Wie heißt Aschenputtel wirklich?

Köstliche Premiere des Märchens für alle ab sechs im Landestheater

Der Prinz (Patrick Ljuboja) und sein Aschenputtel (Leonie Jacobs)
Der Prinz (Patrick Ljuboja) und sein Aschenputtel (Leonie Jacobs) © Philipp Brunnader

Sie heißt Anna. Und das haben die begeisterten Kinder bei der Premiere von „Zwei Tauben von Aschenputtel“ am Sonntag in den Kammerspielen vorgeschlagen. Das Märchen der Gebrüder Grimm feierte in der Fassung von Catharina Fillers und Stefanie Schnitzler eine sehr gelungene Premiere.

Regisseurin Nele Neitzke hat es liebevoll entstaubt, ohne die Geschichte im Kern zu verändern, und sie gibt den kleinen Besuchern etwas Wertvolles mit: Du muss ganz fest an dich glauben.

Dramaqueens, bunte Vögel und ein Gipsbein

Dieses Aschenputtel (Leonie Jacobs) weint nicht. Sie weiß, was sie will, und sie ist selbstbewusst, stark und wütend. Wütend auf die Schreckschrauben, die ihr ihr Vater da ins Haus gebracht hat.

Und die — Stiefmutter und nur eine Stiefschwester — sind weniger furchterregend als vielmehr schräge, schrille, laute Karikaturen. „Stiefmutter“ Rebecca Hammermüller und Stiefschwester Gemma Vannuzzi kosten ihre Rollen als Dramaqueens voll aus und quälen das arme Aschenputtel, das obendrein durch einen Gips gehandicapt ist. Leonie Jacobs hat sich zu Beginn der Proben tatsächlich ein Bein gebrochen.

Gips und Krücken sind laut Regie als Symbol für das innerliche Leid des Mädchens, das um seine verstorbene Mutter trauert, auch nach der Heilung geblieben. Herausragend Nils Thomas als Tauberich, ein bunter Vogel, der der in die Küche Verbannten zur Seite steht, obendrein als witziger Erzähler fungiert und für so manchen „faulen“ Zauber sorgt (irgendwie muss Aschenputtel ja an ihre Ballkleider kommen). Gemeinsam mit einer zweiten Taube (Nebojsa Krulanovic) sorgt er auch für die musikalische Begleitung und haut mit dem gesamten Ensemble gekonnt jede Menge Songs raus.

Und wenn der moderne Prinz (Patrick Ljuboja), der eigentlich gar nicht heiraten wollte — den sein Vater, der König (Kaspar Simonischek) aber, wie es sich gehört, unter die Haube bringen will —, am Schluss dann doch seine Prinzessin gefunden hat, wird die Szenerie zur Disco und es wird heftig getanzt.

Lustig, mitreißend, motivierend und bunt

Die Texte pendeln gekonnt zwischen Märchen- und zeitgemäßer Jugendsprache und nehmen die Kinder mit. Bezaubernd die Bühne in Schwarzweiß: Um einen großen Baum drehen sich die einzelnen Schauplätze. Die bunten Kostüme teils märchenhaft, teils Glitzer und Glamour (Carla Nele Friedrich), viele liebevoll erdachte Einfälle erfreuen zusätzlich.

Die Mitglieder des Schauspielstudios geben in 75 Minuten eine beeindruckende Probe ihres vielseitigen Könnens ab und haben auch selbst sichtlich Spaß daran, endlich mit dem Stück auftreten zu können. Bleibt zu hoffen, dass das nun auch weiterhin möglich sein wird. Fazit: Lustig, motivierend, mitreißend, originell und bunt, mit einem Wort großartig. Das junge Publikum hat eifrig mitgemacht und seiner Begeisterung mit viel (auch Zwischen-)Applaus Ausdruck verliehen. Und wie heißt Euer Aschenputtel?

Von Melanie Wagenhofer

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