Manfred Maurer

Meinung

von Manfred Maurer

Warme Eislutscher

Beim Formulieren hehrer Ziele ist die EU längst Weltklasse. Zu Beginn dieses Jahrtausends hatte ein Gipfel die „Lissabon-Strategie“ verabschiedet, welche Europa bis zum Jahr 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt
machen sollte.

Weil dieses Ziel mehr als knapp verfehlt wurde, erfand ein Gipfel im Jahr 2010 das Programm „Europa 2020“ für „intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“. Das Ziel, die global führende Wirtschaftsmacht zu werden, hat man realistischerweise aufgegeben.

Das bedeutet freilich nicht das Ende aller Träume von warmen Eislutschern: Die für den EU-Gipfel nächste Woche vorbereitet Strategische Agenda 2024 soll Europa „selbstbewusster und mächtiger“ machen.

Realistischer wäre das Ziel, eine weitere Marginalisierung Europas im geopolitischen Machtgefüge zu vermeiden. Derzeit bewegt sich die EU nämlich nicht in Richtung einer Stärkung ihrer Position. Vielmehr befindet es sich zwischen den diversen Fronten, die Amerikaner, Russen und Chinesen eröffnet haben. Viel zu oft ist die EU statt Akteur nur Zuschauer, dessen Rolle sich auf die eines Rufers in der Wüste beschränkt.

„Realistischer wäre das Ziel, eine weitere Marginalisierung Europas im geopolitischen Machtgefüge zu vermeiden.“

Selbstbewusstsein wird meist nur im nationalen, nicht um gesamteuropäischen Kontext gezeigt. Hehre Ziele bleiben so unerreichbar.

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