Vor 30 Jahren starb der große Keith Haring

Graffiti, Comics, klare Linien: Der US-amerikanische Künstler gilt als essenzieller Pop- Art-Vertreter der 80er Jahre – Berühmt wurde er u.a. durch seine „Subway Drawings“

Keith Haring hier bei seiner Arbeit im Stedelijk Museum in Amsterdam, 1986.
Keith Haring hier bei seiner Arbeit im Stedelijk Museum in Amsterdam, 1986. © Nationaal Archief/Creative Commons

Am Sonntag jährt sich zum 30. Mal der Todestag eines herausragenden und eigenwilligen US-amerikanischen Künstlers: Keith Allen Haring, geboren am 4. Mai 1958 in Reading, Pennsylvania, stach mit seinem unverkennbaren Malstil anhand klarer Linien und Flächigkeit aus der Masse heraus.

Einige Methoden entnahm Haring, der als einer der wichtigsten Pop-Art-Vertreter der 1980er Jahre gilt, dabei auch aus der Graffiti-Szene – ohne jedoch von dieser direkt beeinflusst gewesen zu sein.

1978 gelang ihm seine erste Einzelausstellung

Haring interessierte sich dank seines Vaters, der mit ihm Comic-Figuren zeichnete, schon sehr früh für Kunst. 1976 studierte er für zwei Semester an der Ivy School of Professional Art in Pittsburgh Werbegrafik, bevor ihm 1978 seine erste Einzelausstellung im Pittsburgh Arts and Crafts Center gelang. Im selben Jahr zog er nach New York und schrieb sich an der School of Visual Arts (SVA) ein. Ab 1980 organisierte er Ausstellungen und Vorführungen im Club 57. Zur gleichen Zeit entstanden seine ersten Arbeiten, die auf ein öffentliches Publikum abzielten. Er verbreitete u.a. Collagen, die täuschend echt an die Titelseiten der „New York Post“ erinnerten und sich provokativ gegen das Establishment auflehnten. Auch zur Teilnahme an der Times Square Show wurde er eingeladen, das war im Juni 1980. Inspiriert von der Graffiti-Szene fing er an, seine „tags“ zu hinterlassen – etwa das krabbelnde Baby oder den Hund. Daraus entwickelte sich der Drang, auf leeren Werbeflächen seine bis heute berühmten „Subways Drawings“ zu kreieren. Das erste fertigte Haring im Dezember 1980 an.

Das Konzept dahinter: Die Gänge des New Yorker U-Bahn-Systems sind mit zahlreichen Werbetafeln ausgestattet. Wenn die Tafeln gerade nicht in Verwendung sind, wird der festmontierte Rahmen mit schwarzem Makulaturpapier beklebt. Haring malte darauf mit weißer Tafelkreide und ließ dabei Comic-Strip-hafte Darstellungen von bellenden Hunden, Ufos, Fernseher, Kreuzen oder Menschen entstehen. Der Künstler malte, ganz ohne Skizzen und Studien, schnell und spontan aus dem Gefühl heraus, ohne nachträgliche Änderungen. Bis zu 30 „Subway Drawings“ konnte er so an einem Tag schaffen. Von 1980 bis 1985 wurden auf diesem Wege insgesamt etwa fünf- bis zehntausend Bilder im dortigen U-Bahn-System angefertigt.

Nach einer Teilnahme an der Documenta 7 in Kassel beteiligte er sich 1983 zudem an der Whitney Biennale und der Biennale von Sao Paulo. Er lernte Andy Warhol kennen, freundete sich mit ihm an und malte für ihn eine Andy Mouse, die eine Mischung aus Warhol und Mickey Mouse verkörpert. 1984 bemalte er Wände in Sydney, Melbourne, Rio de Janeiro, Minneapolis und Manhattan. Nachdem er zuvor entweder auf Papier oder Vinylplanen gemalt hatte, begann er 1985 auch auf Leinwand zu malen. 1986 eröffnete er in SoHo in New York den „Pop Shop“ – einen Laden, in dem seine Werke und Vervielfältigungen verkauft wurden. Dieser schloss 2005 seine Pforten.

„Tuttomondo“ in Pisa war letztes öffentliches Werk

Im Sommer 1989 vollendete er sein letztes öffentliches Werk, das „Tuttomondo“ an der Außenwand der Kirche Sant’Antonio in Pisa, bevor er schließlich am 16. Februar 1990 in New York an den Folgen seiner Aids-Erkrankung starb. Noch zu Lebzeiten wurde von ihm die gemeinnützige Keith-Haring-Stiftung gegründet. Gerade erst im Jahr 2018 wurde Haring mit einer umfassenden Personale in der Wiener Albertina gewürdigt.hu

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