Wenig Flugverkehr: Fluglotsen trainieren am Simulator

Der Himmel ist durch die Coronakrise leer geworden. Weltweit stehen nach wie vor tausende Flugzeuge still. Das trifft auch die Flugsicherung und deren Fluglotsen. Die Austro Control hat deshalb ihre Lotsen zum Training am Simulator geschickt. Dort wird die Bewältigung eines deutlich höheren Verkehrsaufkommens trainiert, um vorbereitet zu sein, wenn der Verkehr wieder anspringt.

„Wir sind überzeugt davon, dass der Flugverkehr wieder deutlich an Fahrt aufnehmen wird. Daher müssen wir uns personell gut aufstellen, um auch in Zukunft einen sicheren und pünktlichen Flugverkehr gewährleisten zu können“, erklärte Austro-Control-Geschäftsführerin Valerie Hackl gegenüber der APA.

Das System der Flugsicherung ist grundsätzlich darauf ausgerichtet – und die Fluglotsinnen und Fluglotsen sind darauf trainiert – ein wachsendes Verkehrsaufkommen zu managen. Bei ungewohnt geringem Verkehr muss die Konzentration der Fluglotsen auch über längere Strecken aufrechterhalten werden.

Dazu kommen die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus. Die Lotsenteams wurden verkleinert und voneinander getrennt, um im Falle einer Infektion rasch Ersatz einsetzen und den Betrieb weiterführen zu können, hieß es zur APA. Ebenso seien weitreichende Hygienemaßnahmen in den operativen Betriebsräumen umgesetzt worden.

An der Ausbildung neuer Fluglotsen hält die Austro Control fest. Das Training werde „soweit wie möglich“ fortgesetzt. Bis ein Trainee als Lotse eingesetzt werden kann, vergehen zwei bis drei Jahre. Erst im Herbst hat ein neuer Kurs mit rund 20 Trainees begonnen, der über E-Learning und digitale Lernplattformen abgehalten wird. Insgesamt befinden sich laut Austro Control etwa 80 Leute in den verschiedensten Ausbildungsstufen im Training.

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Die Austro Control ist von den dramatischen Rückgängen im Flugverkehr stark betroffen. Gab es 2019 noch 1,37 Mio. Flugbewegungen, waren es 2020 nur noch knapp 590.000 Flüge. Das entspricht einem Minus von 57 Prozent und damit dem Verkehrsniveau von 1994. Bei den Starts und Landungen in Wien war der Rückgang 2020 mit 61 Prozent noch dramatischer.

In den Sommermonaten des Vorjahres war eine leichte Erholung zu beobachten – im August lag der Verkehrsrückgang im Vergleich zum Jahr davor nur bei 48 Prozent – ist seit dem Herbst mit den weltweit steigenden Infektionszahlen wieder ein Abwärtstrend erkennbar. Im November und Dezember waren mit einem Minus von 66 Prozent deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Auch derzeit, im Jänner 2021, verzeichnet die Austro Control lediglich rund 35 Prozent des üblichen Flug-Verkehrsaufkommens im österreichischen Luftraum.

Die Austro Control rechnet für sich mit einer Halbierung der Einnahmen und einem Umsatzausfall von rund 144 Mio. Euro. Von Mai bis Juli waren die Mitarbeiter in Kurzarbeit, für 2020 und 2021 wurden Nulllohnrunden vereinbart und auf die Prämien für 2019 und 2020 verzichtet. In Summe wurden 80 Mio. Euro eingespart. Mit der Gewerkschaft wird zurzeit ein neuer Kollektivvertrag verhandelt, mit diesem soll das Pensionsantrittsalter künftiger Lotsen von derzeit 55 Jahren erhöht werden.

Die Flugsicherungen gehen ebenso wie die Airlines davon aus, dass sich der Flugverkehr nur langsam erholen wird. Laut Prognosen der Eurocontrol könnte das Verkehrsniveau von 2019 erst 2023 erreicht werden. Bei Austro Control ist man noch vorsichtiger, die heimische Flugsicherung geht in ihren Planungen davon aus, dass heuer rund 70 Prozent des Verkehrsniveaus von 2019 erreicht werden. Ein Verkehrsniveau wie im Jahr 2019, vor der Krise, wird erst wieder für 2025 erwartet.

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