Wien Modern: Wandertag mit Berio und Cage

Wandertag bei Wien Modern, oder besser gesagt Wanderabend: Am Montag gingen im Hauptspielort des Neue-Musik-Festivals, dem Konzerthaus, die John-Cage-Festspiele weiter – mit Klängen von Luciano Berios 14 Sequenze. Von Cage kam lediglich der Wegweiser.

Der radikale Neudenker, der nicht zuletzt für die Einführung des Prinzips Zufall in die Musik verantwortlich zeichnete, wurde bereits beim Eröffnungskonzert von den Wiener Philharmonikern gewürdigt, während Marino Formenti in mehreren Kaffeehäusern unter dem Titel „Cafe Cage“ insgesamt 19 Stunden Musik des Komponisten spielt. Nun standen seine „Variations IV“ am Programm: Eine klanglose Handlungsanweisung als Hochamt des Unberechenbaren, für das der Große Saal des Konzerthauses eigens ausgeräumt wurde.

bezahlte Anzeige

Bei aller Kürze ist die „Partitur“ Cages so kompliziert, dass auch Festivalchef Bernhard Günther – stilecht zum Casinoambiente im Frack gewandet – Mühe hatte, das Vorgehen zu erklären. Im Kern wurde mittels Roulettetisch die Zahl des als nächstes zu spielenden Stücks ermittelt, während der Spielort durch von Cage auf einer Folie platzierte Punkte, die ausgeschnitten und über einem Plan der Location fallen gelassen wurden, festgelegt wurde. Der Zufall führte also Regie.

Nach dem etwas holprigen, in seiner Unbeholfenheit aber auch sympathischen Start, spielte sich dieses System rasch ein und das Publikum – vorausdenkend mehrheitlich mit quietsch- und klapperfreien Schuhen erschienen – bewegte sich bald fließend zwischen den einzelnen Räumen. Dort intonierten 14 junge Musiker der Wiener Musik und Kunst Privatuni die Sequenze Luciano Berios, die der Italiener im Laufe seiner Jahrzehnte dauernden Karriere als Solos für konkrete Instrumentalisten geschrieben hatte.

Selbstredend degradiert das Zufallsstationentheater die eigentlich als Bravourstücke gedachten Sequenze zu ausgedehnteren Klangschnipseln, die man im etwas langsameren Vorbeigehen konsumiert. Dennoch bot der Abend die Chance, ein selten in toto aufgeführtes Kompendium zumindest anzuhören. Und gesund ist Bewegung ja allemal.