Wegen Shutdown aufgeschobene Impfungen sollen jetzt nachgeholt werden

Wegen der Coronakrise aufgeschobene Impfungen sollten nun nachgeholt werden. Das hat die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien empfohlen. Während der strikten Ausgangsbeschränkungen habe es „dramatische Rückgänge“ von bis zu 90 Prozent bei Impfungen gegeben, sagte Rudolf Schmitzberger, Leiter des ÖÄK-Impfreferats.

„Im Rahmen des Shutdowns sind sehr viele Impflücken entstanden, nicht nur in Österreich, sondern weltweit“, erläuterte Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien. Das sei in Österreich vor allem auch bei den Impfungen in Schulen zu sehen gewesen – etwa an den Abrufungszahlen des HPV-Impfstoffs.

„Es gibt organisationsbedingt einen problematischen Rückstau in der Vorsorgemedizin, der auch die Impflücke miteinschließt“, erläuterte ÖÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart. Während des Shutdowns seien überwiegend Akutpatienten in den Arztpraxen betreut worden. Das sei zur Eindämmung der Pandemie „alles sehr gut gewesen“, nur wurden dadurch auch notwendige Impfungen verschoben. „Es ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt, um überfällige Impfungen nachzuholen“, betonte Steinhart.

Es habe Verunsicherung geherrscht, Impfungen in der Pandemiezeit aussetzten, erklärte Schmitzberger. „Wir haben das immer so kommuniziert, dass Impfungen unter entsprechenden Sicherheitsvorkehren möglich waren“, sagte er aus Sicht der ÖÄK. „Haben Sie keine Sorge, zu niedergelassenen Ärzten zu gehen“, empfahl Schmitzberger der Bevölkerung. Es sollten jedoch weiterhin Termine vereinbart und diese eingehalten werden.

Die ÖÄK fordert von der Politik, den Zugang zu Impfungen zu erleichtern. Mediziner sollten durch eine Änderung des Ärztegesetztes ohne Fachbeschränkung impfen dürfen – etwa Kinderärzte auch die Eltern der behandelten Kinder, sagte Steinhart. Auch komplizierte Wege, wie zunächst das Rezept vom Arzt zu holen, dann zur Apotheke zu gehen und wieder zum Arzt, um sich impfen lassen, sollten verkürzt werden, empfahl Wiedermann-Schmidt. Ärzte sollten die gängigen Impfstoffe in der Ordination haben.

„Impfen ist eine ärztliche Leistung und das soll sie auch bleiben“, erneuerte Steinhart die ablehnende Haltung der ÖÄK zu einer Impferlaubnis für Apotheker. „Ein Apotheker ist ein akademisch geschulter Verkäufer und Berater“, fügte Schmitzberger hinzu. Das sei keine Abwertung, der Pharmazeut habe jedoch keine klinische Ausbildung. Ärzte seien mit ihrer Ausrüstung und ihrem Team auf etwaige Nebenwirkungen von Impfungen vorbereitet – vom „einfachen Kreislaufkollaps“ bis zu seltenen, aber möglichen allergischen Zwischenfällen.

Außerdem plädiert die ÖÄK für eine Verstärkung von staatlich finanzierten Aufklärungs- und Impfprogrammen. Steinhart begrüßte die geplante Aufnahme der Influenza-Impfung in das Gratis-Impfgesetz. Kinder würden zwar weniger schwer an der saisonalen Grippe erkranken, es sei „aber nachgewiesen, dass Kinder die infektionsschleudern sind“, erläuterte Wiedermann-Schmidt.

Außer bei den Impfungen ortete Schmitzberger, der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde ist, auch coronabedingte Vorsorgelücken bei Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen und Untersuchungen von Jugendlichen. Außerdem gebe es bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes „sicher eine gewisse Grauzone“, dass manche Betroffene noch nicht diagnostiziert oder therapiert wurden. „Es ist aber zu früh, dass wir hier Zahlen haben, was noch nicht aufgedeckt wurde“, erläuterte Schmitzberger.

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