„Wann und Wo nicht vorhersehbar“ – Felssturz in Klamm forderte zwei Tote

Bei einem Felssturz in der Bärenschützklamm bei Mixnitz nördlich von Graz sind am Mittwoch eine 50-jährige Frau aus Ungarn und eine 21-Jährige aus dem Bezirk Graz-Umgebung getötet worden. Die Gesteinsbrocken hatten gegen 12.00 Uhr einen Wandersteig und dort angebrachte Treppenleitern aus Holz zerstört. Sieben Personen erlitten leichte, eine Person schwere Verletzungen, wie die Polizei mitteilte.

Das Felsstück war um die Mittagszeit abgebrochen. Dabei wurden mehrere Wanderer von Felsteilen getroffen. Die Alarmierung der Einsatzkräfte gestaltete sich schwierig, da in der engen Schlucht kein Handyempfang herrscht. Zwei Rettungshelikopter des ÖAMTC, C12 und der C17, sowie ein Polizei- und ein Bundesheer-Hubschrauber flogen Verletzte per Seilbergung aus bzw. Retter und Material ein. Die beiden ums Leben gekommenen Frauen wurden von der Polizei-„Libelle“ aus der schwer zugänglichen Klamm geborgen.

Die Bergrettung der Ortsstelle Mixnitz führte die Rettung der acht Verletzten durch. Diese wurden zum Eingang der Klamm gebracht, dort vom Rettungsdienst bzw. Rettungshubschraubern übernommen und in Krankenhäuser eingeliefert. Die genauen Identitäten und Nationalitäten der verletzten Personen war noch Gegenstand der Ermittlungen. Es dürfte sich aber zum Teil um Österreicher und Ungarn handeln.

„Felssturzes ist nicht vorhersehbar“

„Das Wann und Wo eines Felssturzes ist nicht vorhersehbar. Man kann es nicht sagen“, hat der steirische Landesgeologe und Geologe des Straßenerhaltungsdienstes, Marc-Andre Rapp, am Donnerstag im Gespräch mit der APA betont.

Ein Geologe könne eine Beurteilung geben, wonach Maßnahmen ergriffen würden, sagte Rapp. Zu den Ursachen eines Felssturzes allgemein meinte er, dies sei durch den Aufbau von Gesteinsschichten bedingt und könne durch Verwitterung oder sogenannten Trennflächen entlang von Klüften geschehen. Das müsse auch unter dem Blickpunkt des sich abzeichnenden Klimawandels oder extremen Niederschlagsereignissen gesehen werden, sagte Rapp, der betonte, dass er die Umstände des tödlichen Felssturzes vom Mittwoch nicht kenne und sich danach auch nicht in der Klamm befunden habe.

Bei Felsspalten und Klüften gebe es Schwächezonen. „Das ist wie bei einer Mauer, die Verwitterung nagt daran“, sagte Rapp im APA-Gespräch. Zur Ablösung oder zum Abgleiten von Felsstücken könne auch die sogenannte Eiskeil-Bildung beitragen. Dabei dringt Niederschlag in Klüfte ein, durch das Frieren bei Minustemperaturen weitet sich das gefrorene Wasser und kann in weiterer Folge den Fels absprengen.

„Wenn in der Steiermark Steinschlag auftritt, dann wird das von Fachleuten beurteilt, welche Maßnahmen zu ergreifen sind“, erklärte der Geologe: „Neben der Felsräumung sind das Sicherungsmaßnahmen wie Steinschlagschutz, Stahlnetze, Betonrippen, da gibt es eine ganze Palette.“

In seinem Bereich, der Landes-Straßenerhaltung und der Landes-Straßenverwaltung werden im Schnitt alle 14 Tage Maßnahmen gegen Steinschlag gesetzt, etwa das „Abläuten“, also Lockern und Abschlagen von einzelnen losen „Kluftkörpern“, die sich lösen könnten. Dies werde österreichweit zumeist durch alpinausgebildetes Personal von Fremdfirmen erledigt, sagte Rapp. In der Stadt Salzburg etwa besorgen dies am Mönchsberg mitten in der Stadt die „Felsputzer“.

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