WHO-Europa warnt: Armut schlägt sich auch auf die Gesundheit nieder

„Fortschritte im Bereich der gesundheitlichen Chancengleichheit sind in der gesamten Europäischen Region ins Stocken geraten“

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LONDON — Der mangelnde soziale Ausgleich bzw. sich verschärfendes Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich in den 53 Staaten der Europa-Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt auf die Gesundheit durch. „Fortschritte im Bereich der gesundheitlichen Chancengleichheit sind in der gesamten Europäischen Region ins Stocken geraten“, stellte die Organisation jetzt in einem neuen Report fest.

Bei dem Papier handelt es sich um den ersten „Zustandsbericht der WHO über gesundheitliche Chancengleichheit“: Er mache deutlich, dass gesundheitliche Benachteiligungen in vielen der 53 Länder der Europäischen Region der WHO trotz der Bemühungen der Regierungen um deren Beseitigung unverändert geblieben seien oder sich gar verschärft hätten, hieß es.

Alter steigt, Unterschiede bleiben

Auch wenn sich die durchschnittliche Lebenserwartung in der Europäischen Region im Jahr 2016 für Frauen auf 82,0 Jahre und für Männer auf 76,2 Jahre erhöht hat, so herrschen noch immer erhebliche gesundheitliche Ungleichgewichte zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. So reduziert sich die Lebenserwartung von Frauen um bis zu sieben Jahre und die von Männern um bis zu 15 Jahre, wenn sie zu den am stärksten benachteiligten Gruppen gehören. Etwa 35 Prozent der gesundheitlichen Ungleichgewichte sind durch finanzielle Probleme bzw. Armut bedingt.

Österreicher sind länger krank

Bei der Krankheitslast ist Österreich relativ hoch angesiedelt. Dass die Österreicher im Vergleich zu anderen ähnlichen Staaten weniger Jahre in vollständiger Gesundheit erleben, ist seit langem bekannt. Bei den über 65-Jährigen berichten 19 Prozent mehr Frauen und 20 Prozent mehr Männer aus der einkommensschwächsten Schicht über schwere gesundheitliche Probleme. Hier hat sich in Österreich seit 2005 nichts verbessert.

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