Wahnsinn! SV Ried darf nach irrem 4:3 weiter vom Aufstieg träumen

Was für ein unfassbarer Fußballabend! Das 4:3 der SV Guntamatic Ried über Wacker Innsbruck geht wohl als eines der spektakulärsten Spiele in die Geschichte der 2. Fußball-Liga ein. Ein hochklassiges Match erlebte mit einem nervenzerfetzenden Finish ein fast dramatisches Ende, das die Innviertler weiter vom Aufstieg träumen lässt. Wären Zuschauer dabei gewesen, die Josko-Arena wäre wohl noch tagelang in Ekstase.

In der Anfangsphase hatte es den Anschein, als würden die Innsbrucker um den Aufstieg spielen. Die Tiroler erwischten den Tabellenzweiten auf dem falschen Fuß und gingen aus einem ruhenden Ball früh in Führung: Nach einer Freistoßflanke aus dem Halbfeld kam Ried-Goalie Dmitrovic zu spät, Meusburger nickte zum 1:0 ein (2.). Die Innviertler wirkten danach geschockt und hätten sich über einen höheren Rückstand nicht beklagen dürfen. Doch Wallner (5.) und Gründler ließen gute Möglichkeiten liegen. Wacker kombinierte in dieser Phase äußerst gefällig und überwand durch gutes Positionsspiel immer wieder geschickt das Rieder Offensivpressing.

Nutz merzte Missgeschick aus

Nach etwas mehr als einer Viertelstunde fingen sich die Hausherren und fanden besser ins Spiel. Speziell über die linke Seite gelang es immer öfter, Überzahlsituationen herzustellen und in die Tiefe zu gelangen. Vor allem der nun sehr aktive Grüll trug dazu einen wesentlichen Teil bei. So kamen die Wikinger zwangsläufig zu gefährlichen Torszenen. Ein Jefte-Schuss wurde abgeblockt (20.), zwei Minuten später vergab Nutz nach Grüll-Querpass aus kurzer Distant die Riesenchance auf den Ausgleich. Wiederum nur eine Minute darauf machte er sein Missgeschick wieder gut, indem er Wießmeier perfekt in Szene setze, der zum 1:1 einschob (23.).

Das Match blieb auch in weiterer Folge äußerst unterhaltsam, war von vielen Strafraumszenen und auch sehenswerten Kombinationen geprägt. Grüll und Jefte auf der einen sowie Galle, Faleye und Kofler auf der anderen Seite scheiterten mit ihren Versuchen nur knapp. Unmittelbar nach dem Pausentee erwischten die Rieder die nächste kalte Dusche: Wieder gelang es den Gästen, ihr Kombinationsspiel aufzuziehen, das in ein herrliches Zuspiel von Satin auf Faleye mündete, der via Innenstange erneut für die Führung der Westösterreicher sorgte (49.).

Innsbruck hatte Entscheidung am Fuß

Diesmal benötigten die Wikinger nicht so lange, um sich aufzurappeln. Fast postwendend hatte der bemühte, aber sehr oft glücklose Jefte das 2:2 am Fuß, jagte das Leder aber weit über das Tor. Deutlich knapper war Julian Wießmeier nach einem Corner dran, diesmal verhinderte die Latte einen zweiten Rieder Treffer (63.). Und kurz später scheiterte Nutz an Innsbruck-Goalie Eckmayr.

Ried-Trainer Gerald Baumgartner stellte schließlich personell wie taktisch um, versuchte es nun mit einer Raute im Mittelfeld, auch, um mehr Zugriff auf den Tiroler Spielaufbau zu bekommen. Was zunächst folgte, war aber eine Chancenorgie der Grumser-Elf: Faleye und Galle fanden binnen weniger Sekunden in Keeper Dmitrovic ihren Meister (70.), danach verhinderten die Latte sowie ein sich in den Schuss werfender Ried-Verteidiger gegen Wallner Schlimmeres (71.).

Spiel gedreht? Denkste!

Schließlich bedurfte es wieder einmal eines Energieanfalls des unermüdlichen Marco Grüll, damit die Hausherren zurück ins Spiel und damit auch in den Titelkampf fanden. Ausgerechnet nach einem verpufften Vorstoß von Wacker narrte er im Gegenzug die Innsbrucker Defensive, bewies beim Zuspiel auf Joker Gschweidl Auge und Mannschaftsdienlichkeit, der Freigespielte dankte es mit dem 2:2 (81.) – der Startschuss für ein heißes Finish in der josko-Arena. Beim Gedanken an die potenzielle Gänsehautatmosphäre bei einer Zuschauerkulisse wuchs die Sehnsucht nach Fußball mit Fans ins Unermessliche.

Das verstärkte sich, als die Innviertler Schlussoffensive in Minute 85 tatsächlich belohnt wurde. Erneut drangen die Baumgartner-Schützlinge in den Sechzehner ein, scharfer Querpass zur Mitte und Unglücksrabe Behounek lenkte den Ball ins eigene Tor – 3:2, Spiel gedreht, Riesenjubel auf dem Feld, auf der Bank und auch auf der fast leeren Tribüne.

Doch wer nun auf einen geruhsamen Abschluss dieses tollen Fußballabends gehofft hatte, wurde eines viel, viel Besseren belehrt. Denn jetzt sollte das unfassbare Herzschlagfinale erst richtig beginnen. Vier Minuten Nachspielzeit ließen schon erahnen, dass schwache Nerven nun nicht mehr gefragt sein würden. Dann Corner für die Innsbrucker: Flanke zur Mitte, wieder stieg Meusburger am höchsten und erneut landete das Leder mit Hilfe der Innenstange im Netz – 3:3 in Minute 93!

Gschweidl versetzte Ried in Ekstase

Es schien, als würden die Aufstiegshoffnungen der Innviertler in diesem Moment zerplatzen wie Seifenblasen. Doch es kam noch wilder: 94. Minute, noch ein letzter langer Ball in den gegnerischen Strafraum, irgendwie gelangte die Kugel Richtung Gschweidl, der kurz vor Keeper Eckmayr dran war und per Kopf zum 4:3 einnetzte. Jetzt gab’s überhaupt kein Halten mehr, es bildete sich eine grün-schwarze Jubeltraube, umgeben von protestierenden Innsbruckern, die aber kein Gehör fanden.

Dann war er tatsächlich vorbei, dieser rekordverdächtige Fußballabend, der die Wikinger in allerletzter Sekunde vorerst bis zum Auftritt von Konkurrent Klagenfurt an die Tabellenspitze der 2. Liga hievte. Um ein Tor wohlgemerkt. Der nächste Thriller bahnt sich schon an.

Von Christoph Gaigg aus Ried

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