Weltmarkt treibt Butter-Preise nach oben

Preisniveau in der EU um 89 Prozent höher als im Sommer 2016 — Regal-Preise sind in Österreich um 32 Prozent angestiegen

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Verbesserte soziale Bedingungen in vielen Entwicklungsländern heizen die Nachfrage nach Butter an. Mit dem Weltmarktpreis steigen die Preise auch in Österreich.
Verbesserte soziale Bedingungen in vielen Entwicklungsländern heizen die Nachfrage nach Butter an. Mit dem Weltmarktpreis steigen die Preise auch in Österreich. © Bilderbox

Von Harald Gruber

Der Butterpreis ist im Durchschnitt der EU-Länder um 89 Prozent höher als im Vorjahr. In den österreichischen Regalen hat der Butterpreis laut Statistik Austria um 32 Prozent angezogen, seit dem Sommer 2010 um 51,4 Prozent. Entwicklungen, die die Konsumenten zunehmend verärgern und erste Handelsbetriebe hinweisen lassen, die mengenmäßige Versorgung der Regale mit heimischer Butter könnte demnächst Lücken aufweisen. Doch, wie konnte es überhaupt zu dieser Entwicklung kommen?

Die drei Hauptgründe

In der Landwirtschaftskammer OÖ sieht man drei Auslöser: Drosselung der Milchproduktionskapazitäten aufgrund schlechter Marktpreise 2015 und 2016; verstärkter Zugriff der Lebensmittelindustrie auf Butterfett wegen Image-Problemen mit Palmfett; verstärkte Bindung von Milch und Milchfett in der international boomenden Käseproduktion. Fazit „Die Preisbewegungen werden vor allem durch die Entwicklungen auf dem Weltmarkt ausgelöst. Auch Österreich hängt davon ab.“

Nachfrage steigt schneller

Die OECD beschreibt die Weltmarktbedingungen mit folgenden Rahmendaten: die weltweite Butternachfrage steigt heuer gegenüber dem Durchschnitt der letzten drei Jahre mit +5 % schneller als die weltweite Butterproduktion (plus 4,3 Prozent), entsprechend geht der Weltmarktpreis um 15 Prozent nach oben. Dabei sieht die OECD die Butternachfrage in Entwicklungsländern mit +5,4 Prozent spürbar schneller ansteigen als in den entwickelten Nationen (+4,5 Prozent). Geografisch orten Marktbeobachter den stärksten Butter-Nachfrageboom in Asien.

Milchpreis ist deutlich höher

Die ersten Wellen des Milch-Weltmarktes haben Österreich erreicht: der Preis für von den Bauern angelieferte Rohmilch klettert seit Mitte des Vorjahres beständig nach oben und liegt laut AMA bei 37,63 Cent je Kilo — also um 26,7 Prozent höher als am Tiefpunkt im Juni 2016. Mengenmäßig ist die Situation in Österreich vorerst dagegen stabil: die im ersten Halbjahr gelieferte Milchmenge ist mit 1,692 Millionen Tonnen nur um 0,3 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2016, die im Inland erzeugte Buttermenge mit 18.940 Tonnen ebenfalls nur um 0,3 Prozent höher. Mittelfristig gehen Experten aber auch für Österreich von einem spürbaren Anstieg der Milchproduktion aus. Es werden bereits weniger Kühe geschlachtet — eine schnellere Reaktion der Landwirte wird aber durch die notwendige Wachstumsphase der Kälber und das vielerorts fehlende Futterangebot gehemmt.

71 % kommen aus Österreich

Österreich deckt seinen Butterbedarf — 5,3 Kilo pro Kopf und Jahr bzw. 46.072 Tonnen insgesamt — derzeit zu 71 Prozent aus heimischer Erzeugung. 17.871 Tonnen Butter wurden im Vorjahr importiert, 4628 Tonnen exportiert. Dabei ist der Butterverbrauch für Nahrungszwecke in Österreich im Vorjahr mit 46.072 Tonnen spürbar höher gewesen als im Jahr 2015 mit 42.941 Tonnen. Begründet werden die Butterimporte seitens der Wirtschaft zum Teil mit speziellen Produktionserfordernissen, zum Teil mit günstigeren Einkaufspreisen.