Weniger gerettet, mehr ertrunken

Heuer schon 1500 Migranten bei der Überfahrt nach Europa umgekommen

Immer mehr Menschen ertrinken im Mittelmeer auf der Fahrt Richtung Europa.
Immer mehr Menschen ertrinken im Mittelmeer auf der Fahrt Richtung Europa. © AFP/Messinis

Die Zahl der im Rahmen der EU-Mission „Sophia“ aus dem Mittelmeer geretteten Menschen ist im ersten Halbjahr 2018 drastisch gesunken. Der Rückgang betrage 83 Prozent verglichen mit dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, berichtete das Internet-Portal Buzzfeed am Dienstag unter Berufung auf Antworten der deutschen Regierung auf Anfragen der FDP-Fraktion sowie einen vertraulichen EU-Bericht.

Zugleich sei eine besonders hohe Zahl von Flüchtlingen im Mittelmeer ertrunken. Deren Zahl wurde für 2018 bisher mit mehr als 1500 angegeben, davon allein 629 im Juni, wie aus Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) hervorgeht.

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Unterdessen geht das Tauziehen um 177 von der italienischen Küstenwache aufgegriffene Bootsflüchtlinge weiter. Verkehrsminister Danilo Toninelli von der Fünf-Sterne-Bewegung hatte am Montag dem Schiff die Erlaubnis für die Einfahrt in den Hafen von Catania erteilt, Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega will die Menschen allerdings nicht an Land gehen lassen, solange es keine „Antworten von Europa“ gebe. Italien hatte am Sonntag die EU-Kommission dazu aufgefordert, andere Mitgliedsstaaten auszumachen, die die im Meer Geretteten aufnehmen. Salvini drohte gestern erneut damit, Flüchtlinge nach Libyen zurückzuschicken. „Entweder Europa beginnt damit, ernsthaft seine Grenzen zu schützen und die aufgenommenen Flüchtlinge zu verteilen – oder wir beginnen, sie in die Häfen zurückzubringen, von denen aus sie gestartet sind.“