Wenn tausend Lichter die Nacht erhellen

Am 31. Oktober – in der Nacht auf Allerheiligen – findet in zehn Pfarrgemeinden in Oberösterreich die „Nacht der 1000 Lichter“ statt. Jugendliche laden mit Musik, geschmückten Kirchen und Wegen zu Besinnung und Gebet ein.

Ein Lichtermeer, das für einen ganz besonderen Abend die dunkle Nacht hell erstrahlen und in eine stimmige Atmosphäre tauchen lässt: Die „Nacht der 1000 Lichter“ findet heute zum 16. Mal statt — wie jedes Jahr am 31. Oktober — und bietet einen feierlichen Einstieg in den besinnlichen November und eine schöne Einstimmung auf Allerheiligen.

In vielen Pfarren österreichweit werden Kirchen, Kapellen, Wege und begehbare Labyrinthe von Jugendlichen mit Lichtern geschmückt. Sie verwandeln die Umgebung in Orte, die zum Staunen, Ruhigwerden, Gedenken und Nachdenken einladen – Allerheiligen, ein besinnliches Fest, dessen Grundgedanke genau für all das steht.

In Oberösterreich wird diese besondere Veranstaltung heuer wieder abends in zehn Pfarren abgehalten – österreichweit an insgesamt 127 verschiedenen Orten. 200.000 Besucher haben über Tausend einzelne „Nächte der 1000 Lichter“ in den letzten 15 Jahren besucht.

Der Lichterfeier aus Taizé nachempfunden

Das Grundkonzept für diesen besinnlichen Einstieg in den November stammt aus Osttirol und vom früheren Dekanatsassistenten und Jugendleiter Alfons Meindl. Er griff die Idee der Lichterfeier der Ökumenischen Gemeinschaft auf, einem Männerorden aus Taizé in Frankreich, der auf diese Art mit Jugendlichen den Glauben feiert.

Meindl gefiel die Idee der Lichternacht und brachte diese nach Lienz, wo er dieses Event vorerst an mehreren verschiedenen Terminen im Jahr im Franziskanerkloster abhielt. Schnell erfreute sich das besondere Fest einer großen Beliebtheit – weitere Dekanatsjugendstellen und auch die Katholische Jugend der Diözese Innsbruck (Dachorganisation) beschlossen, die „Nacht der 1000 Lichter“ ebenfalls erstmals 2005 durchzuführen. Als geeigneter Termin wurde hierfür der 31. Oktober ausgewählt.

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„Zu Allerheiligen gedenken wir nicht nur der offiziell Heiliggesprochenen, sondern auch aller Menschen, die ein heiliges Leben führen: Alltags-Heilige, sozusagen“, so Roman Sillaber, Leiter der Katholischen Jugend Innsbruck und Hauptorganisator des Events. „Der Lichterglanz des Abends weist darauf hin, dass es das Heilige auch in meinem persönlichen Leben gibt – und dass es nur darauf wartet, entdeckt zu werden.“

Besinnliche Alternative zu Halloween

Von Tirol ausgehend verbreitete sich dieses besondere Fest über ganz Österreich und hat so auch den Weg nach Oberösterreich gefunden. Die Katholische Jugend betrachtet es auch als Möglichkeit, sich mit Halloween auseinanderzusetzen – abseits von Verkleiden, Konsum und Grusel. Ein bewusstes Abwenden von Halloween und ein Zuwenden zum Ursprung von Allerheiligen.

Es ist eine Veranstaltung für Jugendliche von Jugendlichen, die die Möglichkeit bieten soll, die Kirche auf eine besondere Art kennenzulernen. Hierbei steht vor allem der Gedanke im Vordergrund, dass die Jugendlichen mit ihren Ideen für Vielfalt sorgen können – ihrer Kreativität sollen keine Grenzen gesetzt werden.

Die „Nacht der 1000 Lichter“ wendet sich aber nicht nur an junge Menschen, alle Interessierten – egal, ob klein oder groß – können daran teilnehmen, um Ruhe und etwas Zeit für sich selbst zu finden – etwas, das in der heutigen hektischen Welt mehr als zu kurz kommt.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

In Kirchdorf an der Krems konzentrierte man sich letztes Jahr auf die Kirche: Mit zahlreichen Kerzen wurden Orte im Kirchenraum hervorgehoben. Einzelne Bankreihen wurden zu Themenbänken gestaltet, die die Leute für ihren eigenen Moment der Besinnung nutzen konnten, ein mehrere Meter großes Lichterbild in Form eines Kelches wurde aufgebaut.

Wichtig ist, dass es keinen fixen Programmablauf gibt – jeder soll kommen und gehen können, wie es für ihn am besten passt. Heuer wird die „Nacht der 1000 Lichter“ freilich nach den geltenden Corona-Regeln und mit Sitzplätzen durchgeführt.

„Seelenlichter“, die vor bösen Geistern schützen

Lichter haben natürlich nicht nur während so einer besonderen Feier eine wichtige Funktion und Bedeutung für die Kirche: An Allerheiligen tauchen die geschmückten Gräber die Friedhöfe in wahre Lichtermeere – „Seelenlichter“ genannt -, die die Angehörigen in Gedenken an ihre lieben Verstorbenen entzünden. Diese Lichter sollen den verstorbenen Seelen Wärme schenken. Im Aberglauben wollten sich die Menschen mit den „Seelenlichtern“ vor bösen Geistern schützen. Viele empfinden das Entzünden von Kerzen als Trost spendendes Ritual in der Zeit des Trauerns und Gedenkens. Kerzen können individuell so viel aussagen und trotzdem sprechen sie eine Sprache, die wir alle verstehen.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungsorten, Zeiten und dem Programm: www.nachtder1000lichter.at

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