Wer den Hirschkuhschädel streichelt …

Sky startet am 21. Jänner die fabelhafte Fortsetzung von „Der Pass“

Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek) lässt sich von Yela Antic (Franziska von Harsdorf) überzeugen, als Berater bei ihrem Fall mitzuarbeiten.
Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek) lässt sich von Yela Antic (Franziska von Harsdorf) überzeugen, als Berater bei ihrem Fall mitzuarbeiten. © Sky Deutschland/W&B Television/epo-film/Hendrik Heiden

Jeder Kommissar ist auch ein Mensch. So sagt man. Und so gesehen hat ein Kommissar auch ein Privatleben, auf das sich viele Serien-Drehbuchautoren gerne setzen.

Da tritt dann einmal ein Mord in den Hintergrund, weil der geschiedene Polizist ums Besuchsrecht kämpft, oder der Chefin ihr Gspusi nicht aus dem Kopf gehen mag. Probleme ziehen sich strudelteigartig von Fall zu Fall.

So gekonnt, psychologisch fein gezeichnet und brillant gespielt, wie dass die Macher von „Der Pass“ (2019) in der zweiten Staffel tun, dass ein Kommissar eben wirklich ein Mensch ist, den vergangene Fälle nicht einfach loslassen, wenn der Täter hinter Gittern, oder, wie im ersten Teil, tot ist — das ist bedauerlicherweise sehr selten. Aber eben ab 21. Jänner in empfehlenswerter Form beim Streaminganbieter Sky in „Der Pass II“ zu sehen.

Julia Jentsch von deutscher Seite, Nicholas Ofczarek als österreichischer Kieberer — bereits in der ersten Staffel eine funktionierende Kombi: Ellie Stocker, die optimistische, empathische Ermittlerin, Gedeon Winter die selbst kriminelle Ausgeburt an Wiener Grant und Schmäh. Doch der erste gemeinsame Fall hat die beiden ordentlich gebeutelt, die Nachwehen lassen in „Der Pass II“nicht nach, im Gegenteil, sie machen die acht Folgen der Serie richtig sehenswert. Die Frage nach Identität, nach dem, was den eigenen inneren Kern zusammenhält, treibt alle Figuren um — vom Polizisten bis zum Täter.

Schatten, älter als die eigenen Erinnerungen

Aber auch die eigentliche kriminalistische Geschichte fesselt von der ersten Szene an. Eine tote Frau, eine neue Ermittlung startet, mit dabei die ehrgeizige Yela Antic (Franziska von Harsdorf), die schnell gut zurecht kommt mit dem zurückgekehrten Gedeon Winter, der nun, wegen einer Kugel im Kopf, nur mehr als Berater tätig ist. Die Brüder Gössen (hervorragend: Dominic Marcus Singer und Christoph Luser) sind gefährlich charismatisch. Sehen wir bereits einem Serienmörder zu, der sanft den „ausgekochten“ Hirschkuhschädel streichelt? Doch es geht mehr um Macht, Selbstverleugnung, Abhängigkeiten, Familie. Schatten holen Ellie Stocker, Yela Antic und Gedeon Winter bis ins Mark ein, manche sind älter als die eigenen Erinnerungen.

Und da gibt es in „Der Pass II“ noch einen Darsteller, der bereits im ersten Teil eine bedeutende und beeindruckende Rolle spielte: die Natur. Weit entfernt von jedem kulturell aufgepressten Idyll zeigt sie sich in allen Facetten, rau und brutal, aber auch zutiefst verletzlich.

Was soll man sagen? Hier beherrscht jemand sein Metier nahezu perfekt. Die Serienmacher Cyrill Boss und Philipp Stennert haben erneut eine packenden Achtteiler geschaffen, der sich jedem internationalen Vergleich stellen darf. Hier passt jedes Versatzstück —von der fesselnden Story über die machtvollen Bilder, die unerwartetes Wendungen, den originellen Einsatz von diesmal österreichischem Hip-Hop bis zur exzellenten Besetzung: alle überragend Nicholas Ofczarek, der jede Nuance seines Könnens zeigt.

Von Mariella Moshammer

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