Wie wirkt die Handy-Strahlung?

Die Analyse von 172 aktuellen Studien, die sich mit der Auswirkung von Mobilfunk auf die Gesundheit beschäftigen, ergab keine Gesundheitsgefährdung durch Strahlung. Dennoch rät der Wissenschaftliche Beirat Funk zu einem umsichtigen Umgang mit Handy und Smartphone. Das gilt vor allem für Babys und Kleinkinder unter drei Jahren.

Babys und Klein- kinder sollten laut Medizinern nicht zu viel mit dem Handy in Kontakt kommen. © Trendsetter – stock.adobe.com

Mit den Auswirkungen des Mobilfunks auf die Gesundheit beschäftigte sich einmal mehr der Wissenschaftliche Beirat Funk (WBF) und nahm dazu 172 Studien, die im Zeitraum Juli 2017 und Juni 2018 erschienen sind, genau unter die Lupe. Neun Arbeiten entsprachen nicht den wissenschaftlichen Kriterien und wurden ausgeschieden.

Die zentrale Aussage: Eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch Mobilfunk gilt nach wie vor als unwahrscheinlich. Allerdings wird empfohlen, den direkten Kontakt von Babys und Kleinkindern bis zum Alter von drei Jahren mit Handys oder Smartphones – speziell im Kopfbereich – zu vermeiden. Auch bei Kindern und Jugendlichen zieht ein übermäßiger Gebrauch von Smartphones eine Reihe von negativen Folgen mit sich – diese haben aber nichts mit der Strahlung zu tun. „Es treten Haltungsschäden, Schlafstörungen und die Beeinträchtigung von Konzentration und Aufmerksamkeit auf, berichtet Univ.-Prof. Norbert Vana, Strahlenphysiker und WBF-Vorsitzender: „Hinzu kommen die Verschlechterung der Sehkraft und vor allem bei Kindern eine Förderung der Kurzsichtigkeit.“ Auch Suchtexperten sind zunehmend mehr mit den Auswirkungen von exzessivem Smartphone- und Internetkonsum befasst.

Kein Anhaltspunkt für eine Tumorentwicklung

Keinen kausalen Zusammenhang ergab eine aktuelle Studie zwischen dem Mobilfunk und einem Hörsturz, sagt Prim. Univ.-Doz. Csilla Neuchrist, Leiterin der HNO-Abteilung am LKH Mistelbach. Ebenso gibt es keine starken Anhaltspunkte für einen Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Tumorentwicklung, erläutert Sozialmediziner Univ.-Prof. Gerald Haidinger. Eine Kohorten-Studie zeigte aber, dass die Validität (Gültigkeit) von Selbstauskünften – Fragebögen und Interviews zum Ausmaß der Handynutzung – durch das Geschlecht, das Alter und das Vorliegen von Symptomen beeinflusst wird. Und daher Ergebnisse bisheriger Untersuchungen zu diesem Thema vorsichtig zu interpretieren sind.

Zwei Studien sehen zudem keine Auswirkung von Handy-Strahlung auf die Netzhautfunktion und -struktur. Auszuschließen ist weiters eine negative Auswirkung auf kognitive Funktionen. Veränderungen der Hirnfunktion, dargestellt an EEG-Spektren, haben keine physiologische Bedeutung. Auch gentoxische Wirkungen von Mobilfunkfeldern können nicht eindeutig nachgewiesen werden. Ebenso verhält es sich mit der behaupteten Überempfindlichkeit.

Die bisher vorliegenden Studien können auch keinen negativen Einfluss von Mobilfunk auf die Zeugungsfähigkeit von Männern nachweisen. Für den WBF gibt es aber eine Reihe noch offener Fragen, etwa mögliche gesundheit- liche Langzeitfolgen, die Methodik bei epidemiologischen und experimentellen Studien, die Umsetzung der Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen und mögliche Auswirkungen künftiger Funktechnologien wie 5G, die in den Startlöchern steht, und der Entwicklung von „Smart Cities“.