Sepp Forcher: „Wer langsam geht, geht gut“

Sepp Forcher verabschiedet sich mit der 200. Ausgabe von „Klingendes Österreich“

Moderator Sepp Forcher in der Stube seines Hauses in Liefering.
Moderator Sepp Forcher in der Stube seines Hauses in Liefering. © APA/Gindl

Er gilt als eines der letzten Urgesteine der heimischen Fernsehunterhaltung. Doch mit der Ausstrahlung der 200. und letzten Ausgabe von „Klingendes Österreich“ Sonntag (ORF 2, 20.15 Uhr, 22.3.) ist für Sepp Forcher endgültig Schluss.

Von einem Pensionsschock ist der 89-Jährige aber weit entfernt, wie er sagt. „Wenn man so lange beruflich tätig ist, bleibt im Leben ja vieles hinten.“

Das Aufhören fällt ihm leicht: „Es gibt noch genug zu tun.“

Das Aufhören falle ihm darum leicht. „Ich wollte den Schlussstrich schon viel früher ziehen. Aber 200. Sendung, 90. Lebensjahr — das passt genau zusammen. Und es gibt noch genug zu tun.“ Vor allem reisen wollen Forcher und seine Frau Helene, die alle nur Helli nennen, noch. „Wenn uns der Herrgott die Gesundheit lässt. Und nicht mehr in die Ferne.“ Dass es seine Sendung in dieser Form nicht mehr geben wird, stört Forcher nicht. „Aber jedes neue Format, das den Patriotismus, also die Freude an Österreich, aufrecht hält, ist es wert, gebracht zu werden.“

Ein etwaiger Nachfolger müsse aber mehr als nur ein guter Moderator sein. „Da gehört auch das Wissen dazu, das Hirn.“ Das sagt einer, der selbst nur die Volksschule besucht und sich sein beachtliches Wissen später selbst erlesen hat. „Meine Eltern waren Hüttenwirte. Die Gäste haben immer wieder Zeitschriften und Bücher auf die Hütte getragen.“ Namen, Jahreszahlen, historische Zusammenhänge — das sitzt bei Forcher alles sattelfest.

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„Die Sendung war so erfolgreich, weil sie altmodisch und langsam war. Es gibt einen alten italienischen Bergsteiger-Spruch. Wer langsam geht, geht gut. Wer gut geht, geht weit.“ Das treffe auch auf „Klingendes Österreich“ zu. „Mein Hauptinteresse war immer, die Schönheit Österreichs zu zeigen. Landschaft, Kultur, Kirchen — und natürlich die Volksmusik. Österreich ist mehr als nur das Neujahrskonzert mit dem Radetzkymarsch.“

Privat bei der symphonischen Musik

Dabei ist Forcher privat eigentlich bei der symphonischen Musik daheim, wie er sagt. Er habe als Laie begonnen und sich im Laufe des Lebens durch die Klassik gearbeitet. „Mit Volksmusik habe ich mich lange nicht beschäftigt. Ich habe sie aber immer gewürdigt. Mich hat es gefreut, wenn Menschen gesungen und musiziert haben. Ohne Blasmusik, ohne Schützen, ohne Familienmusiken — da wär Österreich arm.“ Forcher, der selbst nie ein Instrument gespielt hat, wurde zu einem der wichtigsten Fürsprecher traditioneller Volksmusik. „Da muss man aufpassen, dass keine Irrtümer passieren.“

Irrtümer, das ist für ihn die volkstümliche Musik in all ihren Varianten, der Schlager und der Kitsch. „Ich respektiere das … Aber da geht es oft nur um den Geschäftserfolg.“ Ihm seien die wunderbaren, reinen, schönen Volkslieder immer schon lieber gewesen.

In der Stube seines Hauses in Salzburg-Liefering erzählt Forcher, wie aus dem Hütten- und Gastwirt der Radio- und TV-Moderator wurde. Wie er zunächst sporadisch Beiträge fürs Radio gestaltete und nach dem Unfalltod seines Sohnes Peter 1976 den damaligen Intendanten des ORF-Landesstudios Salzburg um einen Job gebeten hat. Es folgten weit über tausend Sendungen fürs Radio, zum Fernsehen wollte er nie. „Das hat sich so ergeben. Ich hab mich nie für ,Klingendes Österreich’ beworben.“

Zum ersten Treffen mit den zuständigen Redakteuren sei er in seinem schäbigsten Rock gekommen. „Ich habe gesagt: Die Themen, die suche ich mir aus. Und geredet wird das, was ich sage. Und geredet wird, wie ich jetzt red’. Auch wenn mich die Leute deswegen oft für einen Primitivling gehalten haben.“ Nur die Auswahl der Musiker habe er Leuten überlassen, die mehr davon verstanden haben. „Meine Texte waren alle aus dem Stegreif, darauf bin ich stolz.“ Und bei jeder Sendung stand Gattin Helli mit einem Glücksbringer zur Seite, einem Bergkristall in ihrer Hand. „Damit er sich nicht verred’.“

Vater und Großvater waren Bergführer, und auch aus Forcher entwickelte sich ein guter Alpinist. 32 Mal stand er auf dem Gipfel des Großglockners. „Und ich werde wohl 50 der 82 Viertausender in den Alpen bestiegen haben, etliche davon mehrfach.“ Er führte auf das Matterhorn, durchstieg die Dachstein-Südwand und die Pallavicini-Rinne am Großglockner alleine.

Die Leute nannten ihn Fidel Castro oder Andreas Hofer

Aus dieser Zeit stammt auch sein Markenzeichen: Der Vollbart wächst seit 1962. Notgedrungen. Auf der Hütte gab das Stromaggregat den Geist auf, das tägliche elektrische Rasieren fiel weg. „Die Leute haben Fidel Castro zu ihm gesagt“, wirft Helli ein, „oder Andreas Hofer.“

Angst vorm Sterben habe er schon lange nicht mehr. „Ganz im Gegenteil“, sagt Forcher und stimmt gemeinsam mit Helli die letzten Zeilen des Südtirol-Lieds an. „Und wenn dann einst, so leid mir’s tut, mein Lebenslicht erlischt, freu ich mich, dass der Himmel auch schön wie die Heimat ist.“

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