Wenn der Urlaub krank macht

Endlich Urlaub – und dann gleich Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Zufall? Unwahrscheinlich. Besonders verantwortungsbewusste und stark belastete Arbeitnehmer sind anfällig dafür, in der Freizeit krank zu werden. Interne-Primar Martin Clodi rät vorbeugend: „Den Stresspegel langsam herunterfahren.“

Das Phänomen „Leisure Sickness“ – zu Deutsch Freizeitkrankheit – ist bisher nicht zur Gänze erforscht. So ist es zwar empirisch gut nachweisbar, zu den Gründen und Einflussfaktoren dürfte jedoch bei weitem noch nicht alles bekannt sein. Einige Punkte scheinen das Risiko, unmittelbar nach Urlaubsantritt krank zu werden, aber relativ eindeutig zu erhöhen.
Meist sind Arbeitnehmer betroffen, die einer überdurchschnittlich hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt sind und gleichzeitig auch die Bereitschaft mitbringen, den an sie gestellten Aufforderungen auch gerecht zu werden, also eine besondere Verantwortung für ihre Aufgaben übernehmen. Bisherige Erfahrungen haben außerdem gezeigt, dass Frauen öfter als Männer unter „Leisure Sickness“ leiden. Von der Hierarchieebene in der gearbeitet wird, dürfte das Phänomen aber weitgehend abgekoppelt sein.

Langsam herunterfahren

„Viele Menschen stehen permanent unter Druck. Im Urlaub fahren sie ihre Leistung dann innerhalb kürzester Zeit herunter – kein Wunder dass der Körper da gestresst reagiert“, meint Primar Univ.-Prof. Martin Clodi, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz. Derartige Stressreaktionen würden sowohl geistige als auch körperliche Ursachen haben. Etwa die grundlegende Einstellung zur Arbeit und ebenso zur Freizeit. Vermutet werde zudem ein gewisser hormoneller Einfluss auf das Auftreten der Freizeitkrankheit: „Eine Herunterregulierung der Stresshormone könnte eventuell begünstigend wirken, definitive Studien zum Thema wurden aber bisher nicht publiziert“, sagt Clodi. Gestresste Arbeitnehmer sollten ihre Leistung trotzdem bereits einige Tage vor dem Urlaub langsam herunterfahren: „Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, nicht bis zum letzten Tag Vollgas zu geben, damit könnte das Risiko, gleich nach Urlaubsantritt zu erkranken, durchaus gesenkt werden“, empfiehlt der Mediziner. Umgekehrt sei es gut, sich für den Urlaub zumindest ein paar Aktivitäten vorzunehmen, um nicht in ein sprichwörtliches Loch zu fallen: „Eine ordentliche Radtour, ein fordernder Lauf oder eine Bergtour machen den Kopf frei und lassen die Arbeitsdinge gleich weiter in die Ferne rücken“, erklärt Clodi.
Grundsätzlich sollte man – wenn möglich – mindestens zwei Wochen Urlaub am Stück nehmen, um wirklich richtig abschalten zu können. Außerdem ist es äußerst empfehlenswert, das Diensthandy einmal komplett wegzupacken und dienstliche Mails bestenfalls am Ende des Urlaubs zu checken.

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