Wenn Bäume zu sprechen beginnen

STARTS Prize der EU und der Ars Electronica 2020 an zwei Künstlerinnen

Die russische Künstlerin Olga Kisseleva macht sichtbar, was uns bisher verborgen blieb: die Kommunikation unter Pflanzen. Ihre künstlerisch-wissenschafltichen Projekte rücken unseren Umgang mit der Natur in den Mittelpunkt.
Die russische Künstlerin Olga Kisseleva macht sichtbar, was uns bisher verborgen blieb: die Kommunikation unter Pflanzen. Ihre künstlerisch-wissenschafltichen Projekte rücken unseren Umgang mit der Natur in den Mittelpunkt. © Olga Kisseleva studio

Alles begann mit einer 600 Jahre alten Ulme in einem französischen Dorf. Entstanden ist daraus dann fast so etwas wie ein Märchen, denn die Künstlerin Olga Kisseleva brachte Bäume zum Sprechen.

Der Jahrhunderte alte Baum fiel 2012 dem Ulmensterben zum Opfer, was Kisseleva dazu brachte, zwei Ulmenarten zu kreuzen und dem verantwortlichen Pilz den Garaus zu machen. Danach widmete sich die Künstlerin, deren Werke u.a. bereits im Centre Pompidou und im MoMA in New York gezeigt wurden, der Kommunikation der Bäume mit ihrer Umwelt und verband weltweit Pflanzen über ein Telekommunikationsnetzwerk, um einen noch nie da gewesenen Austausch zu ermöglichen — und ihn auch für die Menschen hör- und sichtbar zu machen. Für das Projekt „Datascapce“ entwickelte Kisseleva ein interaktives Programm, das die Kommunikationsaktivität eines aus Pflanzen bestehenden Netzwerks analysiert. Die Daten werden zur Quelle interaktiver Visualisierung. Dafür wurde Kisseleva mit dem STARTS Prize ’20 für innovative Kollaborationen zwischen Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

Die jährlich ausgeschriebenen STARTS-Preise der Europäischen Kommission wurden auch heuer wieder von der Ars Electronica durchgeführt. Insgesamt gab es 1775 Einreichungen aus 89 Ländern. Viele davon hätten einen kritischen Zugang zu Themen unserer Zeit, sagt Gerfried Stocker, Leiter der Ars Electronica.

Wie lässt sich eine Welt ohne Abfall gestalten?

Heuer ebenfalls von der Jury ausgewählt und mit 20.000 Euro bedacht wurde die kanadische Künstlerin Andrea Ling. Ausgangspunkt ihrer Arbeit „Design by Decay, Decay by Design“ war die Überlegung, eine Welt ohne Abfall zu gestalten. „Als Architektin und Künstlerin weiß ich, dass das meiste, was ich schaffe, letztlich auf der Mülldeponie landet“, sagt Ling. Dieser Gedanke brachte sie dazu, Abfall als Ausgangspunkt für Erneuerung zu denken, Biokunststoffe zu kreieren, die umweltverträglich und leicht abbaubar sind.

Gut die Hälfte der Anerkennungen seien ebenfalls im ökologischen Themenkreis, der Rest nehme sich Themen um Gesellschaft und Demokratie an, so Stocker. Der zum fünften Mal vergebene Preis wird für weitere drei Jahre mit rund zwei Millionen Euro von der EU finanziert und von der Ars Electronica vergeben.

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger sowie Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer lobten das Engagement der Ars Electronica beim Starts Prize und betonten die Bedeutung eines Preises, der Technologie, Wissenschaft und Kunst vereine für die Industrie- und Tourismusstadt Linz.

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