Warhols Banane, Linzer Sprayer

Ausstellung „Graffiti & Bananas“ ist ab sofort im Linzer Nordico zu bewundern

Schön bunt: die Ausstellung „Graffiti & Bananas. Die Kunst der Straße“ im Nordico
Schön bunt: die Ausstellung „Graffiti & Bananas. Die Kunst der Straße“ im Nordico © Norbert Artner

Soll eine Stadt bloß „sauber“ sein oder auch lebendig?

Auf einer Stellwand ermutigt Street-Art-Künstlerin Chinagirl Tile mit 14 Regeln Frauen. Erste Regel: „Do it“, mach’ es! In der Stadt Linz haben Kreative den Aufruf seit Jahrzehnten verinnerlicht. Sprichwörtlicher Underground, Unterführungen besprayt, in Nachtaktionen Häuserwände, von übellaunigen Kritzeleien bis zu prächtigen, witzigen Gemälden.

Die Grenze legal/illegal verschwimmend, ein pensionierter Oberinspektor gibt im Video-Interview Auskunft. Wem gehört der öffentliche Raum?

„Schrill, laut, farbig“

„Schrill, laut, farbig“ nennt Nordico-Leiterin Andrea Bina die prächtige und liebevoll gestaltete Ausstellung „Graffiti & Bananas“, die bis 21. März zu besichtigen ist. Im Linzer Stadtmuseum Geschichte „von unten“, von den Rändern, an leicht zu übersehenden (weil man es ja eilig hat) Orten im Zentrum.

Die titelgebende Banane einerseits hergeleitet vom Cover des legendären Debütalbums der New Yorker Band Velvet Underground, dem Sujet von Andy Warhol ist eine eigene Abteilung gewidmet. Andererseits nostalgische Referenz von Kuratorin Klaudia Kreslehner, die in Studientagen von Wien kommend im Zug auf Karl Niedermayrs Fassadenmalerei auf dem „Bananenbunker“ im Linzer Frachtenbahnhof geblickt hatte.

Reizvolle Widersprüche

„Graffiti & Bananas“ ist auch reflektiertes Spiel damit, dass eine grundsätzlich institutionenkritische Kunstform in die Institution Museum wandert. Reizvolle Widersprüche tun sich auf, am Linzer Hafen etwa „Mural Harbour“ seit 2012 als Zentrum für Graffitikunst etabliert. Bereits eine der Top-10-Tourismusattraktionen, erläutert Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer, die um das „Polarisierende“ von Graffitis weiß. Skeptiker könnte allerdings die „besonders toll aufbereitete Ausstellung“ bekehren.

Das Museum erhielt viele Texte, Fotos etc. anonym, Underground unterläuft gerne das bürgerliche Konzept vom individuellen (männlichen) Künstler. Fotostrecken dokumentieren kreative Auswüchse einer Subkultur, die in den 1960ern in New York oder Philadelphia zu sprießen begann. Sponti-Sprüche in Linz, klassisch-jugendliches Aufbegehren („Eat the

rich“) bis existenzielle Stolpersteine („Zählt nicht uns, zählt eure Tage!!!“). Musik und Tanz wichtige Elemente, Hip-Hop und Breakdance gediehen auch in Linz. Großflächige Beispiele der Spraykunst, das Nordico hatte im Sommer lokale Künstler wie Skero (vormals Texta) eingeladen.

Ideenschmiede geplant

Workshops für Kinder begleiten die Ausstellung, es gibt Führungen, das Publikum ist aufgefordert, seine Ideen zu Street Art kundzutun. Im März werden die Ideen kulturpolitisch diskutiert.

Wie ist Ihre Meinung?