Weibliche Stärke und viel Humor

Theater des Kindes: Spannende Reise in 80 Tagen um die Welt

V. l. Katharina Schraml, Simone Neumayr, Matthias Hacker
V. l. Katharina Schraml, Simone Neumayr, Matthias Hacker © Theater des Kindes

Großer Andrang bei der gestrigen Premiere von „In 80 Tagen um die Welt“ (ab fünf Jahren) von Holger Schober nach Jules Verne unter der Regie von Erik Etschel im Linzer Theater des Kindes. Es blieb kein Platz frei und kein Mundwinkel gesenkt. Humorvoll vom Anfang bis zum Ende. Etschel wurde seinem Anspruch gerecht, Theater für mehrere Generationen zu machen. Herauszuheben ist die schauspielerische Leistung des Trios Matthias Hacker (als Phileas Fogg), Katharina Schraml (als Passepartout) und vor allem Simone Neumayr, die in rund zehn Figuren schlüpfte und ihre Wandelbarkeit mit Bravour unter Beweis stellte.

Schon der Einstieg war fulminant. Hacker und Neumayr im rhythmisch rasanten Sprechgesang zwischen drei Wecker pendelnd. Fogg: „Genau getaktet ist ein jeder Tag!“ Doch seine regelgetreue und steife Art findet in der weiblichen und frechen Jean Passepartout eine Gegenspielerin. Das Abenteuer, die 20.000-Pfund-Wette, im Jahr 1872 in 80 Tagen um die Welt zu reisen, kann beginnen.

Genial: Die überdimensionale Reisetasche, die zum Heißluftballonkorb, zum Schiff und zu vielem mehr wird. Jede Herausforderung wird gemeistert — vor allem von Passepartout, die klug ihre Frau steht. Sie kämpft nicht mit dem Stier (sensationell unterhaltsam gemimt von Neumayr), sie macht einen Deal mit ihm, schafft eine Win-win-Situation, trickst bei der Befreiung der indischen Prinzessin Aouda und überhaupt: Sie ist „fähig“ und hält mehr aus, als so mancher … Ja, sie trifft Fogg mitten ins Herz. Es gilt aufs Herz zu hören. Am Ende bekommt Passepartout einen Antrag, samt Kuss. „Wähhh“, finden das nur die Gäste in der Vorpubertät.

Ein packendes Stück, das die Stärke der Frauen in den Fokus rückt, weise Sätze, lustige Sprache und nicht einmal „Frozen“, „Titanic“ oder eine Hommage an Billie Eilish fehlen. Und die Datumsgrenze? Die ist schwierig zu erklären. „Am besten Lehrer oder Eltern fragen!“ Das Publikum war begeistert und lobte mit ganz viel Applaus.

www.theater-des-kindes.at

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