Werteprogramm gegen Wurschtigkeit

OÖVP-Landesgeschäftsführer Florian Hiegelsberger im VOLKSBLATT-Interview

OÖVP-Landesgeschäftsführer Florian Hiegelsberger
OÖVP-Landesgeschäftsführer Florian Hiegelsberger © OÖVP/Mayr

Seit einem halben Jahr ist Florian Hiegelsberger (35) Landesgeschäftsführer der oö. Volkspartei. Im Interview verrät er seinen Zugang zu christlichen Werten und gibt Einblicke in seine Persönlichkeit.

VOLKSBLATT: Ostern steht vor der Tür. Welchen Stellenwert hat dieses christliche Fest für Sie ganz persönlich?

HIEGELSBERGER: Ostern steht als höchstes Fest im Christentum für Hoffnung und Zuversicht. So beinhaltet Ostern gerade in herausfordernden Zeiten eine Kernbotschaft, die Menschen neue Perspektiven eröffnet und ihnen Mut macht, die den Blick auf den innersten Kern menschlichen Daseins richtet.

Wo liegt dieser innerste Kern des menschlichen Daseins in Ihren Augen?

Dort, wo man sich vornimmt, das Leben Tag für Tag ein Stück besser zu machen und bei aller Meinungsverschiedenheit das Gegenüber immer als Mensch zu achten.

Kommt dieser innerste Kern des menschlichen Daseins in der Politik überhaupt noch zur Geltung?

Das liegt letztlich an jedem Einzelnen und jeder Einzelnen. Richtschnur für das Bessermachen sind zum einen die Zielwerte im Arbeitsprogramm, zum anderen das Verteidigen der Grundwerte unserer Gesellschaft. Heißt umgekehrt: Wir müssen Trends und Entwicklungen immer an den Grundwerten spiegeln. Nicht alles was die Menschheit könnte, ist auch mit den Grundwerten vereinbar.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf zur Steuerung von Trends und Entwicklungen?

Was die politischen Zielwerte anbelangt braucht es beispielsweise die Klarstellung, dass Oberösterreich auch in Zeiten von Klimaschutz und Digitalisierung ein Land der Arbeit und Produktion bleiben muss. Klima schützen und dafür Arbeitsplätze bedrohen – das kann nicht unser Weg sein. Auch in Zeiten der Automatisierung muss der Mensch Mensch bleiben. Wir stehen für eine bessere Welt, nicht für eine neue Welt.

Sie haben vom Kern des menschlichen Daseins gesprochen und von den elementaren Grundwerten der Gesellschaft. Wo sehen Sie diese Grundwerte gerade bedroht?

Ein Grundverständnis unserer Gesellschaft bestand über Jahrzehnte darin, dass Krieg niemals eine Antwort sein kann, dass Töten niemals eine Lösung sein darf. Wladimir Putin hat mit dem Krieg gegen die Ukraine dieses Grundverständnis verlassen. Wir erleben eine Zeitenwende in der Weltpolitik und eine Zeitenwende in unseren Zukunftshoffnungen. Friede und Sicherheit wurden durch Putins Angriff auch für uns wieder von einer banalen Selbstverständlichkeit zu einer Hoffnung.

Corona, Krieg, Inflation – Welche Antworten kann die Landespolitik in diesen Zeiten globaler Umwälzungen den Menschen in Oberösterreich überhaupt geben?

Das höchste Gut der Politik ist Vertrauen. Wir müssen das Vertrauen der Menschen in die Politik und die politischen Entscheidungsträger pflegen. Dafür braucht es Klarheit und Entschlossenheit in den Entscheidungen. Dafür braucht es immer auch den Willen zur Zusammenarbeit – nicht in Form von Friedhofsruhe. Es braucht den Blick auf Oberösterreich statt auf die nächste Schlagzeile. Die OÖ Volkspartei ist seit Jahrzehnten die gestaltende Kraft in Oberösterreich. Umso größer ist daher auch die Verantwortung, das Land in schwierigen Zeiten zu gestalten und zusammenzuhalten. Vertrauen und Zusammenhalt geben auch wieder ein Gefühl von Sicherheit.

Apropos Vertrauen und Zusammenhalt: Die ÖVP wird in der Öffentlichkeit vielfach zum Reibebaum in der Sozialpolitik gemacht. Wie schaut Sozialpolitik der Marke ÖVP aus?

Wir stehen für eine Sozialpolitik in der christlich-sozialen Tradition. Jesus lobt in der Bibel nicht jenen Diener, der seine Talente vergräbt, sondern den, der die übergebenen Talente nutzt. Daraus leitet sich unser Grundsatz ab: Den Menschen Halt geben, aber auch Mut machen! Wir leben Mitverantwortung, motivieren aber auch zur Eigenverantwortung. Das sind die zentralen Grundsätze christlich-sozialer Politik. Oberösterreich soll zu einem Land der Möglichkeiten werden – heißt: die Politik muss Möglichkeiten bieten, jeder und jede Einzelne ist gleichzeitig aber auch dazu aufgerufen, diese Möglichkeiten zu nutzen.

Ostern steht im Jahreskreis sinnbildlich für Glaube, Tradition und Brauchtum. Haben diese Dinge überhaupt noch Platz und Berechtigung in einer modernen Welt, in einer modernen Partei?

Wer keine Wurzeln hat, wird umfallen und vom Zeitgeist verblasen. Das Christentum ist eine Wurzel unserer Partei. Brauchtum und Tradition sind Wurzeln unserer Gesellschaft. Daher sind Glaube, Tradition und Brauchtum für uns das bewusste Gegenprogramm zu globaler Beliebigkeit und gesellschaftlicher Wurschtigkeit. Glaube, Tradition und Brauchtum sind nicht verstaubte Lasten aus der Vergangenheit, sondern Wegweiser ist die Zukunft eines selbstbewussten Oberösterreichs.

Würden Sie sich auch selbst als gläubigen und traditionsbewussten Menschen bezeichnen?

Ich glaube an Gott. Glauben bedeutet für mich: Bemühen, nicht Perfektionismus, Innehalten statt Hamsterrad. Aber auch Neugierde statt Selbstzufriedenheit. Schöne Traditionen und Bräuche begleiten mich schon mein ganzes Leben. Sie geben nicht nur im Jahreskreis Orientierung, sondern bieten auch immer eine Möglichkeit des Innehaltens. Der Mensch braucht Orientierung. Und genau diese Orientierung können Glaube, Werte und Traditionen geben.

Mit Landesgeschäftsführer FLORIAN HIEGELSBERGER sprach Christian Haubner

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