„Weitergabe von Negativzinsen an Private ist kein Thema“

Sparkasse-OÖ-Vorstandschefin Stefanie Christina Huber spricht über Zinspolitik, Bargeldabschaffung und Schulsparen

Mit Jahresbeginn übernahm Stefanie Christina Huber das Amt der Vorstandsvorsitzenden bei der Sparkasse OÖ. Sie glaubt nicht an eine Abschaffung des Bargelds und ist für mehr Finanzbildung. Ein Ende der Niedrigzinspolitik sieht sie erst in einigen Jahren.
Mit Jahresbeginn übernahm Stefanie Christina Huber das Amt der Vorstandsvorsitzenden bei der Sparkasse OÖ. Sie glaubt nicht an eine Abschaffung des Bargelds und ist für mehr Finanzbildung. Ein Ende der Niedrigzinspolitik sieht sie erst in einigen Jahren. © Sparkasse OÖ

Seit Jahresbeginn leitet Stefanie Christina Huber die Geschicke der Sparkasse OÖ.

Im Interview spricht sie über Digitalisierung, die Abschaffung des Bargelds und die Niedrigzinspolitik.

VOLKSBLATT: Sie sind seit knapp mehr als einem halben Jahr im Vorstand, seit Jahresbeginn nun Vorstandsvorsitzende. Wie gut haben Sie sich in Ihre neue Arbeit bereits eingelebt bzw. wo wollen Sie neue Schwerpunkte setzen?

STEFANIE CHRISTINA HUBER: Die Einarbeitungphase hat sehr gut funktioniert. Die künftigen Schwerpunkte sowie die künftige Strategie werden aktuell ausgearbeitet. Bis Mitte des Jahres soll es hier Ergebnisse geben. Was man schon sagen kann ist, dass es stark um Kundenorientierung gehen wird – um die Frage, welche Bedürfnisse haben die Kunden, sei es analog oder digital.

Etwas, was die Kunden aktuell umtreibt, ist die mögliche Abschaffung des Bargelds oder auch das Verschwinden des klassischen Sparbuchs.

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Beim Bargeld gibt es vielfältige Entwicklungen, sei es jetzt die Diskussion um die kleinen Centstücke oder vorher jene um den 500-Euro- Schein. Das hat aber beides nichts damit zu tun, dass das Bargeld abgeschafft wird. Die Österreicher haben es lieb gewonnen, Bargeld mitzutragen. Diese Möglichkeit werden sie auch in Zukunft haben. Die angesprochenen Diskussionen haben ja Gründe. Beim 500-Euro-Schein ging es um Kriminalitätsbekämpfung. Bei den Münzen geht es vor allem um Entbürokratisierung und Effizienzsteigerung. Aber hier steht die Diskussion erst am Anfang.

Es wird also auf kurze Sicht zu keiner Abschaffung des Bargelds kommen?

Nein, eine solche Entwicklung sehen wir gar nicht.

Auch das klassische Sparbuch könnte bald einer digitalen Variante weichen müssen.

Auch da sehen wir keinen Grund es abzuschaffen, es wird noch immer verwendet. Natürlich bieten wir Online -Sparen an, aber beides kann sehr gut nebeneinander bestehen.

Gibt es das typische Sparbüchsen-Leeren in der Volksschule noch?

Da gibt es mittlerweile durch Compliance-Regeln regulatorische Hürden. Es wird als Werbung gesehen und darf daher nicht mehr wie in früherer Form gemacht werden. Dabei haben wir das Schulsparen immer auch als Wertschätzung gegenüber den Kindern empfunden, selbst wenn sie mit sehr kleinen ersparten Beträgen gekommen sind. Man hat dadurch dem Sparen einen Wert gegeben. Die Kinder haben gesehen, dass das Sparbuch auch bei kleinen Summen für die Erfüllung erster Wünsche Sinn macht.

Also gibt es da etwas Wehmut?

Das Schulsparen rund um den Weltspartag waren immer schöne Tage. Schade, dass durch manche Regularien durchaus sinnvolle Dinge verhindert werden.

Noch größere Veränderungen bringt die Digitalisierung mit sich. Wie sehr verschieben sich etwa beim Zahlungsverkehr die Präferenzen?

Bei den Transaktionen spielt die Karte eine immer größere Rolle. Im vergangenen Jahr wurden bereits drei Viertel – 74 Prozent – der Zahlungen per Karte getätigt. Im Jahr 2018 waren es noch 70 Prozent. Aber auch hier gilt, dass es noch immer sehr viele Kunden gibt, die in die Filialen kommen. Dort werden sie auch weiterhin Willkommen geheißen. Es gibt halt den klassischen Schalter nicht mehr, aber für fachgerechte Betreuung, schnelles Service oder die Nutzung einer Diskretkassa sind immer noch Mitarbeiter vor Ort.

Viele kleine Filialen schließen, die Anzahl der Standorte ist den vergangenen Jahren zurückgegangen. Wie geht die Veränderung hier vonstatten?

Wir optimieren unsere Filialstruktur nach den Kundenbedürfnissen. Wir wollen dort sein, wo die Kunden den Großteil ihrer Geschäfte tätigen, dort wo die Kundenfrequenz ist. Dort hat er einen Mehrwert, nach dem wird unser Filialnetz optimiert.

Wie viele Filialen hat man aktuell noch, gibt es eine Aussicht über die Entwicklung?

Aktuell sind es 162. Sich auf Zahlen für die Zukunft festzulegen wäre falsch, denn es ist eine dynamische Entwicklung. Es geht darum zu sehen, wo brauchen die Kunden uns und unsere Filialen.

Mit Christine Lagarde hat die EZB eine neue Präsidentin, eine Überprüfung der Zinspolitik wurde angekündigt. Glauben Sie an eine Zinswende?

Strategien zu überarbeiten macht immer Sinn. Im Moment erwarten wir aber keine Änderungen der EZB-Politik mit den Niedrig- und Negativzinsen in den kommenden Jahren. Aber das Umfeld ist für alle gleich. Es ist für unsere Kunden und auch für uns neu, hier muss man mit neuen Lösungen reagieren.

Es hat ja auch nicht nur Nachteile.

Für Leute, die investieren wollen, ist es natürlich auch ein Vorteil. Es wird dadurch auch viel Wohnraum geschaffen, die Baubranche läuft dadurch noch immer sehr gut.

Was bedeuten die Niedrigzinsen für das Geschäftsmodell einer Bank?

Es ist immer die Frage wie kreativ man als Bank ist und wie man darauf reagiert. Wir haben eine 200-jährige Geschichte. In dieser Zeit hat es auch viele Transformationen gegeben. Früher hat man gedacht, dass das handgeschriebene Sparbuch das einzig Wahre bleibt. Wenn man dann sieht, wo man jetzt steht, kann der nächste Schritt nicht das Problem sein, denke ich. Es hat immer verschiedene Zyklen gegeben. Früher etwa wurde nie hinterfragt, wie sich ein Häuslbauer einen Kredit mit 10 bis 15 Prozent leisten kann. Heute ist es eben die andere Seite. Wie kann man bei Niedrigzinsen vernünftig veranlagen. Aber auch da gibt es Alternativen wie Fondssparen.

Ist es aufgrund der anhaltenden Zinspolitik eine Überlegung, die Negativzinsen auch an Private weiterzugeben?

Das ist kein Thema und wird in Österreich auch keines werden.

Warum sind sie da so sicher? In Deutschland ist es schon gelebte Praxis.

Deutschland hat auch einen anderen Konsumentenschutz. In Österreich steht schon die Gesetzeslage gegen die Weitergabe von Negativzinsen an Private. Das ist aber auch gut so. Der Notgroschen soll gesichert sein.

Wie können Kunden aber noch Kapital aufbauen?

Es gibt Themen wie Fondssparen, Wertpapierveranlagung. Hier braucht es auch Finanzbildung, dafür müssen wir Verantwortung tragen. Es herrscht noch immer die falsche Meinung vor, dass man nur mit größeren Beträgen in Wertpapieren veranlagen kann. Mit Fondsplänen geht das aber schon ab 50 Euro. Durch monatliches Investieren in ein breit gefächertes Aktienportfolio nehme ich viel Risiko von Schwankungsbreiten heraus und dadurch kann langfristig eine sehr positive Rendite erzielt werden.

Merkt man in der Bevölkerung hier schon ein Umdenken, dass man sich anders orientieren muss, um noch Rendite zu erzielen?

Ich glaube, das große Umdenken ist gerade im Gange. Die ersten Tendenzen waren, die Auswirkungen der Nullzinspolitik aussitzen zu wollen. Die meisten haben gedacht, das kann nicht allzu lange anhalten. Nun aber tritt die Besorgnis ein, was mit dem Geld passiert, wenn das noch fünf bis zehn Jahre so weiter geht. Hier sehen wir schon, dass immer mehr die Beratung für alternative Produkte in Anspruch genommen wird.

Mit Sparkasse-OÖ-Chefin STEFANIE CHRISTINA HUBER sprach Christoph Steiner

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