VW Arteon Shooting Brake – Gewaltiges Understatement

Beim Facelift des Arteon spendierte VW der Oberklasse-Limousine auch eine zweite Karosserievariante namens Shooting Brake: also eine Kombiversion mit flach abfallendem Heck und schon coupéhaften Zügen. Optisch gefällig ist der in Emden vom Band laufende Arteon Shooting Brake allemal – und mit 200 PS starkem Dieselmotor auch ein kräftiger Zeitgenosse.

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VW baut primär Autos für die breite Masse. Nicht umsonst heißt es ja „Volkswagen“. Hierzulande leicht erkennbar, denn Golf, Polo, T-Roc, T-Cross, Passat und Tiguan prägen das Straßenbild.

Letzterer ist übrigens der meistverkaufte VW weltweit, aber das nur am Rande. Eine Randerscheinung war bei VW seit jeher der Abstecher ins Nobelsegment. Passat CC und Phaeton war hierzulande nur ein bescheidener Erfolg gegönnt, wobei der Passat CC sich in China großer Beliebtheit erfreut.

Typenschein

VW Arteon Shooting Brake
R-Line TDI DSG 4Motion

Preis: ab € 58.490,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 77.407,20 unter anderem inklusive Metalliclackierung Mangangrau € 713,70, adaptive Fahrwerksregelung € 1309,10, anklappbare Anhängevorrichtung 1007,50, Business Premium Paket € 1840,80, elektronische Differenzialsperre € 234,-, Head-up-Display € 614,90, Gepäckraum-Wendematte € 70,20, Multifunktions-Sportlederlenkrad € 169,- Soundsystem Harman Kardon € 1444,30 und Design+ Paket € 1790,10; einen VW Arteon Shooting Brake (2,0 TDI) gibt es ab € 46.280,-
NoVA/Steuer: 10 %/ € 1131,84 jährlich
Garantie: 2 Jahre Neuwagengarantie, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung, 2 Jahre Reparatur-Gewährleistung auf Werkstattarbeit, Originalteile und Originaltauschteile
Service: alle 30.000 km oder jedes Jahr

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, Common-Rail, Turbolader, Partikelfilter, 1968 cm³, 147 kW/200 PS bei 3600 U/min, max. Drehmoment 400 Nm bei 1750-3500 U/min
Getriebe: Siebengangautomatik
Antrieb: Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,4 s
Leistungsgewicht: 8,99 kg/PS
WLTP-Verbrauch: 6,3 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 6,9 Liter
CO2-Ausstoß: 164 g/km
Euro 6d-TEMP

Eckdaten:
L/B/H: 4866/1871/1462 mm
Radstand: 2835 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1798/2290 kg
Kofferraum: 565-1632 Liter
Tank: 66 Liter (Diesel)
Reifen: 4 x 245/35 R20 95Y auf 20“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/LKA/ACC
Airbags: 7

Der jüngste Nobel-Wurf der Wolfsburger datiert aus dem Jahr 2017 und hört auf den Namen Arteon. Dieser konnte zwar besser als der Phaeton in den 2000er-Jahren reüssieren, der prognostizierte Siegeszug in der Oberklasse blieb allerdings aus.

Nichtsdestoweniger hält VW am Arteon fest; und das ist auch gut so, denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Zur branchenüblichen Halbwertszeit nach drei Jahren spendierten VW dem Arteon – der im niedersächsischen Emden ganz im Nordwesten Deutschlands produziert wird – ein Facelift.

Dieses brachte ein paar dezente Behübschungen und eine zweite Karosserievariante namens Shooting Brake. Kombi wäre natürlich für eine Oberklassemodell als Bezeichnung zu schnöde und in der Tat erinnert das sanft abfallende Heck mehr an ein Coupé, als an einen Kombi.

Das geht dann aber auch zu Lasten des Cargoraums, der mit 1632 Litern für einen 4,866 Meter langen Wagen recht dürftig ausfällt. Zum Vergleich: Der kürzere Octavia Kombi packt bis zu 1700 Liter, ebenso der (minimal längere) 5er Touring von BMW und der Peugeot 508 Kombi kommt sogar auf 1780 Liter.

Davon abgesehen ist der Arteon ein großer Wurf, was nicht nur mit dem Zweiliter-Dieselmotor und den 1798 Kilogramm Gewicht zu tun hat. Zusammengefasst: Das Platzangebot für die fünf Passagiere ist üppig, die Außen- und Innengestaltung nobel und dezent – aber auch bieder.

Ins Auge stechen etwa die LED-Leiste an der Front sowie das abgeflachte Dreispeichen-Lederlenkrad. Und: Genügend Fahrvergnügen bietet der Shooting Brake ebenfalls. Denn die Lenkung ist leichtgängig und präzise, der 200 PS starke Turbodiesel treibt nach einer Gedenksekunden den Arteon über alle vier Räder kraftvoll – aber nicht brachial – voran, Traktion und Federung sind manierlich und die zahlreichen Assistenzsysteme (die teils aber nicht in der Basisversion inkludiert sind) agieren souverän.

Deshalb empfiehlt sich der sparsame Arteon (6,6 Liter) auf der Langstrecke genauso, wie im Stadtverkehr. Warum jedoch das 615 Euro teure Head-up-Display dann nur eine Plastikscheibe ist, gibt genauso Rätsel auf, wie die Tatsache, dass das Infotainment-System teils unglaublich träge reagiert.

Inklusive ein paar Extras schlägt die R-Line-Variante mit 77.407 Euro zu Buche: Damit ist der Arteon in dem Feld deutlich günstiger als die Konkurrenz. Muss er aber auch, denn schließlich ist er der Herausforderer.

Fazit

In Sachen Understatement bleibt der VW Arteon auch als Shooting Brake seiner Linie treu. Er ist zwar edel und fein, aber nicht ganz so pompös, wie vergleichbare Modelle anderer deutscher Premiummarken. Souverän agiert er dennoch, vor allem die Motoren-Getriebe-Kombination ist großartig.

Und das verlängerte Heck steht dem Emdener sehr gut. Wie allerdings VW hierzulande die Positionierung des Kombis gelingen soll bleibt uns jedoch ein Rätsel; denn die etablierte Konkurrenz – auch aus dem eigenen Haus – ist in dem Segment äußerst hart.

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