Wien-Attentäter war in Spital als Security tätig

Der Attentäter, der am 2. November bei seinem Terror-Anschlag in der Wiener Innenstadt vier Menschen erschossen hat, soll während des ersten Corona-Lockdowns in einem Wiener Spital als Security-Mitarbeiter gearbeitet haben. Das hat ein langjähriger Bekannter des Attentäters, der von der Staatsanwaltschaft Wien der Mittäterschaft verdächtigt wird, nach seiner Festnahme in einer Einvernahme bekannt gegeben. Die APA konnte in das Protokoll Einsicht nehmen.

Demnach waren der Attentäter sowie ein zweiter mutmaßlicher Salafist, der mittlerweile als möglicher Mittäter bzw. Mitwisser in U-Haft sitzt, im Frühjahr in dem Spital geringfügig als Sicherheitskräfte beschäftigt, wobei das Arbeitsverhältnis nicht mit dem Krankenhausträger, sondern direkt mit dem Sicherheitsunternehmen abgeschlossen worden sein dürfte. Der Security-Dienst wurde „tageweise über eine WhatsApp-Gruppe organisiert“, wie der Bekannte des Attentäters zu Protokoll gab, der den Attentäter seinerzeit zu dessen Gerichtsverhandlung begleitet hatte, in welcher er im April 2019 wegen terroristischer Vereinigung verurteilt wurde. Er selbst sei auch gefragt worden, „ob ich mir nebenbei beim Security-Dienst Geld dazu verdienen will“, habe das aber abgelehnt.

In seinem Freundes- und Bekanntenkreis war die radikalislamistische Gesinnung des späteren Attentäters bekannt. Ungeachtet der Bemühungen des auf Deradikalisierung spezialisierten Vereins Derad, bei dem der 20-Jährige nach seiner bedingten Entlassung verpflichtende Termine wahrnehmen musste, dürfte sich seine salafistische Gesinnung nicht gelegt, sondern verstärkt haben. Das legen Angaben einiger als mögliche Mitwisser bzw. Mittäter Festgenommener nahe.

Der Attentäter habe ihm einmal gesagt, „dass es sein größter Traum sei, sich mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft zu sprengen“, verriet ein der Mittäterschaft Verdächtiger am Tag nach dem Anschlag dem Verfassungsschutz. Wo und wann er „das“ machen wolle, habe ihm der Täter nicht erzählt. Er selbst habe keine Hinweise auf ein bevorstehendes Attentat gehabt und nicht vermutet, dass dieser tatsächlich einen Anschlag begehen werde. Ein weiterer Beschuldigter erklärte in seiner polizeilichen Einvernahme, der Attentäter habe „die Durchsetzung der Scharia als oberste Gesetzesgrundlage befürwortet“ und den Rechtsstaat als „nicht funktionstüchtig“ bezeichnet.

In der Diskussion um die mögliche Anfahrt am Tag des Anschlags wurde indes eine Fahrt per Uber ausgeschlossen. Diesbezügliche Ermittlungsansätze seien mittlerweile überprüft worden, sagte Markus Dittrich, Sprecher der Landespolizeidirektion, der APA. Das Nachrichtenmagazin „Profil“ hatte zuvor Angaben aus einem Polizeiprotokoll zitiert, wonach der Täter via Uber angereist sein könnte.

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Bereits kurz nach dem Attentat mit fünf Toten, darunter der 20-jährige Terrorist, am Allerseelentag hatten die Ermittler ausgeschlossen, dass der IS-Sympathisant die öffentlichen Verkehrsmittel genützt haben könnte. Das habe sich aus der Sichtung des Datenmaterials aus den Überwachungskameras ergeben. Wie der schwer bewaffnete Attentäter tatsächlich zum Tatort gelangt war, blieb zunächst weiter unklar.

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