Wieder Diskussion um „geheime“ Nazi-Stollen

ZDF-Doku wärmt Gerüchte über angebliches unterirdisches KZ in St. Georgen an der Gusen neu auf

Das KZ Memorial Gusen befindet sich in der Nähe von Mauthausen.
Das KZ Memorial Gusen befindet sich in der Nähe von Mauthausen. © APA/Schneider

ST.GEORGEN/GUSEN — Die Diskussion um geheime Nazi-Stollen in St. Georgen an der Gusen (Bezirk Perg) ist durch eine im ZDF ausgestrahlte Doku neu entfacht worden. Demnach könnte es dort ein bisher unbekanntes unterirdisches Konzentrationslager gegeben haben.

Die ZDF-Doku zum Thema KZ Gusen stammt wieder vom Linzer Filmemachers Andreas Sulzer. Er hatte bereits 2015 eine Dokumentation über das KZ – ein Außenlager von Mauthausen – gestaltet. Dort hielten die Nazis mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen gefangen, mehr als die Hälfte kam zu Tode.

Der Bau der acht Kilometer langen Anlage des NS-Rüstungsprojektes „Bergkristall“ zur unterirdischen Flugzeugproduktion kostete mehr als 8600 KZ-Häftlingen das Leben. Ein Großteil der Gänge wurde später zerstört oder aus Sicherheitsgründen verfüllt. Die Dokumentation berichtete auch über die Vermutung, die Anlage könnte größer sein, als bisher bekannt.

Experten sehen „keine Beweise“

Eine Experten-Kommission untersuchte bereits vor mehreren Jahren diese Vermutungen und stellte danach fest, alle in dem Film angeführten Beweise für die Vermutungen hätten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standgehalten. Schon 2015 war auch die Rede davon, dass in unbekannten, gesprengten Stollen mehrere Zehntausend „fehlende“ tote Häftlinge liegen könnten. Dem hält die Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Barbara Glück entgegen, dass das KZ Gusen relativ gut erforscht sei.

Als Beispiel nannte Glück, „Veränderungsmeldungen“ vom 8. und vom 9. April 1945, wonach über Nacht 18.000 KZ-Häftlinge „verschwunden“ seien. Eine in der Gedenkstätte vorhandene Datenbank, die es ermögliche „fast jeden Häftling beim Namen zu nennen“, zeige, dass in Gusen immer rund 23.000 Personen inhaftiert waren. Sie wolle nicht ausschließen, dass es rund um das Konzentrationslager Gusen noch bisher unbekannte Fakten gebe. „Aber nicht hinter jedem kleinen Detail verbirgt sich ein bisher unbekanntes großes KZ“, stellte sie fest.

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