Weltweit Entsetzen über Massaker an Muslimen

Mindestens 49 Tote bei Rechtsextremisten-Angriff auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch

Oben: Ein Todesopfer am Gehsteig vor der Moschee.Rechts: Der mutmaßliche Haupttäter filmte die Bluttat und präsentierte sich im Internet.Links: In der islamischen Welt (hier Bangladesch) gehen die Wogen hoch.
In der islamischen Welt (hier Bangladesch) gehen die Wogen hoch. © AFP/Zaman

Freitag, 13.45 Uhr: 300 Muslime sind in der Al-Nur-Moschee in Christchurch zum Freitagsgebet versammelt, als ein Mann das Gotteshaus stürmt. In den Händen hat er eine Schnellfeuerwaffe, um den Leib eine kugelsichere Weste.

Er eröffnet sofort das Feuer. Auf dem Video, das er via Helmkamera vom Morden ins Internet überträgt, erklingt zu den Schüssen ein serbisches Kampflied.

„Ich bringe euch: Feuer“

Nach dem Blutbad steigt er seelenruhig ins Auto. Die Kamera läuft weiter. Jetzt ist im Hintergrund der Song „Fire“ von Arthur Brown zu hören: Die erste Zeile: „Ich bin der Gott des Höllenfeuers. Und ich bringe Euch: Feuer.“

Auf weiteren Waffen, die der Mann im Kofferraum hat, ist „Kebab Remover“ (Kebab-Entferner) zu lesen und der Name eines Mädchens, das 2017 bei einem islamistischen Anschlag in Schweden starb. Schon vor der Tat hat er ein „Manifest“ mit rechtsextremen Parolen ins Internet gestellt. Darin beschreibt er sich als 28-jähriger Australier aus einer Arbeiterfamilie. Als Gründe für seine Radikalisierung nennt er die Niederlage der französischen Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der Präsidentschaftswahl 2017 und das Attentat in Schweden.

Es ist nicht das einzige Blutbad an diesem Tag in Christchurch. Etwa zur gleichen Zeit wird in einem Vorort ein weiteres islamisches Gebetshaus Ziel eines Schussattentates.

Eine derartigen Horror hat Neuseeland noch nicht erlebt: In der Al-Nur-Moschee sterben 41, im zweiten Gebetshaus sieben Muslime. Ein Opfer erliegt im Spital seinen Verletzungen. Da 48 Menschen verletzt wurden, sind weitere Tote zu befürchten.

Premierministerin Jacinda Ardern spricht geschockt von einem der „dunkelsten Tage“ in der Geschichte des Landes. Aus Sorge vor weiteren Angriffen wurden die Sicherheitsvorkehrungen vor anderen Moscheen verschärft. Mit etwa 50.000 Gläubigen sind Muslime im 4,8-Millionen-Einwohner-Land eine kleine Minderheit.

Drei Festnahmen

Der mutmaßliche Haupttäter wurde später von Beamten in seinem Auto gestoppt. Zwei weitere Verdächtige, die ebenfalls im Besitz von Schusswaffen waren, wurden festgenommen. Nach Polizeiangaben wurden an Autos auch Sprengsätze entdeckt. Der australische Premierminister Scott Morrison bestätigte, dass einer der Verdächtigen Australier ist. Er sprach von einem „rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen“.

In der islamischen Welt gehen die Wogen hoch. In Pakistan und Bangladesch, woher einige der Opfer stammen, kommt es zu Massenprotesten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sieht in Christchurch „das jüngste Beispiel des wachsenden Rassismus und der Islamphobie“. Wenn der Westen nicht rasch Maßnahmen ergreife, würden „weitere Katastrophen“ folgen, warnte er. Sein Außenminister Mevlüt Cavusoglu findet, dieser Anschlag wurde „nicht nur von seinen direkten Tätern verursacht, sondern auch von unverantwortlichen Politikern, die den Hass gegen Muslime schüren“.

Nicht nur die islamische Welt ist entsetzt: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel verurteilte den Anschlag auf Menschen, „die friedlich betend in ihren Moscheen überfallen und aus rassistischem Hass ermordet wurden“. Präsident Emmanuel Macron wandte sich „gegen jede Form von Extremismus“. Der russische Präsident Wladimir Putin hofft, „dass die Verantwortlichen hart bestraft werden“. Das Weiße Haus verurteilte die Anschläge als „bösartigen Akt des Hasses“. Papst Franziskus verurteilte den „sinnlosen Gewaltakt“ und betete für die Opfer.

Auch Österreich ist schockiert

Auch in Österreich sorgt das Massaker von Christchurch für Entsetzen:
„So eine grausame und bösartige Tat muss sehr stark verurteilt werden“, twitterte Bundespräsident Alexander Van der Bellen. „Unsere Solidarität gilt den Menschen in Neuseeland, unser Mitgefühl ist bei den Opfern, deren Verwandten und Freunden.“
Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ist „schockiert und betrübt“: „Mein herzliches Beileid gilt den Verletzten, den Familien der Opfer und dem neuseeländischen Volk.“

Außenministerin Karin Kneissl (parteilos) twitterte: „Die abscheulichen Terrorattacken müssen verurteilt werden.“ Der Anschlag zeige, „wie sich die Fronten zwischen den Religionen weltweit verschärfen. Fundamentalisten und Fanatiker terrorisieren auf allen Kontinenten Minderheiten und Andersgläubige“, sagte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker. Neos-Klubobmann Nikolaus Scherak sprach den Familien und Freunden der Opfer „unser Beileid“ aus.

„Der Anschlag „erschüttert mich zutiefst”, schrieb der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn auf Twitter. „Im Gebet sind wir bei den Opfern und ihren Familien, und als Christen an der Seite aller Menschen, die sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.“

IGGÖ: „Antimuslimische Hetze“ bekämpfen!

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, spannte den Bogen nach Österreich: Für ihn ist das Blutbad „logische Konsequenz anti-muslimischer Hetze“. Eine bloße Verurteilung des Terrors reiche auch in Österreich nicht aus. Vielmehr müsse die Politik „aktiv und glaubwürdig gegen anti-muslimische Hetze vorgehen“.

Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) nützte seine Betroffenheitsbekundung für einen innenpolitischen Seitenhieb: „Da sieht man, wohin der Hass führt“, sagte Ludwig und kritisierte bei der Gelegenheit die umstrittene Karfreitags-Regelung.