„Wenn ich in ein Flugzeug einsteige, bekomme ich ein ungutes Gefühl“

Am Sonntag jährt sich die Entführung einer Maschine durch die PLO, in der sich auch der Oberösterreicher Franz Zauner befand, zum 50. Mal

Franz Zauner traf im Sommer 2019 seine Leidensgenossin Martha Hodes in Jordanien.
Franz Zauner traf im Sommer 2019 seine Leidensgenossin Martha Hodes in Jordanien. © Zauner

„Ich musste in den vergangenen fünf Jahrzehnten immer wieder daran denken, etwa wenn ich am Himmel ein Flugzeug sehe oder über den Nahost-Konflikt berichtet wird. Und wenn ich in eine Maschine einsteige, bekomme ich ein ungutes Gefühl“, sagt Franz Zauner im VOLKSBLATT-Gespräch. Am 6. September 1970 stieg der heute 76-Jährige in Frankfurt in jenen Flieger Richtung New York, der von zwei PLO-Terroristen entführt wurde. Statt in der US-Metropole, wo der Bauernsohn aus Neuhofen seine Schwester besuchen wollte, landete das Flugzeug in der jordanischen Wüste.

Virtuelles Treffen am Jahrestag

Wenn sich am Sonntag die dramatischen Ereignisse von damals – Zauner befand sich gemeinsam mit 151 weiteren, erschöpften Passagieren 36 Stunden lang in der Gewalt unberechenbarer Entführer – zum 50. Mal jähren, wird er sich damit nicht alleine befassen. Ein Leidensgenosse aus den USA hat ein virtuelles Treffen von 36 ehemaligen Passagieren der entführten Maschine via Zoom organisiert. Die restlichen Teilnehmer stammen allesamt aus den USA. „Mein Englisch ist nicht das beste, aber es sollte schon gehen.“

Mit ehemaliger Passagierin vor Ort

Wie Zauner 2014 haben etliche seiner Leidensgenossen ihre Erlebnisse in der jordanischen Wüste im Laufe der Zeit zu Papier gebracht. Etwa eine Historikerin aus den USA, die der Neuhofener aus diesem Grund im Juli vergangenen Jahres in Amman traf. Eingefädelt wurde der Kontakt von einem befreundeten Hotelier in der jordanischen Hauptstadt, in dessen Betrieb der Oberösterreicher nach seiner Freilassung untergebracht war. Zwei Tage lang unterhielten sich die ehemaligen Geiselopfer über Erlebtes.

„Es war spannend. Für die Historikerin – sie war damals erst zwölf –, war ich auch interessant, weil ich als 26-Jähriger die Geschehnisse quasi erste Reihe Fußfrei erlebt habe.“ So blickte Franz Zauner erstmals im Leben in den Lauf einer Pistole und sah eine Handgranate.

Aber nicht die drei Tage im Flugzeug und die Woche in Amann beschäftigen den Neuhofener bis heute, sein Interesse für den Nahost-Konflikt und die Region ist ungebrochen, wobei er sich als weltoffener Vermittler sieht.

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