Wahl zur Fußballerin des Jahres für Zinsberger „super Sache“

Manuela Zinsberger ist Österreichs Fußballerin des Jahres 2020. Mit der 25-jährigen Niederösterreicherin triumphierte bei der dritten Auflage der von der APA – Austria Presse Agentur unter sportlich Verantwortlichen der zehn Frauen-Bundesliga-Teams durchgeführten Wahl erstmals eine Torfrau. Die Arsenal-Legionärin sorgte mit 23 Punkten für eine neue Rekordmarke und triumphierte vor Titelverteidigerin Nicole Billa (20). Auf Platz drei landete 2018-Siegerin Sarah Zadrazil (17).

Für Zinsberger reichte es nach Rang vier (2018) und drei (2019) für den großen Coup. Zwei Zähler mehr als Billa 2019 hatte sie auf dem Konto. Das vor allem wegen Liese Brancao (St. Pölten), Leandro Simonelli Deveza (Vorderland) und Karlheinz Piringer (Horn), die sie auf Rang eins wählten. „Als erste Torfrau den Preis entgegenzunehmen, und in die Geschichte einzugehen, ist definitiv eine super Sache und macht mich auch stolz. Für den individuellen Werdegang ist es eine wahnsinnige Auszeichnung“, sagte Österreichs Nationalteam-Torfrau.

In ihrer Karriere ist es die zweite große Auszeichnung nach jener als Österreicherin des Jahres in der Kategorie Erfolg international im Oktober 2017. Die war die Folge des Halbfinal-Einzuges bei der ÖFB-EM-Premiere in den Niederlanden im Sommer 2017 gewesen. Zinsberger war bei der Endrunde schon mit 21 unangefochtene Nummer eins, und an diesem Standing hat sich nichts geändert.

„Sie ist jahrelang schon unser absolutes Aushängeschild auf dieser Position und ein wesentlicher Teil unseres Teams. Sie fordert sich selber immer, will sich weiterentwickeln, gibt sich nie zufrieden“, sagte ÖFB-Teamchefin Irene Fuhrmann. Dieses Jahr hatte Zinsberger großen Anteil daran, dass die EM-Quali mit sechs Siegen bei einem Remis und einer Niederlage gegen Frankreich abgeschlossen wurde. Dabei kassierte sie nur drei Gegentore. „Wenn ich an die Spiele gegen Frankreich und Serbien denke, wird zurecht behauptet, dass sie zu den besten Torfrauen Europas zählt“, verlautete Fuhrmann.

Zinsberger freut sich über so ein Feedback und würde sich „definitiv“ zu den Top Ten zählen. „Wenn es dann spezifischer geht, hat jede ihre Stärken und Schwächen. Dass ich selbst sage, ich bin sicher unter den Top Drei – das bin nicht ich“, so Zinsberger. Grundsätzlich rückt sie lieber jene des Teams als die eigene Leistung in den Mittelpunkt. Nach Siegen ist sie gern für lustige Sprüche zu haben, wirkt oft aufgedreht. „Sie hat aber auch ihre andere Seite, ist da ruhig und vernünftig“, betonte Fuhrmann.

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Bei Arsenal war Zinsberger Stammkraft, ehe ihr in den letzten drei Ligaspielen vor Weihnachten die 32-jährige Lydia Williams vorgezogen wurde. „Konkurrenz ist wichtig um sich auf das nächste Level zu pushen. Ich habe nach wie vor so viel Potenzial in mir, das noch nicht ausgeschöpft ist“, bleibt die 66-fache ÖFB-Internationale noch gelassen.

Nach fünf Jahren bei Bayern München ist sie seit Sommer 2019 bei den „Gunners“. Gut möglich ist, dass ihr Engagement in London nach Auslaufen ihres Vertrages im Sommer weitergeht. „Ich bin bei einem Topteam, kann mich definitiv glücklich schätzen und bin auch megazufrieden“, so Zinsberger. Von ihren männlichen Star-Kollegen sehe sie am Clubgelände „außer deren Autos nicht viel“. Im Stadion drückt sie Pierre-Emerick Aubameyang und Co. immer wieder einmal die Daumen. Dabei nimmt sie auch für ihr Spiel etwas mit, schaut sie sich doch mehr von Tormännern als von Torfrauen ab.

Selbst will sie noch Jahre aktiv spielen und sich erst rund um ihren 30er genauere Gedanken machen, ob bzw. wie lange es mit der Karriere noch weitergehen soll. Bis dorthin will sich die ausgebildete Bürokauffrau für die Karriere danach vorbereiten. „Ich kann mir nicht vorstellen, acht Stunden am Tag auf dem PC etwas runterzutippen. Ich möchte was machen, wo man sich verwirklichen kann, wo Kreativität gefragt ist“, gab Zinsberger Einblick.

Kreativität war auch im durch die Coronavirus-Pandemie geprägten Jahr, in dem es keine finanziellen Kürzungen gab, gefragt. „Es war ein sehr kurioses Jahr. Einfach war es nicht, eher mental next level würde ich sagen“, sagte Zinsberger. Doch nicht alle Entwicklungen waren 2020 schlecht. So segnete der Rat des Weltverbands ein Regelwerk ab, nachdem Profi-Fußballerinnen künftig weltweit in bezahlten Mutterschutz gehen dürfen. Zinsberger: „Ich finde es überragend, echt klasse, dass das Thema aufgegriffen wird.“

Positiv ist für sie auch der Abschluss des Jahres. Nach „unglaublich belastenden“ Tagen des Wartens kam das Okay vom Club für einen Heimaturlaub. Ihr großer Weihnachtswunsch hat sich erfüllt. Statt via Facetime kann sie die Feiertage im Kreise der Familie in Niederösterreich verbringen.

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