Weihnachtsstimmung mit wildflorie

Ihre Pflanzen beziehen sie ausschließlich aus ökologisch und ethisch vertretbarem Anbau und sie bevorzugen alte heimische Sorten. Was sie daraus machen, erfreut nicht nur Pflanzenfreunde, sondern auch Designliebhaber. Elsa Triebaumer (34) und Lisa Hartleitner (28) betreiben unter dem Namen wildflorie in Scharnstein eine ganz besondere Blumenhandlung und bieten Gartenplanung an.

Text: Melanie Wagenhofer

Betritt man das dreihundert Jahre alte Herrenhaus in Scharnstein, dann ist es, als würde man in eine eigene, kleine Welt eintauchen. Die Kombination aus herrlichen Pflanzenarrangements nach außergewöhnlichen Ideen und das Flair längst vergangener Tag nehmen den Besucher gleich für sich ein. Es sind noch die schönen alten Holzböden und rot-weiß gekachelter Fliesenboden erhalten, da und dort stehen vereinzelt antike Möbel. Oft wird der Kachelofen eingeheizt und Tee gekocht, die alten Mauern sind schwer zu heizen. Vor ein paar Tagen hat eine Adventausstellung Menschen aus nah und fern hierher gelockt. Auf den Fensterbrettern, auf Tischen und in Regalen, überall, wo Platz ist, stehen und hängen Pflanzen. In einem Raum hat Hartleitner aus an Draht hängenden Farnzweigen sogar eine Decke eingezogen. Märchenhaft.

Aus Waldreben, eigentlich eine Schlingpflanze, die Bäume erklimmt, ist einer von vielen außergewöhnlichen Adventkränzen von wildflorie entstanden. Die Äste hat Meisterfloristin Lisa Hartleitner eingedreht – zum Nest. Getrocknete rosa Hortensien umarmen als Kranz die obligatorischen vier Kerzen in derselben Farbe und schaffen so ein harmonisches Bild. Und das alles nach dem Motto: weniger ist mehr. „Oft braucht ein schöner Ast nur einen Gegenspieler, um zu wirken“, sagt Hartleitner.

Florale Kunst ohne Kitsch

Ein echtes Schmuckstück ist der Farn, der in einem alten Glaskästchen auf Moos ruht: Seine Blätter sind mit echtem Blattgold veredelt. Eine alte Glaslampe wurde, mit einem leuchtend roten Kranz aus japanischem Fächerahorn eingefasst, zum Kerzenständer. „Wir sind viel auf Flohmärkten unterwegs, wo wir schöne alte Dinge finden, die wir mit unseren Pflanzen arrangieren.“ Eine reiche Quelle ist die Natur selbst. Im Wald zu sammeln, gehört einfach zum Geschäft der beiden Frauen. Selbst vom Regen ausgeschwemmte junge Fichten finden dann ansehnliche Verwendung: In großen Glasgefäßen in Wasser gestellt, bereiten sie wochenlang Freude. Aus den weißen Samen der Waldrebe, die an Baumwolle erinnern, werden federleichte Kränzchen. Mit Kupferdraht hat Hartleitner eine Kugel aus Schwarzkiefernadeln geformt. Das alles ist so schön und wirkt so weihnachtlich, dass man keine Kugeln oder sonstigen künstlichen Kitsch braucht. Und der Christbaum? Der wird mit Haselnüssen, die an schönen Bändern baumeln, filigranen Bällchen aus Waldrebensamen, Mooskugeln und Walnüssen sowie Bienenwachskerzen aufgeputzt.

Lisa Hartleitner und Elsa Triebaumer kennen sich seit vielen Jahren und haben nach der Ausbildung zur Meisterfloristin und dem Studium der Landschaftsplanung- und Landschaftsarchitektur an der Universität für Bodenkultur aufgrund gemeinsamer Interessen und Leidenschaften wieder zusammengefunden. Sie gründeten 2016 zunächst ihr Blumengeschäft, in dem sie ausschließlich Pflanzen aus ökologisch und ethisch vertretbarem Anbau anbieten. „Der Großteil der in konventionellen Geschäften verkauften Blumen wird in Afrika produziert, die Pflanzen sind mit Chemie belastet, die Bedingungen für die Arbeiter nicht akzeptabel“, erklärt Hartleitner. „Unser Ziel ist ein minimaler CO2-Fußabdruck und die Einhaltung ökologischer Bedingungen und vertretbarer Sozialstandards“, stimmt Triebaumer ein.

Alte Sorten, eigener Anbau

Sie fingen an, selber Pflanzen anzubauen, den Rest kauften sie ausschließlich in Österreich. „Das wird nicht funktionieren“, so die Reaktion vieler aus dem Umfeld. „Umso größer war unser Ehrgeiz, es doch zu schaffen“, sagt Triebaumer lachend. Heute können die beiden davon leben und tun genau das, was sie immer wollten. Triebaumer war anfangs für den Anbau zuständig, jetzt widmet sie sich der Freiraumplanung, plant Gärten und leitet Baustellen. Hartleitner ist als Meisterfloristin für den Blumenladen zuständig. Das Geschäft wuchs so schnell, dass der Anbau nicht mehr zu bewältigen war. Jetzt bauen die Biogemüsebäuerinnen von Almgrün aus Scharnstein Blumen für wildflorie an. Triebaumer: „Wir sind Teil ihrer Fruchtfolge. Auf ein Jahr Brokkoli folgen unsere Astern.“ Ihr Saatgut beziehen sie zu 98 Prozent von ReinSaat in Niederösterreich, die Firma ist spezialisiert auf samenfeste Sorten und Pflanzen, die nicht genmanipuliert sind. Wildblumensaat kommt aus dem nö. Voitsau. Triebaumer: „So leisten wir auch einen Beitrag zur Artenvielfalt.“ Auf ihren Feldern wachsen heimische Pflanzen wie Kuckuckslichtnelke, Astranzie, Blutweiderich, Glockenblume sowie Prachtstauden und Einjährige wie Echinacea, Aster, Ziersalbei, Zinnie, Dahlie, Muschelblume, Phacelia … Mit ihrem Sortiment unterscheiden sie sich massiv vom klassischen Blumenladen. Einzelne Schnittblumensorten und Topfpflanzen liefert die Gärtnerei Bergmoser aus Frankenmarkt. Die ausschließliche Versorgung mit in Österreich kultivierten Pflanzen und zum Großteil auch aus eigenem Anbau ist einzigartig in Oberösterreich. wildflorie arbeitet auch in Gärten ausschließlich mit torffreier Erde und verzichtet weitestgehend auf Steckschwämme, die als Erdölprodukt nicht abbaubar sind.

Erfolgreiche Pionierarbeit

Skeptiker haben die beiden mit ihrer erfolgreichen Pionierarbeit überzeugt, immer mehr Geschäftsfelder tun sich auf. wildflorie dekoriert Schauräume großer Unternehmen und hat auch öffentliche Gestaltungsaufträge. Die privaten Kunden kommen aus einem Umkreis von 50 Kilometern, Triebaumer gestaltet Gärten und Dachterrassen. „Wir merken, dass die Leute umdenken, bewusster kaufen“, sagt Hartleitner. Bei Seminaren, die Blumenschmuck, mehrjährige Pflanzen, Gemüsebau zum Thema haben, kann man von den Profis von wildflorie lernen.

www.wildflorie.at