Wenn es nur nach Greta ginge…

... wäre der Klimaschutz durch ein Aufheizen des weltpolitischen Klimas gefährdet

Ohne Dusche und Toilette, dafür angeblich klimaschonend muss die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg die kommenden zwei Wochen überstehen. An Bord der 18-Meter-Jacht „Malizia II“ segelt sie gerade Richtung USA. Seekrankheit und mangelnden Komfort nehme sie in Kauf, sagte die 16-Jährige beim Start im englischen Plymouth. Gesteuert wird die Jacht vom deutschen Profisegler Boris Herrmann. Co-Skipper ist der monegassische Adelige Pierre Casiraghi. Den Atlantik überquert Thunberg, um am UNO-Klimagipfel in New York im September sowie an der Weltklimakonferenz in Chile im Dezember teilzunehmen. Auch eine Reihe größerer Klimaproteste steht in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Programm. Es gibt aber Zweifel an der ökologischen Sinnhaftigkeit des Segeltörns. Die Jacht wird nämlich von fünf Seglern wieder zurück nach Europa gebracht. Die müssen dafür zunächst in die USA fliegen. Ein Sprecher des Thunberg-Teams rechtfertigte die schlechte Öko-Bilanz so: Es gehe nicht darum, mit der Aktion allein das Klima zu retten, sondern man wolle Aufmerksamkeit erregen.
Ohne Dusche und Toilette, dafür angeblich klimaschonend muss die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg die kommenden zwei Wochen überstehen. An Bord der 18-Meter-Jacht „Malizia II“ segelt sie gerade Richtung USA. Seekrankheit und mangelnden Komfort nehme sie in Kauf, sagte die 16-Jährige beim Start im englischen Plymouth. Gesteuert wird die Jacht vom deutschen Profisegler Boris Herrmann. Co-Skipper ist der monegassische Adelige Pierre Casiraghi. Den Atlantik überquert Thunberg, um am UNO-Klimagipfel in New York im September sowie an der Weltklimakonferenz in Chile im Dezember teilzunehmen. Auch eine Reihe größerer Klimaproteste steht in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Programm. Es gibt aber Zweifel an der ökologischen Sinnhaftigkeit des Segeltörns. Die Jacht wird nämlich von fünf Seglern wieder zurück nach Europa gebracht. Die müssen dafür zunächst in die USA fliegen. Ein Sprecher des Thunberg-Teams rechtfertigte die schlechte Öko-Bilanz so: Es gehe nicht darum, mit der Aktion allein das Klima zu retten, sondern man wolle Aufmerksamkeit erregen. © AFP/Stansall

Analyse von Manfred Maurer

Alle sind ganz lieb zu ihr. Die Zahl der Preise, die sie einheimste, ist schier unüberschaubar. Auch Angela Merkel gab „dem außergewöhnlichen Mädchen, das sehr viel ins Rollen gebracht hat“, nette Worte mit auf den transatlantischen Segeltörn. Niemals wieder würde die deutsche Kanzlerin Greta Thunbergs Schülerprotestbewegung in einem Atemzug mit Russlands „hybrider Kriegsführung“ nennen, wie es im Februar am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz geschah. Das sollte nicht so verstanden werden, beteuerte Merkels Sprecher. Kritik an Greta kommt nicht gut an. In Belgien hat die Umweltministerin sogar ihren Hut nehmen müssen, weil sie die Schulstreiks nicht so toll fand, wie es sich geziemt.

Spätestens seit sie beim Davoser Weltwirtschaftsforum Politik und Wirtschaft eine kollektive Panikattacke an den Hals gewünscht hat, riskiert außer ein paar Rechten kaum jemand eine kritische Betrachtung der jungen Dame mit den langen Zöpfen. Und diese Art von Kritik, die oft ins Persönliche gehend etwa Thunbergs Asperger-Syndrom ausschlachtet oder mit dem Verdacht der Bereicherung arbeitet, bedeutet nur noch mehr Aufwind für die Klimarevolutionärin.

Sakrosankte Ikone

In der Tat ist es eine pr-technische Herausforderung, eine pr-technisch bestens beratene Ikone zu entzaubern, ohne Widerspruch zu ernten. Wer von einem deutschen Bischof schon in den Rang einer Prophetin erhoben wurde, befindet sich sehr nahe am sakrosankten Status.

Es wäre aber lohnend, sich etwas intensiver mit Gretas konkreten Vorstellungen auseinanderzusetzen. Denn wie es aussieht, hat sie tatsächlich ziemlich großen Einfluss gewonnen. Was wäre also, setzten die gescholtenen Politiker Gretas Ideen eins zu eins um?

Ölhahn zu und was dann?

Die Welt wäre auf jeden Fall eine andere. Ob auch eine bessere, ist jedoch zweifelhaft. Reiche Länder sollten, so die Forderung, binnen längstens zwölf Jahren ihre CO2-Emissionen auf Null reduzieren und Ländern wie Nigeria den Aufbau von Infrastruktur ermöglichen. Und: Die Menschen sollten durch zivilen Ungehorsam einen Systemwechsel erwirken, so dass kein Öl mehr gefördert werde.

Gretamania: Die Jugend hat ein neues Idol, das die Welt radikal verändern will.
Gretamania: Die Jugend hat ein neues Idol, das die Welt radikal verändern will. Foto: AFP/Dunand

Man stelle sich das in der Praxis vor: Eine derart radikale Umstellung der Weltwirtschaft ginge zwingend einher mit gewaltigen politischen Eruptionen. Schließlich bilden fossile Brennstoffe in vielen Regionen die einzige oder wichtigste Lebensgrundlage. Nigeria ist schon jetzt instabil. Das hat, zugegeben, auch etwas mit ungerecht verteiltem Ölreichtum zu tun. Müsste der 200-Millionen-Einwohner-Staat nun aber den Ölhahn mangels Abnehmer zudrehen, kann man sich ausmalen, wie schnell sich (islamische) Extremisten der dann verschärften sozialen Frage annehmen würden. Und Nigeria ist nur ein Beispiel für viele ähnliche Staaten.

Wenn die Öl- und Gasindustrie, die Fräulein Thunberg eines „Verbrechens gegen die Menschheit“ bezichtigt, tatsächlich quasi schlagartig zusperren müsste, brächte dies auch derzeit noch relativ stabile Regionen in Schieflage. Die Gelbwestenproteste ge- gen Macrons Ökosteuerpläne wären dagegen ein Kindergeburtstag. Das ökologisch Wünschenswerte hätte also Folgen, die sich niemand wünscht. Ob in so einer Situation der Klimaschutz dann noch ein großes Thema wäre, muss bezweifelt werden.

Atomkraft? Keine Panik!

Ein Aspekt, der die Gretamania gerade im atomängstlichen Österreich absurd wirken lässt, ist ein Thunberg ansonsten völlig fremder Pragmatismus: nämlich jener gegenüber der Atomindustrie. In Bezug auf die Atomkraft fordert die 16 Jahre nach Tschernobyl Geborene niemanden auf, in Panik zu fallen. Im Gegenteil: Sie plädierte für ein Ende der Debatte über die Atomenergie, weil dies Zeitverschwendung sei. Und sie verweist auf den Weltklimarat, der die Kernenergie als Beitrag zur schönen neuen Welt ohne Kohlenstoff würdigt.

Greta Thunberg als Teil einer Verschwörung der Atomlobby? Natürlich nicht. Aber ob eine Glorifizierung des Schwedenmädels angebracht ist, sollte schon gefragt werden dürfen.

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