Vorsicht vor Wechselwirkung

Vor allem jüngere Brustkrebs-Patientinnen haben ein großes Bedürfnis nach komplementär-medizinischer Behandlung. Sie können aus einem riesigen Angebot an pflanzlichen Präparaten vom Johanniskraut bis zur Noni-Frucht schöpfen. Elisabeth Bräutigam, Ärztliche Direktorin im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, Radio-Onkologin und Komplementärmedizinerin, rät aber, die Einnahme unbedingt mit dem behandelnden Onkologen abzusprechen.

Bis zu 70 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen in Europa nutzen Komplementärmedizin, die strikt von der Alternativmedizin zu unterscheiden ist. Komplementärmedizin wird begleitend zur Chemo- und Strahlentherapie angewendet, Alternativmedizin lehnt diese jedoch ab.

„Wir versuchen das Beste aus beiden Welten zu verbinden und den Menschen ganzheitlich zu behandeln“, sagt Elisabeth Bräutigam, Radio-Onkologin und Komplementärmedizinerin. Um die Wechselwirkungen zu erkennen, brauche man Expertise in beiden Bereichen. Patientinnen und Patienten können sich bei der Krebshilfe OÖ telefonisch von ihr beraten lassen.

„Es gibt nicht nur unseriöse Anbieter und gefährliche Produkte, sondern auch unerwünschte Wechselwirkungen mit der Chemo- oder Strahlentherapie“, warnt Bräutigam: „Besonders für die neueren Immuntherapeutika gibt es noch kaum aussagekräftige Studien über die Wechselwirkungen. Sicher ist, dass bestimmte Pflanzen zum Beispiel die Wirkung der Chemotherapie verringern oder die Verstoffwechselung derart bremsen, sodass die Substanz länger im Körper bleibt, was die Nebenwirkungen erhöht.“

Das können vermeintlich harmlose Inhaltsstoffe wie Johanniskraut, Baldrian oder Kurkuma sein. Vitamin C und antioxidative Substanzen können negativen Einfluss auf die Strahlentherapie haben. „Man muss aber nicht völlig darauf verzichten, sondern kann die Pflanzenpräparate nach Ende von Chemo- und Strahlentherapie einnehmen.“

Bewegung, Yoga und Qi Gong empfohlen

Beim hormonabhängigen Brustkrebs wird eine spezielle antihormonelle Therapie eingesetzt, die in kurzer Zeit Wechselbeschwerden auslöst. „Die Frauen leiden oft sehr darunter und bekommen Phytoöstrogene empfohlen, die normalerweise bei Wechselbeschwerden helfen.

Diese Produkte mit Granatapfel oder Soja können aber die Wirkung der Antihormon-Therapie reduzieren und dürfen daher nicht eingenommen werden“, erklärt die Medizinerin. Uneingeschränkt empfohlen werden kann hingegen Bewegungstherapie. „Yoga und Qi Gong haben nachweislich eine gute Wirkung auf die Lebensqualität. Akupunktur hilft bei Müdigkeit und Schlafproblemen.“

Derzeit im Trend ist Methadon, ein synthetisch hergestelltes Opioid. „Davon raten wir aber wegen den vielen Nebenwirkungen dringend ab“, so Bräutigam: „Auch das Vitamin B 17 ist ein Internet-Mythos. Es wird als Krebstherapie angeboten, ist aber lebensgefährlich. Denn es handelt sich dabei um Blausäure aus Marillen-Kernen, die giftig ist und Herz-Rhythmus-Störungen auslösen kann.“ Auch vor Benzin- und Petroleum-Trinkkuren und der Einnahme von ätherischen Ölen rät sie dringend ab. Ebenfalls im Trend sind antioxidativ wirkende Substanzen aus der Noni-Frucht und der Maqui-Beere.

„Diese sind grundsätzlich in Ordnung, man muss aber die Wechselwirkung mit Chemo- und Immuntherapien überprüfen“, so Bräutigam. Cannabidiol zeige vor allem gegen Übelkeit und als Appetitanreger gute Wirkung, vorausgesetzt die Zusammensetzung des Präparats passt. Bereits ein Klassiker in der onkologischen Komplementärmedizin ist die Misteltherapie. Zahlreiche Studien belegen einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität und eine Verringerung der Müdigkeit nach der Chemotherapie.

Empfehlenswert sind Bewegungstherapien und die kontrollierte Einnahme von Vitamin D. Eine Ernährungstherapie ist sinnvoll, muss aber individuell auf Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Nährstoffmangel abgestimmt werden.

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