Wechsel-Zeit der Polit-Chamäleons

Robert Lugar kehrt in blaue Heimat zurück, Rainer Widmann beschwört für FLÖ Haiders Geist

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Lugar, Strache und Fürst bei der Pressekonferenz © APA/Techt

Die Nationalratswahl steuert dem ersten Höhepunkt zu, denn kommende Woche endet die Frist für die Kandidatur auf der Landes- und Regionalliste und zehn Tage später die Frist für die Bundesliste. Wer dann nicht drauf steht, sitzt mit Sicherheit nicht im kommenden Nationalrat. Und genau das will Robert Lugar vermeiden und kehrt deshalb zu seinen blauen Freunden zurück. Diese hatte er für Jörg Haider verlassen, durch das BZÖ zog er 2008 erstmals in den Nationalrat ein. Als einer der ersten Fans von Milliardär und Parteigründer Frank Stronach sorgte der Nationalratsmandatar Lugar 2013 mit seiner Unterschrift dafür, dass sich das Team Stronach das Unterschriftensammeln für das Antreten bei der Nationalratswahl ersparte. Aus dem Orangen wurde ein Gelber. „Das Team Stronach ist für mich ein Geschenk des Himmels“, frohlockte Lugar damals. „Ich kann keine andere Politik machen, denn ich bin im Herzen freiheitlich“, meinte Lugar gestern, als er mit seinem neuen Parteiobmann Heinz-Christian Strache den Wechsel verkündete. „Natürlich ist Robert Lugar auch g’scheiter geworden“, analysierte Strache. Die Partei von Milliardär Stronach habe erkennen müssen, dass Geld alleine keine Politik mache.

Einen seinen damaligen orangen Freunde findet man allerdings auf einer anderen Liste an prominenter Stelle: Der ehemalige FPÖ-und BZÖ-Politiker Rainer Widmann — aktuell Gemeinderat der Bürgerliste WIFF in Freistadt — kandidiert als oö. Spitzenkandidat für die Freie Liste Österreich (FLÖ) von Karl Schnell. Die FLÖ sieht er als Chance, Österreich aus der Geiselhaft der „rotschwarzen Mogelpackung“ und der „zahnlosen Opposition“ zu befreien. Er ist sich sicher, „dass wenn Jörg Haider noch leben würde, er die Freie Liste Österreich anführen würde“. Und: „Wir können die Zeit nicht zurückdrehen, aber in seinem Sinne weitermachen“.

Umgefärbte Polit-Veteranen auf OÖ-Landeslisten

Auf den OÖ-Landeslisten der neuen Listen Peter Pilz (LP) und Karl Schnell (FLÖ) befinden sich hinter dem bereits bekannten Partei-Umsteiger Rainer Widmann (WIFF, FLÖ) auch die ehemalige Vizebürgermeisterin von Braunau, Brigitte Zeilinger. Die 63-Jährige wurde 2012 von der eigenen FPÖ-Fraktion via Misstrauensantrag aus der Stadtregierung geworfen. Auf Platz 3 steht WIFF-Kollege Hubert Reitbauer.

Rot und grün waren hingegen die bisherigen Farben der Kandidaten, die auf der Regional- und Landesliste von Peter Pilz stehen. Spitzenkandidatin Daniela Holzinger-Vogtenhuber verließ zwar den SPÖ-Klub im Nationalrat und auch die Partei, in der SPÖ-Gemeinderatsfraktion in Gampern bleibe sie aber, erklärte Ehemann und Fraktionsvorsitzender Markus Vogtenhuber. Auf Platz 2 der Pilz-Landesliste und an der Spitze im Wahlkreis Linz steht Lukas Papula, der für die SPÖ beim Hypo-U-Ausschuss mitarbeitete. Spitzenkandidat im Traunviertel (Landesliste Platz 4) ist Karl Kammerhofer. Der Ökopionier und Gründer des Öko-Versandhauses Grüne Erde saß bereits für die SPÖ und die Grünen im Gmundner Gemeinderat. Und ebenfalls auf kommunaler Ebene schon politisch tätig ist Michael Lindenbauer, er sitzt für die Bürgerliste für Ebensee (Büfe) im Gemeinderat. Während die FLÖ schon zufrieden mit dem Einzug in den Nationalrat wäre, haben die „Pilze“ als ihr Wahlziel die Zweistelligkeit ausgegeben.