Was der Kaiser über die Romy denkt

„Salzkammergut 2024“ präsentiert Bewerbungsbuch & konkrete Projekte

Am 18. August in Bad Ischl ...
Am 18. August in Bad Ischl ... © APA/Gindl

Jedes Jahr am 18. August traut der Unwissende (und manchmal auch der Wissende) seinen Augen kaum:

In Bad Ischl wird der Rote Teppich ausgerollt, den Straßenrand säumen Menschen, die dem 19. Jahrhundert direkt entsprungen zu sein scheinen und niemand Geringerer als Kaiser Franz Joseph I. schreitet durch die Gassen. Ja, das ist Bad Ischl.

Hallstatt wird ersetzt, aus dem Wirtshaus ein Labor

Frisch aus den Händen der Übersetzer liegt das Bewerbungsbuch für den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2024“ — den ja bekanntlich das Salzkammergut für sich in Anspruch nehmen darf — nun in deutscher Sprache auf und weist bereits eine Vielzahl konkreter Projekte auf, die Einheimische und Besucher in der Hauptzentrale Bad Ischl und der näheren und weiteren Umgebung erwarten.

„Gespräche mit dem Kaiser“ werden exakt halten, was ihr Titel verspricht: monatlich wird in Gebäuden der k.u.k.- Monarchie in Ischl je ein Gespräch mit Franz Joseph I. geführt. Etwa darüber, was die Habsburger ins Salzkammergut geführt hat, oder wie er über den Romy-Schneider-Sisi-Kult denkt.

Das viertägige Literaturfestival „Europa, in Finsternis?“ soll europäischen Nationalismus in der Gegenwart und in der Vergangenheit thematisieren, das „Wirtshauslabor“ stemmt sich gegen das zunehmende Aussterben der Gasthäuser.

Der Zeit des Nationalsozialismus widmet sich das künstlerische Oral History-Projekt „Geschichten vom Abgrund“, bei dem 24 Charaktere, künstlerisch als Büsten gestaltet und über die Region verteilt, Geschichten über Täter, Opfer, Mitläufer und Widerständige erzählen.

Gemeinsam mit Ars Electronica wird das Multimedia-Projekt „Hallstatt verschwindet“ entwickelt. Für einen Abend macht das echte Hallstatt Platz für die chinesische Kopie. Auch in einem dreitägigen Symposium soll über das übergreifende Thema „Hypertourismus“ diskutiert werden.

Klanglabor und Kunstraum am Wasser verspricht „Flow Down“zu werden. Zugehört kann dabei auch bei Lesungen werden und unter Wasser geht es mit „Lake“, einer zeitgenössischen Tanzaufführung, die im und am Altausseer See stattfinden wird.

Damit noch nicht Schluss: In einer nächsten Runde „Open Call“ werden noch weitere Künstler für mehr Projekte gesucht, heißt es seitens der Veranstalter.

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