Warten, bis es dunkel wird

Pop: Bonnie Tyler mit neuem Album „The Best Is Yet To Come“

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Bonnie_Tyler_The_Best_Is_Yet_To_Come_cover_800x800.jpg © earMUSIC

Corona macht mürbe, derzeit kommt jeder Trost recht. „Der Moment, wenn wir endlich wieder auf einer Bühne stehen und eure lächelnden Gesichter sehen können, wird etwas ganz Besonderes sein. Ich verspreche: Das Beste kommt WIRKLICH erst noch!“ Bonnie Tyler (69) nach „langen und gruseligen Monaten“ im Begleitschreiben zu ihrem neuen Album, die Musikerin aus Wales nennt es psychohygienisch passend „The Best Is Yet To Come“. Der gleichnamige Song steht am Anfang, sehr flott, der Rhythmus klassisch, bumm-bumm bumm-bumm. Etwas wie elektronische Kastagnetten als Nebengeräusch, klingt vertraut. Etabliert im Evergreen „Total Eclipse“, gut getriggert.

Immer noch markantes Reibeisen

Tyler meidet ungute Überraschungen, in Zeiten der sanften Depri ist Verlässlichkeit das bessere Signal. Die Stimme ist etwas dünner geworden, aber immer noch markantes Reibeisen. Genug, um manches flachere Lied zu veredeln. Eines wie „Somebody´s Hero“, zu dem doch unweigerlich einer von den großen Hits mitschwingt („Holding Out For A Hero“). Eine schlagereske Verirrung „Stuck To My Guns“, höllische Panflöte mit jaulender E-Gitarre. Musik für Boomer, die mit geschmeidigen, sinnfreien Instrumentierungen in den Achtzigern aufgewachsen sind.

Schöner, zielgerichteter Schmalz hingegen in „When The Lights Go Down“. Knackiger Refrain, wenn´s dunkel wird, drehen wir das Radio an und machen dazu schöne Sachen. Hat das Zeug zum Partykracher, wenn — ja wenn sich Schmusen virustechnisch wieder ausgeht. Fast stampfend nähert sich „Stronger Than A Man“, ein Ausreißer. Tritt in die Weichteile für alte Machos (oder die Herren der Musikindustrie)? Ihr wisst es eh alle, singt Tyler, kurzer dreckiger Lacher: Du musst stärker sein als ein Mann.

Trotzig lässt sie das Cover eines 10cc-Klassikers folgen, „I’m Not In Love“ aus dem Jahre Schnee (1975). Tyler darf abkupfern, sie hat das heiter-dramatische Musikfach über Jahrzehnte mitgeprägt. Ihr erster Welthit „It´s a Heartache“ gelang justament 1978, als ihr das Ende der jungen Gesangskarriere prophezeit wurde. Davor Operation der Stimmbänder, die empfohlene Schonung ignoriert, die Stimme wurde rau.

Gediegenes Album, ziemlich retro

Am Ende hebt Tyler noch einmal mit dem Donovan-Cover „Catch The Wind“ ab, reizt zum Schwenken der Feuerzeuge. Außenseiter tun das noch.

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„The Best Is Yet To Come“ (earMUSIC) ist ein gediegenes Popalbum, ziemlich retro. Die Popmusik neu erfinden sollen die jungen Hupfer.

von Christian Pichler

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