Weltweite Online-Huldigungen für einen Islamisten und Antisemiten

Fundamentalistische Milli Görüs feiert auch in Österreich Islam-„Pioniere“ wie den vor 10 Jahren verstorbenen Judenhasser Necmettin Erbakan

Milli-Görüs-„Pionier“ Erbakan starb vor zehn Jahren. Seine „Weisheiten“ wie „Den Muslim, der sich nicht für Politik interessiert, regiert der Jude, der sich für die Politik interessiert” werden in sozialen Medien weiter verbreitet (linkes Bild).
Milli-Görüs-„Pionier“ Erbakan starb vor zehn Jahren. © AFP/Altan

Die Pandemie erlaubt zwar keine Großveranstaltungen, die islamisch-fundamentalistische Milli-Görüs-Gemeinschaft (IGMG) verzichtet dennoch nicht auf ihr globales Event „Önden Gidenler“, mit dem sie Persönlichkeiten würdigt, „die dem Weg des Gesandten Allahs folgten und so zu Pionieren wurden“.

Wohl nicht zufällig werden rund um den 27. Februar in vielen Ländern Europas sowie in den USA, Kanada, Australien und Japan Zoom-Konferenzen organisiert: Heute vor zehn Jahren starb Necmettin Erbakan. Der Gründer der Milli-Görüs-Bewegung und türkische Ex-Premier steht im Zentrum des Gedenkens.

Fragwürdiges Vorbild

Seine „Weisheiten“ wie „Den Muslim, der sich nicht für Politik interessiert, regiert der Jude, der sich für die Politik interessiert” werden in sozialen Medien weiter verbreitet.
Seine „Weisheiten“ wie „Den Muslim, der sich nicht für Politik interessiert, regiert der Jude, der sich für die Politik interessiert” werden in sozialen Medien weiter verbreitet.

Erbakans Vorbild ist freilich ein zweifelhaftes: Er predigte nicht nur eine „gerechte islamische Ordnung“, welche die westliche Ordnung ersetzen sollte, sondern hinterließ auch ein antisemitisches Erbe. Etwa Sprüche wie diese: „Den Muslim, der sich nicht für Politik interessiert, regiert der Jude, der sich für die Politik interessiert.“ Oder: „Seit 5700 Jahren regieren Juden die Welt.“

Nichtsdestotrotz würdigen Milli-Görüs-Vereine auch in Österreich Erbakan als „großer islamischen Vordenker“. Die Österreichische Islamische Föderation (IF) lud schon gestern Abend zum „Önden Gidenler“-Event auf Zoom. Dabei ist auch eine zumindest indirekte Involvierung der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) erkennbar: Es referierte IGGÖ-Mufti Mustafa Mullaoglu, der im Ankündigungsvideo als „Berater des IGMG-Vorsitzenden“ (Kemal Ergün) tituliert wird.

IGGÖ-Mufti Mullaoglu zeichnet heute für die Online-Huldigung der islamischen „Pioniere“ in den USA verantwortlich. © Screenshot/Youtube.com

Mullaoglu wird heute auch das Zoom-Event für die Milli-Görüs-Gemeinde in den USA leiten. Für die Region Linz ist eine solche Online-Veranstaltung am Sonntag geplant. Schon heute wird IGMG-Chef Ergün aus der Kölner Zentrale via Internet die Wiener Würdigung der Islam-Pioniere leiten.

Obwohl Ergün ebenso wie der aus der Islamischen Förderation kommende IGGÖ-Vorsitzende Ümit Vural Antisemitismus grundsätzlich verurteilt, haben beide offenbar kein Problem mit Ehrungen des Judenhassers Erbakan. Die diversen im Web kursierenden Ankündigungen des Veranstaltungsreigens enthalten jedenfalls keinerlei kritische Anmerkungen.

Die Präsentation Erbakans als Vorbild sehen Kritiker allerdings höchst problematisch. Denn die vom bayerischen Verfassungsschutz als „verfassungsfeindlich“ eingestufte IGMG verfügt über massiven Einfluss in der türkischen Diaspora. Eigenen Angaben zufolge betreibt sie weltweit 600 Moscheen und 2000 Bildungszentren, über die sie mehr als eine halbe Million Menschen erreicht.

Von Manfred Maurer

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