Lawinengefahr hält in Österreich an, mehr Schnee in Aussicht

Die Lawinengefahr ist in vielen Gebieten anhaltend hoch, einige Ortschaften sind von der Umwelt abgeschnitten, und für Mitte der Woche nahen weitere heftige Schneefälle. Die Blaulichtorganisationen und das Bundesheer standen auch am Montag im Hilfseinsatz, oft mussten aber Assistenz- oder Erkundungsflüge aufgrund von Schneefall und Sturm ausfallen.

Vielerorts waren wichtige Verkehrsverbindungen gesperrt. Weiterhin wurde versucht, mehrere vermisste Wintersportler zu orten. Von Skitouren und von allen Bewegungen abseits von Straßen und gesicherten Skipisten rieten die Behörden eindringlich ab. Einsatzkräfte hatten alle Hände voll zu tun, Straßen passierbar zu machen. Die zeitweise etwa in Teilen Salzburgs und Oberösterreichs regional ausgefallene Stromversorgung war bis zum Nachmittag großteils wiederhergestellt. In Bad Goisern (OÖ) stürzte das Dach einer Tischlerei unter der Schneelast ein.

Stark betroffen war die Steiermark, im Großteil der Obersteiermark hielt die Lawinengefahr unverändert bei der zweithöchsten Warnstufe (“groß”) der fünfteiligen Skala. Mit einer Entspannung der Lage sowie mit Hubschrauberflügen durch Polizei und Heer war angesichts des Wetters zunächst nicht zu rechnen. Rund 2.000 Menschen waren nach wie vor vom Schnee eingeschlossen.

Lawinengefahr der Stufe 4 herrschte auch in Tirol sowie in den Ybbstaler Alpen in Niederösterreich über der Waldgrenze, ebenso in Salzburg und in Vorarlberg. Sollten die prognostizierten Schneefälle kommen, sei am Wochenende sogar die höchste Lawinenwarnstufe, Stufe 5, möglich, hieß es aus Tirol. Für diesen Fall könne eine “Katastrophensituation” nicht ausgeschlossen werden, sagte der Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol, Rudi Mair, im APA-Gespräch. Noch sei es für solche Prognosen aber zu früh. Stufe 5 bedeutet, dass Infrastruktur gefährdet wäre und exponierte Gebäude möglicherweise evakuiert werden müssten. Zudem könnte es zu Talsperren kommen.

Zwei im Salzburger Tennengau seit Samstag vermisste Schneeschuhwanderer wurden von einer Lawine mitgerissen. Ein 28-Jähriger und eine 23-Jährige konnten nur noch tot geborgen werden. Die Suche nach zwei seit ebenfalls Samstag bei Hohenberg (Bezirk Lilienfeld) vermissten Tourengehern endete auch am Montag erfolglos. Im Gegensatz zum Vortag war der Einsatz von Hubschraubern aufgrund schlechter Sichtverhältnisse nicht möglich, sagte Michael Hochgerner von der Alpinpolizei. Die Suche wird am Dienstag nicht fortgesetzt.

Die Suche nach zwei ebenfalls seit Samstag bei Hohenberg (Bezirk Lilienfeld) in Niederösterreich vermissten Tourengehern lief weiter. Der geplante Hubschrauber-Einsatz war zunächst aufgrund schlechter Sicht aber auch hier nicht möglich. Die Hochkar Alpenstraße und die gesamte Skiregion sind wegen Lawinengefahr “bis auf weiteres geschlossen”. Gäste, Mitarbeiter und Bewohner sollten noch am Montag das Gebiet verlassen.

Vorarlberg forderte aufgrund der Lawinenlage sicherheitshalber einen Bundesheerhubschrauber an. Alle Rettungs- und Einsatzkräfte seien gut vorbereitet und auch der Lawineneinsatzzug des Bundesheeres sei einsatzbereit, informierte Sicherheitslandesrat Christian Gantner (ÖVP). Der zur Sicherheit angeforderte Bundesheerhubschrauber werde die zur Verfügung stehende Flotte bestehend aus einem Helikopter des Innenministeriums, zwei Rettungs- und einem Privathubschraubern ergänzen. Abhängig von der Witterung soll er “so schnell wie möglich in Vorarlberg eintreffen”, so Gantner.

Die obersteirische Gemeinde Pölstal hat Montagmittag nach tagelangen Schneefällen mit der Nachbargemeinde Hohentauern den Katastrophenzustand ausgerufen. In der Obersteiermark blieb zudem die Zufahrt zur Planneralm in den Rottenmanner und Wölzer Tauern (Bezirk Liezen) gesperrt. Damit war auch die Verbindung zu einem beliebten Gebiet für Schulskikurse dicht. Für etliche Schüler fiel zudem der erste Unterrichtstag nach den Weihnachtsferien aus: Im am stärksten betroffenen obersteirischen Bezirk Liezen blieben von rund 3.000 Schülern etwa 60 wetterbedingt der Schule fern. Bis auf die Volksschule St. Nikolai im abgeschnittenen Sölktal mit rund 40 Schülern und vier Lehrern und einige kleinere Schulen wurde aber sonst überall der Unterricht gehalten.

Aussicht auf wirkliche Entspannung gab es keine, vielmehr wird sich die Situation im Lauf der Woche wieder deutlich zuspitzen: Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gab bereits die nächste Schneewarnung aus, und für das Wochenende zeichnete sich eine weitere Front ab. Von Dienstag bis Donnerstag sind an der Alpennordseite – von Vorarlberg über Nordtirol, Salzburg und die Dachstein-Region bis zum Mostviertel – 30 bis 80 Zentimeter Neuschnee zu erwarten, auf den Bergen stellenweise auch mehr als 100 Zentimeter. Wegen des kräftigen Winds muss man mit Schneeverwehungen rechnen.

Das Winterwetter machte weiterhin Sperren von mehreren Bahnstrecken notwendig. So waren wegen Lawinengefahr in der Steiermark zwischen Stainach-Irdning und Schladming keine Fahrten möglich, teilten die ÖBB mit. Auch zwischen Tirol und Salzburg fuhren von Hochfilzen bis Saalfelden keine Züge. Diese Strecke dürfte bis Dienstagmittag gesperrt bleiben. Auf beiden Verbindungen wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Zwischen Saalfelden und Hochfilzen sollten laut ÖBB 60 Minuten mehr Reisezeit eingeplant werden, zwischen Stainach-Irdning und Schladming wegen der Sperre der Ennstal-Bundesstraße bis zu 120 Minuten.