal zu welcher Zeit, seine Zelte in Soho aufzuschlagen. Das einst verrufene Viertel hat sich zum trendigen Quartier gemausert, indem man in tollen Hotels wohnen und jeden Tag in einem anderen Land gut speisen kann: Hier wird von der vietnamesischen Nudelsuppe bis zum Schweizer Käsefondue und der feinen französischen Mousse alles geboten. In Chinatown, einem Teil von Soho, braten die Enten auf Spießen aneinandergereiht in den Auslagen der Restaurants. Morgens kann man sich in kleinen, feinen Bäckereien an Scones mit Clotted Cream und Marmelade laben oder sich mit den englischen Arbeitern in einem Beisel gehaltvoll mit Speck und Bohnen stärken. In Soho spielt sich auch ein Teil des Nachtlebens der Stadt ab, Bars und Clubs laden zum Feiern. Ein Tipp: Die Briten schmeißen sich üppig gestylt ins Geschehen. Wesentlich entspannter wirken da die vielen Einheimischen, die sich nach der Arbeit auf ein Pint treffen und in Trauben mit dem Glas in der Hand vor den Pubs stehen. Und hier, im Londoner Westend, sind natürlich unzählige Musicaldependancen und Kinos angesiedelt. Am Leicester Square lassen sich günstige Last-minute-Tickets ergattern.

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Das zweite Argument für Soho neben Kulinarik und Unterhaltung – der Name soll übrigens vom Kommando der Kutscher für ihre Pferde stammen – ist die Nähe zu vielen touristischen Höhepunkten. In wenigen Minuten ist man etwa am belebten Piccadilly Circus und in der Folge am Trafalgar Square ebenso wie auf den legendären Shopping-Meilen Oxford und Regent Street.

Amors Pfeil, putzige Tierchen und 7500 Fässer

An alle Partnersuchenden: Nehmen Sie sich Zeit, die Leuchtreklame am Piccadilly Circus nicht nur bei Tag und Nacht zu bestaunen, sondern suchen Sie jene Position, auf der Sie der Pfeil der Amor-Statue treffen würde. Es heißt, so finde man alsbald seinen Traumpartner. Vielleicht nicht dem richtigen Partner, aber putzigen Tierchen begegnet man im St. James’s Park: Hier tummeln sich zuhauf Eichhörnchen. Ein Augenschmaus ist auch die blühende Landschaft, die sich hier inmitten der Stadt – man weiß ja um die großartige englische Gartenkunst – ergießt. Von den herrlichen, gepflegten Grünflächen war in diesem Sommer angesichts der großen Hitze leider oft nur noch verbrannte Erde übrig. Am anderen Ende ist man am Pflichtprogrammpunkt Buckingham Palast angelangt. Weht die Fahne über dem Gebäude, dann ist die Queen zuhause.

Dahinter wartet im Hyde Park noch bis 23. September eine großartige temporäre Sehenswürdigkeit, die man sich keinesfalls entgehen lassen sollte: Christo hat mitten auf dem Wasser der sogenannten Serpentine 7500 bunt bemalte Fässer zu einer genialen Skulptur gestapelt, der man mit dem Tretboot ganz schön nahe kommen kann. Durch die Parks kann man auch wunderbar radeln, Leihräder stehen überall in der Stadt bereit. Münze einwerfen und los geht‘s. Eine App zeigt jene Stellen in der Umgebung an, wo man das Rad dann wieder abstellen kann. Im Gegensatz zu Wien scheint das in London gut zu funktionieren.

Viele der großen wie großartigen Museen bieten in London gratis Eintritt an, für Kinder hat man tolle Vermittlungskonzepte geschaffen. An dieser Stelle sei die Tate Modern erwähnt, die nicht nur mit ihrem modernen Bestand völlig überzeugt, sondern auch mit ihrer Architektur. Das ehemalige Kraftwerk an der Themse mitten in der City wurde in den Sechzigerjahren als Museum adaptiert und ist eine mehr als beeindruckende Kulisse. Und als Österreicher freut man sich besonders, wenn man nach Warhol und Co vor Exponaten von Valie Export in der Dauerausstellung steht. Da bekommt man ein Gefühl dafür, welchen Stellenwert die Linzerin in der Kunstwelt hat. Die Tate Modern verfügt im 10. Stock auch über eine Aussichtsplattform, die eine grandiose Aussicht über die Metropole bietet. Eine sehr ähnliche Perspektive, wenn auch in bedeutend größerer Höhe, hat man vom atemberaubenden Wolkenkratzer The Shard aus nach angenehm kurzen Wartezeiten: Im 69. Stockwerk gut geschützt, im 72. Stockwerk weht dem Besucher mit Freiluftelementen dazu eine ordentliche Brise um die Ohren. Unser Lieblingswolkenkratzer war übrigens das liebevoll als The Gerkin, also Gewürzgurke, bezeichnete Gebäude.

Von modernen Gebäuden zu alten Dingen: Nachdem man ins Flohmarkt-Gewusel des legendären Camden Market eingetaucht ist, findet man Erholung bei einer Fahrt durch die Kanäle. Wussten Sie, dass in London 29000 Menschen auf Hausbooten leben? Die Kanäle waren einst zur Beförderung von Lasten in der Stadt angelegt worden, noch heute kann man über sie bis nach Birmingham oder in andere entfernte Gegenden reisen. Auf der Fahrt taucht man ein in eine grüne Idylle, die Reise führt durch den Regent Park bis nach Little Venice. Zur passenden Uhrzeit sollte man einen Afternoon Tea buchen, der in vielen Hotels ganz traditionell angeboten wird. Zu hervorragendem Tee wird eine Etagere mit sauren Brötchen und süßen Scones serviert.

Schaufensterbummel

London ohne Shoppen geht gar nicht: Auf der Regent Street ist ein Besuch im Spielzeugparadies Hamleys für jedes Alter unumgänglich. Vor der Tür wird man von Zauberschülern aus der Welt Harry Potters freundlich dazu eingeladen. Auch das Traditionskaufhaus Liberty, gegründet 1875 und eine Sehenswürdigkeit, die sich mit dem berühmten Harrod’s durchaus messen kann, sei Ihnen ans Herz gelegt. Das schon von außen betrachtet wunderschöne Gebäude im Tudor-Stil, entpuppt sich im Inneren als Schmuckkästchen mit einer Vertäfelung aus dunklem Holz, das sich Stockwerk für Stockwerk nach oben rankt. Das Material dafür lieferten die letzten Holzschiffe der Royal Navy. Auch das, was zum Kauf angeboten wird, ist sehr ansehnlich: Bekannt ist Liberty für seine Stoffabteilung, aber auch Designermode und – wenn man genauer schaut – Bezahlbares wird angeboten. Eine Ecke weiter kann man in die bunte Carnaby Street eintauchen, die mit ihren vielen entzückenden kleinen Geschäften wartet. Übrigens: Die Weihnachtszeit in London märchenhaft sein…