Wenn der Berg dir Grenzen und Glück zeigt

Robert Schabus' Dokumentarfilm „Alpenland“ über die Beziehung des Menschen zur schroffen Landschaft

Das Leben in den Alpen verlangt viel ab.
Das Leben in den Alpen verlangt viel ab. © Nikolaus Geyrhalter Film

Es ist ein Ungetüm, das in die Landschaft ragt, unpassend, hässlich. Im Inneren wedeln Menschen Hänge voller Kunstschnee ins nicht vorhandene Tal. Die Wände „zieren“ die weiten Panoramen der Alpen, dazwischen immer wieder Werbung für die echten Berge, das wahre Paradies. Aja, außerhalb der Halle ist Sommer.

Mit dieser Perversität beginnt der neue Film des Kärntner Filmemachers Robert Schabus „Alpenland“. In „Bauer unser“nahm sich Schabus der Herausforderungen der modernen Landwirtschaft an, in „Alpenland“ steht die Beziehung der Menschen zur europäischen Bergwelt im Mittelpunkt. Immerhin leben 13 Millionen aus acht Ländern in den Alpen.

Einer von ihnen ist Josef Pacher, der mit Tochter Julia und seiner Schwester auf einem Bergbauernhof im Mölltal lebt. Harte Arbeit und Gefahren — während der Dreharbeiten stürzte ein Kuh im steilen Gelände ab — prägen den Alltag in der wunderschönen Landschaft. Die Frage, ob Julia den mit vollem Einsatz erhaltenen Hof weiterführen kann, steht permanent im Raum. Es gibt vieles, das dagegen spricht. Mehr Wachstum, das Mantra unserer Zeit, ist nicht möglich zwischen den schroffen Abhängen. Der Berg zeigt dir deine Grenzen auf.

Ganz anders in Garmisch-Partenkirchen, wo gebaut, gebaut, gebaut wird. Warum auch nicht, wenn sich der Quadratmeter mit Aussicht für 10.000 Euro an investaffine Frauen und Männer bringen lässt. Nur der Winter macht nicht mit, der verzieht sich, Schneeflöckchen tanzen nicht mehr vom Himmel, sondern werden zeitgerecht aus der Kanone geballert. Das kostet Energie, macht Emissionen, das treibt den Klimawandel voran.

Schabus zeigt diesen und andere Teufelskreise und macht es dem Zuschauer schwer, zu widersprechen. Dass dieser Dokumentarfilm Diskussionen anregt, ist unumgänglich und gut so. Unkommentiert wirken die Bilder und Aussagen jener Menschen, die Teil der Kulturlandschaft Alpen sind, am stärksten. Diese Landschaft verlangt den Bewohnern viel ab, es fördert aber auch viel zu Tage. So wie in einem kleinen Bergdorf in der Lombardei, in der eine Mini-Industrie entstanden ist. Auch hier ist Expansion kein Thema, aber es gibt genug Arbeitsplätze, auch für die Jugend, um eine Abwanderung zu stoppen. Und: Man mag es kaum glauben, auch ohne das Mantra der Steigerung und Vermehrung zu beten, sind diese Menschen glücklich. In diesen Momenten macht das Schabus’ Film auch mit uns.

Von Mariella Moshammer

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