Wandler zwischen den Welten

Psychiater und Filmemacher Houchang Allahyari ist heute 80 Jahre alt

Hat auch mit80 noch viel vor: Psychiater undFilmemacherHouchang Allahyari.
Hat auch mit 80 noch viel vor: Psychiater undFilmemacherHouchang Allahyari. © APA/Neubauer

Er gehört zu Österreichs ungewöhnlichsten Regisseuren. Und vermutlich auch zu dessen ungewöhnlichsten Psychiatern: Houchang Allahyari.

Unermüdlich hat der gebürtige Iraner in seinem Leben cineastische Werke vorgelegt. Und ebenso unermüdlich ist er für seine Patienten tätig. Heute feiert Allahyari 80. Geburtstag.

Geboren wurde Allahyari 1941 in Teheran und kam als Jugendlicher mit seiner Mutter nach Österreich, um seine „Faszination für Film und Theater weiterzuentwickeln“ und Theaterwissenschaft zu studieren. Bereits als 17-Jähriger hatte er Filmkritiken für iranische Zeitungen verfasst.

Film in der Therapie und erste eigene Arbeiten

Und doch schlug er dann auf Wunsch seiner Familie zunächst einen anderen Weg ein und begann mit dem Medizinstudium. Nach seiner Ausbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, die er am Linzer Wagner Jauregg-Krankenhaus abgeschlossen hat, betrieb Allahyari eine Ordination, war als Psychiater im Wiener Lorenz-Böhler-Krankenhaus tätig und arbeitete in Haftanstalten als Psychiater für Drogenabhängige. Noch heute hat er seine eigene Wahlarztpraxis in Wien.

Der Film ließ ihn dennoch nicht los. In der Therapie setzte er das Medium regelmäßig ein und schuf ab den 70ern parallel auch erste eigene filmische Arbeiten. Nach einem Konvolut an Kurzfilmen und avantgardistischen Werken produzierte er Fernsehdokumentationen und Kinospielfilme. 1996 zeichnete er für einen „Tat- ort“-Folge verantwortlich.

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Vor allem das Aufeinanderprallen von Kulturen machte Allahyari dabei regelmäßig zum Thema. Seine schwarze Komödie „I love Vienna“ mit Michael Niavarani war 1991 der erfolgreichste österreichische Film des Jahres und wurde als Kandidat für den Auslandsoscar eingereicht. Auch mit „Höhenangst“ über einen Häftling (Fritz Karl), der in einem Dorf ein neues Leben beginnen will, erlangte er Aufmerksamkeit. Heimische Filmprominenz wie Josef Hader und Karl Markovics wirkte in „Geboren in Absurdistan“ (1999) mit.

Dreimal Ute Bock und der Österreichische Filmpreis

Die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit erlangte Allahyari mit dem Kinodokumentarfilm „Bock for President“, den er mit seinem Sohn Tom-Dariusch Allahyari drehte und der 2010 mit dem erstmals vergebenen Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Der Film begleitet Flüchtlingshelferin Ute Bock, Allahyaris Ex-Schwägerin, zwei Jahre lang bei ihrer Arbeit. Mit „Die verrückte Welt der Ute Bock“ und „Ute Bock Superstar“ folgten Fortsetzungen.

2014 besetzte Allahyari Erni Mangold in ihren hohen 80ern für „Der letzte Tanz“ in der gewagten Rolle einer Alzheimerpatientin, die eine intime Beziehung mit einem jungen Zivildiener eingeht. Sexualität im Alter, Vorverurteilung in der Gesellschaft und vor Gericht, Entmündigung, obsessive Mutter-Sohn-Beziehung: Der Psychiater Allahyari packte viele Themen in das Werk des Regisseurs Allahyaris.

Nach diesem 2014 bei der Diagonale als bester Spielfilm prämierten Werk wandte sich der Polystilist mit „Die Liebenden von Balutschistan“ gemeinsam mit seinem Sohn wieder dem Dokumentarfilm zu und zog durch den Nahen Osten, bevor er mit „Der Gast“ 2018 ein surrealistisches Schwarz-Weiß-Werk in Bunuel-Tradition erneut mit Erni Mangold vorlegte.

Im aktuellen Lockdown hat Allahyari seine neuen Filme „Golidjan“ sowie das Episodenwerk „Seven Stories about Love“ fertiggestellt. Nun folgt — je nach Corona-Entwicklung — zum Geburtstag eine große Retrospektive im Filmarchiv Austria. Zumindest hier wird gefeiert zum Runden…

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