Vor Lockerungen in Finnland: Unsicherheit wegen niedriger Covid-Rate

Während die Regierung in Helsinki möglicherweise schon am Mittwochabend über einige Lockerungen der Corona-Maßnahmen entscheiden will, hat sich in Finnland eine Debatte darüber entsponnen, ob das Land bei der Bekämpfung der Pandemie vielleicht nicht „zu erfolgreich“ war.

Sollten die derzeitigen Bestimmungen unverändert aufrechterhalten werden, liege der Höhepunkt der Pandemie in Finnland „weit in der Zukunft“, warnte der Chef der finnischen Gesundheitssicherheitsbehörde, Mika Salminen, in mehreren Interviews diese Woche.

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Es sei daher notwendig, Veränderungen vorzunehmen. Gleichzeitig mahnte Salminen, einige „Bremsen“ müssten aufrechterhalten werden.

Seitens der Regierung hieß es, die verfolgte Strategie, die Kapazitäten im Gesundheitssystem nicht zu überlasten, sei jedenfalls aufgegangen. Nun werde man über schrittweise Lockerungen entscheiden. In Finnland rechnet man vielfach damit, dass zuerst die Schulen wieder aufgesperrt werden.

Viel Aufmerksamkeit erhielten die Aussagen Salminens im Nachbarland Schweden. Dort fühlten sich die Verantwortlichen in ihrem europaweiten Sonderweg, der auf rasche Erlangung einer sogenannten Herdenimmunität abzielt, bestätigt. Der stellvertretende Chef-Epidemiologe Anders Wallensten sagte bei einer Pressekonferenz am Montag: „Sie (die Finnen, Anm.) haben überhaupt keine Immunität. Es besteht die Gefahr, das sich die Infektion wieder ausbreitet. Vielleicht hat die finnische Regierung jetzt eingesehen, dass sie das Problem nur aufgeschoben hat.“

Finnland war eines jener Länder, die sehr rasch rigorose Maßnahmen verhängt haben, und hat im Europa-Vergleich sehr niedrige Corona-Zahlen. Bisher wurden in Finnland 4.906 Personen positiv getestet. 199 Menschen sind an der Krankheit bisher gestorben. Finnland hat rund 5,5 Millionen Einwohner.

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