Wer hat, der saugt, wer liebt, der gibt

Radlmaiers Sommerkomödie der anderen Art: „Blutsauger – eine marxistische Vampirkomödie“

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Wer Aktienpakete besitzt, der muss auch Blut saugen. So sei es in Julian Radlmaiers „Blutsauger — Eine marxistische Vampirkomödie“ mit u.a. Corinna Harfouch. Der Film ist eines gewiss: ein grotesker Spaß. Wie viele der unzähligen Anspielungen, Bilder, Vergleiche, Theorien und Zuspitzungen der Zuschauer versteht, hängt vom Vorwissen und der Fähigkeit, trotz Absurdität auf feine Töne hören zu können, ab.

Eine Texteinblendung verortet uns: Es wird das Jahr 1928 geschrieben, trotzdem befinden wir uns im Jetzt — kapitalistische Höchstleistungen wie riesige Containerschiffe und ultimativ die Coca-Cola-Dosen inklusive.

Ljowuschka (Alexandre Koberidze) strandet an der deutschen Ostseeküste und wird von der reichen Fabrikantentochter Octavia Flambow-Jansen (Lilith Stangenberg) unter die Fittiche genommen und in ihre noble Villa gelassen. Die teilt sie mit ihrem persönlichen Assistenten Jakob (Alexander Herbst), der seine Chefin heimlich liebt, ebenso verborgen saugt sie ihn, wenn ihr danach ist, aus.

Ebenfalls vor Ort eine Gruppe von Bewohnern und Fabriksarbeitern, die sich regelmäßig zu einem kritischen marxistischen Lesekreis treffen. Dort festigt sich auch die Vermutung, das vampiristische Verhalten der Kapitalisten könnte nicht nur metaphorisch gemeint sein … Offiziell stammen die vielen Einbissstellen an den Körpern der Proletarier von den chinesischen Flöhen.

Auch Jakob glaubt dies, aber vielmehr treibt ihn um, dass der fremde Ljowuschka das Herz von Octavia zu erobern scheint, hat er doch eine wirklich spannende Lebensgeschichte zu erzählen. Weil er einer Studentin einst einen Zirkel gestohlen hat, landete er im fernen Russland in einer Fabrik an einer Stanzmaschine, die er geschickt als Zahnentferungsgerät zu nutzen wusste. Und just Zahnschmerzen plagten den Regisseur Sergej Eisenstein, als dieser die Fabrik besuchte. Als Dank für die Befreiung von den Schmerzen bekam Ljowuschka die Rolle des Leo Trotzki in Eisensteins Film „Oktober“. Die Szenen fielen aber der Zensur Stalins zum Opfer und Ljowuschka wurde zu einem solchen und floh.

Was sonst alles in diesem Film passiert, ist immer wieder sehr skurril und immer wieder sehr klug. Ihn zu decodieren ist eine Herausforderung, aber er funktioniert auch als eine Vampirkomödie der ganz eigenen Art mit herrlichen Figuren und Bildern.

Von Mariella Moshammer

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