Waltz’ „Rifkin’s Festival“ eröffnet San Sebastian Festival

Woody Allen und Christoph Waltz auf dem Roten Teppich vor dem Kursaal in San Sebastian. Es wäre die perfekte Eröffnungsszene für das 68. Internationale Filmfestival in der nordspanischen Küstenstadt gewesen, das am Freitag mit der Weltpremiere von Woody Allens neustem Film „Rifkin’s Festival“ startet. Doch die Corona-Krise machte einen Strich durch die Rechnung.

Festivaldirektor Jose Luis Rebordinos ist dennoch froh, dass das Festival im Coronahotspot Spanien überhaupt stattfinden kann. Zwar fehlen Stars, das Blitzgewitter der Kameras am Roten Teppich, die Partys. Auch dürfen die Kinosäle nur zu 60 Prozent besetzt werden. Dafür konnten die Organisatoren allerdings ein sehr vielversprechendes Programm auf die Beine stellen.

In einer leicht abgespeckten Version befinden sich in diesem Jahr insgesamt 13 Filme im Rennen um die „Goldene Muschel“, die am 26. September vergeben wird. Hohe Erwartungen liegen natürlich auf dem französischen Erfolgsregisseur Francois Ozon, der sich heuer mit „Ete 85“ in San Sebastian präsentiert, wo er 2012 bereits mit seinem Thriller „Dans la maison“ die „Goldene Muschel“ gewann. Gespannt darf man auch auf das Alkoholsozialdrama „Druk“ des Dänen Thomas Vinterberg sein, in dessen Hauptrolle der dänische Hollywoodstar Mads Mikkelsen zu sehen ist, der Bösewicht im James Bond 007-Streifen „Casino Royale“.

Der Brite Julien Temple präsentiert sich dem Publikum in San Sebastian mit „Crock of Gold“ mal wieder mit einem für ihn bekannten Musikfilm. Der von Schauspieler Johnny Depp produzierte Streifen handelt über den Pogues-Sänger Shane MacGowan. Mit den Sozialdramen „True Mothers“ von Naomi Kawase und Takuma Satos „Any Crybabies around?“ sind heuer auch gleich zwei Produktionen aus Japan im offiziellen Wettbewerb.

In Harry Macqueens Festivalbeitrag „Supernova“ spielen Colin Firth und Stanley Tucci ein schwules Liebespaar, das lernen muss, mit der Demenz umzugehen. Aus China kommt Ziyang Zhou mit „Wuhai“, Danielle Arbid bringt eine französisch-belgische „Passion simple“ mit.

Überraschend wenige Beiträge stammen heuer hingegen aus Lateinamerika, dabei sieht sich San Sebastian als „Brückenfestival“ zwischen Europa und Lateinamerika. Aus Argentinien ist Eduardo Crespo mit „We will never die“ am Start. Der spanische Oscarpreisträger Fernando Trueba (“Belle Epoque”) tritt mit der kolumbianischen Produktion „Forgotten we’ll be“ im Rennen um die „Goldene Muschel“ an.

Besonders große Aufmerksamkeit genießt im offiziellen Wettbewerb allerdings die außer Konkurrenz laufende und seit langem erwartete Verfilmung des Bestsellerromans „Patria“ (“Vaterland”) von Fernando Aramburu. In der von Regisseur Aitor Gabilondo umgesetzten Buchverfilmung geht es darum, wie der Terrorismus der baskischen ETA die Gesellschaft zertrennte und gegenseitig aufwiegelte. In ihrem fast 50 Jahre langen Kampf für die Unabhängigkeit des Baskenlandes ermordete die Terrorbande über 830 Menschen. Besonders häufig mordete sie in San Sebastian, der Festivalstadt.

2011 legte ETA die Waffen nieder. Doch wie lang der Schatten des blutigen Terrors noch ist, zeigten bereits die Debatten um das Werbeplakat der HBO-Serie, die nach dem Festival in über 40 Ländern ausgestrahlt werden soll. Ein Film, der die „dunkle Seite“ San Sebastians zeigt. Ganz im Gegensatz zum Eröffnungsfilm „Rifkin’s Festival“, der im offiziellen Wettbewerb außer Konkurrenz läuft.

Woody Allens Liebeskomödie mit Hauptdarsteller Christoph Waltz ist eine Art Hommage an die Schönheit der baskischen Küstenstadt. Neben dem österreichischen Kultdarsteller sind auch US-Schauspielerin Gina Gershon, der Franzose Louis Garrel sowie die spanischen Schauspieler Elena Anya und Sergi Lopez auf der Leinwand zu sehen. Allen erzählt die Geschichte eines amerikanischen Ehepaars, das just an dem Festival von San Sebastian teilnimmt und von der Magie des Events und Schönheit und dem Charme der Stadt ergriffen wird. Dabei fangen beide Affären an.

Allen drehte den Film vergangenen Sommer in der Küstenstadt. Es ist bereits das zweite Mal, dass der polemische Kultregisseur das dortige Filmfestival eröffnet. 2004 startete das Muschelrennen bereits mit seinem Film „Melinda and Melinda“. San Sebastian, dessen Ehrenpreis in diesem Jahr an Hollywoodstar Viggo Mortensen (“Herr der Ringe”) geht, gehört mit Berlin, Cannes und Venedig zu den großen europäischen A-Filmfestivals.

(S E R V I C E – )

Wie ist Ihre Meinung?