„Was würde der Flötzinger jetzt sagen?“

Das VOLKSBLATT sprach mit Eberhofer-Erfinderin Rita Falk über Zweitfamilien und Kreisel

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Sie ist die Erfinderin von Franz Eberhofer und seinem Universum. Diese Woche kommt das „Gugelhupfgeschwader“ in die Kinos, das Buch dazu lieferte natürlich die in Oberammergau geborene Autorin Rita Falk.

VOLKSBLATT: Wenn wie jetzt ein neuer Eberhofer ins Kino kommt, folgen die Massen, Ihre Bücher sind Bestseller. Wie erklären Sie sich den Erfolg Ihrer Eberhofer-Geschichten?

RITA FALK: Ich kann da selbst immer ganz schlecht reflektieren. Ich kriege es immer von den Kinobesuchern mit, von den Lesern, die mir schreiben, dass sie sich so abgeholt fühlen, so mitgenommen auf die Reise. Sie sitzen beim Wolfi am Tresen, sie sitzen mit im Streifenwagen, sie sind ein Teil dieser Geschichte! Das ist natürlich ein großes Kompliment, sowohl für die Filmemacher, als auch für mich als Autorin. Das ist schon ziemlich cool.

Woher kommen Ihre Figuren? Begegnen Sie denen im echten Leben oder kommen die nur aus Ihrem Kopf?

Es ist eine Mischung. Es gibt tatsächlich ein paar Charaktere in meinen Büchern, die mir so oder so ähnlich begegnet sind, die ich interessant gefunden habe oder skurril. Aber verschiedene Protagonisten sind auch einfach meiner Fantasie entsprungen. Der „Lotto-Otto“ zum Beispiel ist so jemand, den kenne ich jetzt nicht. Die Theresa ist schon etwas überspitzt, aber solche Frauen kenne ich.

Was war denn die erste Idee zum „Gugelhupfgeschwader“?

Das war dieser „Lotto-Otto“, der mir im Kopf herumgespukt ist. Ich wollte ihm möglichst viel Raum geben und ein Podium bieten und um diese Person herum ist dann eigentlich diese Geschichte entstanden.

Wenn man mit jemanden lange zusammen ist, kann es mitunter schon ein bisschen langweilig werden. Mögen Sie Ihre Stammfiguren noch so, wie Sie sie zu Beginn gemocht haben?

Ja! Im Gegenteil, es ist eigentlich so, dass sie mir immer vertrauter werden. Wenn ich mich jetzt hinsetze und an einem neuen Eberhofer zu schreiben anfange, dann ist das sehr sehr vertraut. Das ist meine Zweitfamilie, ich muss nicht mehr groß überlegen: Was würde denn der Flötzinger jetzt sagen? Ich weiß einfach, was er sagt. Ich mag sie wirklich gerne, und ich mag sie eigentlich durch die Filme noch lieber, weil während des Schreibprozesses der ersten zwei Teile gab es ja noch keine Filme, und da habe ich alles meiner Fantasie überlassen. Aber durch die Besetzung hat das alles so Farbe bekommen und viel mehr Fluss und Bewegung … Das macht die Sache für mich noch viel interessanter.

Hatten Sie beim Schreiben der ersten beiden Teile schon Ihre Figuren im Kopf — auch optisch?

Ja, und ich bin auch sehr, sehr glücklich und zufrieden mit der Besetzung. Da hat die Casterin eine unglaublich tolle Arbeit geleistet. Denn die sind alle unfassbar ähnlich den Figuren, die ich im Kopf hatte. Ich bin damals die Castingmappe durchgegangen und habe meinen Senf auch dazugegeben. Dass am Ende so ‘was dabei herauskommt, das ist ein Geschenk. Die Schauspieler entsprechen ja nicht nur optisch meinen Vorstellungen, sondern sie bringen das, was ich mir gedacht habe, auch so auf die Leinwand. Besser kann man es nicht machen!

Inwiefern sind Sie in den Prozess des Filmemachens involviert? Schauen Sie auch ‘mal bei den Dreharbeiten vorbei?

Ich schaue schon vorbei. Ich bin nicht jeden Tag dabei, aber seh’ zu, dass ich in den vier Wochen Dreharbeiten zwei-, dreimal vorbeischaue. Das macht mir Spaß, die Schauspieler freuen sich, oder tun jedenfalls so, als ob sie sich freuen würden, wenn ich vorbeikomme. Das ist für mich sehr interessant, den ganzen Entstehungsprozess zu beobachten. Auch im Vorfeld gehe ich über die Drehbücher drüber. Da ist einfach eine sehr gute Zusammenarbeit mit Constantin Film. Ich glaube, das spürt der Zuschauer auch am Ende, wenn er im Kino sitzt.

Es steht immer die Frage im Raum, ob denn das nun der letzte Eberhofer sein wird. Wie lange wollen Sie sich denn noch mit Ihrer „Zweitfamilie“, wie Sie sie genannt haben, beschäftigen?

Da setz’ ich mir gar kein Limit. Ich kann jetzt überhaupt nicht sagen, da schreibe ich jetzt noch zwei oder drei Teile. Ich mache das immer von Teil zu Teil und schau’ dann, wie ist die Resonanz, wie kommt das neue Buch an. Davon hängt auch ganz viel ab, wie meine Stimmung für das nächste Buch ist. Ich rechne ja schon seit fünf oder sechs Teilen damit, dass das alles mal übern Berg ist. Aber dann kommt wieder so eine Welle und so eine Freude, die die Zuschauer und die Leser haben und die überträgt sich dann natürlich auch auf mich, und dann ist man natürlich sehr motiviert, die Geschichte weiterzuspinnen.

Wie könnte denn das Ende vom Eberhofer Franz ausschauen? Dass er den Job wechselt, umzieht, stirbt?

Das kann ich überhaupt nicht sagen. Wie diese Geschichte mal endet … das will ich ehrlich gesagt gar nicht wissen, darüber will ich mir überhaupt keine Gedanken machen.

Wie funktioniert das Schreiben bei Ihnen? Setzen Sie sich an den Computer und kommen in einen Flow, oder überlegen Sie sich Kapitel für Kapitel?

Sowohl als auch. Also ich setz mich ganz unbedarft hin und fange an, ein Konstrukt zu erstellen. Wenn es so bei Kapitel 4, 5, 6 ist, dann wird es auch konkreter. Dann werden Pläne gemacht, Stichwörter, Ablaufplan. Das muss ja dann auch alles Hand und Fuß haben.

Könnten Sie sich eigentlich eine Fortsetzung mit anderen Figuren am selben Ort vorstellen?

Nein, überhaupt nicht! Niederkaltenkirchen gibt es bloß mit‘m Eberhofer!

Sie schreiben ja nicht nur Eberhofer-Krimis. Arbeiten Sie aktuell an einem Buch abseits des Eberhofer-Universums?

Ich habe ja den „Hannes“ geschrieben und den „Funkenflieger“. Und ich habe auch immer wieder Ideen zu Büchern außerhalb Niederkaltenkirchens. Aber man muss sich halt immer entscheiden. Vor jedem neuen Buch setze ich mich hin und überlege, ‘was anderes zu machen, weil ich schon Spaß daran habe. Aber es ist nun mal so, dass die Eberhofer-Fans zwar die besten sind, aber leider nicht die geduldigsten. Und die wollen möglichst schnell wieder Nachschub. Und dann fallen halt die Würfel, und es kommt wieder ein neuer Eberhofer.

Den Kreisverkehr, den man im Film sieht, der spielt ja auch im wahren Leben eine große Rolle für Eberhofer-Fans …

In der Nähe von Frontenhausen — Frontenhausen ist im Film ja Niederkaltenkirchen — gibt es einen Kreisverkehr. Und dem haben sie vor ein paar Jahren den Namen Franz Eberhofer-Kreisel gegeben. Und das finde ich sehr, sehr charmant. Da gibt es auch richtige Pilgerfahrten, ist mir erzählt worden. Wo die Leute fünfmal um den Kreisel fahren und wenn es richtig dick kommt, dann fahren sie auch noch rückwärts durch. Die haben da wohl eine richtige Freude daran.

Mit Autorin RITA FALK sprach Mariella Moshammer

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