Wagenburg in Schönbrunn zeigt Ausstellung zu „Coronas Ahnen“

Es ist die Ausstellung der Stunde. In einem Schnellschuss mit nur wenigen Wochen Vorbereitungszeit widmet sich das KHM „Coronas Ahnen“ und thematisiert ab Freitag „Masken und Seuchen am Wiener Hof 1500-1918“. Unerwartet ist einzig die Location: Die Ausstellung findet in der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn statt. Die sonst hier üblichen Themen wie Mobilität und Reisen seien derzeit uninteressant, erklärte Wagenburg-Direktorin Monica Kurzel-Runtscheiner am Montag.

Man habe rasch etwas Aktuelles auf die Beine stellen wollen und sei dabei auf erstaunliche Exponate zu dem Thema in den Beständen des KHM-Museumsverbandes gestoßen. Bei den wenigen Leihgaben konnte man nicht immer auf Originale zurückgreifen – so ist das Plakatsujet, die im Belvedere hängende Allegorie „Austria und die Cholera“ von Leopold Bucher (1835), nur als Teil einer multimedialen Installation zu sehen. Die Cholera ist neben der Pest, den Pocken und der Spanischen Grippe eine der vier großen Seuchen, deren Auswirkungen auf Wien in der Ausstellung thematisiert werden. Als Roter Faden dienen der in die Dauerausstellung integrierten Präsentation neben Videos mit längeren, vertiefenden Statements von Kuratorin Kurzel-Runtscheiner auf den Boden geschriebene Zitate von einst. „Der Eintritt ist nur mit Maske gestattet“, lautet das erste. Es stammt aus einer Ballordnung des Theaters an der Wien aus dem Jahr 1823.

„Die Masken sind ja das augenscheinlichste und bei vielen verhassteste Symbol dieser Pandemie“, sagte die Kuratorin. „Masken haben sehr wohl lange Tradition bei uns – aber in anderem Zusammenhang. Die Maske war jahrhundertelang eigentlich ein Symbol der Freiheit und sehr positiv besetzt.“ Unter dem Schutz der Maske habe man Identitäten wechseln, sich ganz anders verhalten, aber auch Kritik an der Obrigkeit üben können. Gezeigt werden Turnier-Wechselvisiere aus der Hofjagd- und Rüstkammer und Beispiele für Wiener Masken-Mode bei Bällen. Hier hätte die Ausstellung wohl deutlich fröhlicher und opulenter sein dürfen. Ausladend ist dagegen das Trauerkleid samt Trauermaske und Trauerschleier, das sich Kaiserin Elisabeth schneidern ließ. Schnabelartige, schützende Pestmasken, wie man sie aus vielen bildnerischen Darstellungen südlich der Alpen kennt, seien im deutschsprachigen Raum hingegen nicht nachweisbar, hieß es.

Die Pest, deren größte Welle 1678-80 Wien heimsuchte, hatte dramatische Auswirkungen. Quarantäne-Stationen, Gratis-Gesundheitsvorsorge, Schul- und Geschäftsschließungen, ein Cordon sanitaire an der Ostgrenze: „Schon in der Pestzeit hatten wir alle Dinge, mit denen wir jetzt konfrontiert sind“, sagte Kurzel-Runtscheiner. An damals erinnern u.a. die Karlskirche, die Pestsäule am Graben – und die Pflasterung der Wiener Straßen.

„Man hat aus diesen traumatischen Erfahrungen gelernt“, erläuterte Kurzel-Runtscheiner. Doch später stellten die Pocken (an der auch Maria Theresia erkrankte), die Cholera (in deren Folge man das Abwassersystem verbesserte) und schließlich die Spanische Grippe die Wiener Bevölkerung auf eine harte Probe. Aus 1918 stammt die Gala-Uniform eines Beamten des frisch gegründeten Ministeriums für Volksgesundheit. Ein Auftritt von Minister Anschober darin wäre mal was anderes, denkt man sich beim Verlassen der Ausstellung. Aber hoffentlich nur im nächsten Fasching.

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(S E R V I C E – Ausstellung „Coronas Ahnen. Masken und Seuchen am Wiener Hof 1500-1918“, Kaiserliche Wagenburg Wien, Schönbrunn, 18. Dezember 2020 bis 11. April 2021, bis 14.3.: 10-16 Uhr, ab 15.3.: 9-17 Uhr, )

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