Wien Museum zeigt 2021 Straßenfotografie und NS-Kunstpolitik

Zwischen Unwägbarkeit und Umbau: Das Wien Museum plant heuer zwei größere Ausstellungen – beide aufgrund des wegen Umbaus geschlossenen Haupthauses im Ausweichquartier MUSA. „Augenblick! Straßenfotografie in Wien“ beschäftigt sich mit dem Alltags- und Straßenleben in der Stadt. „Auf Linie. NS-Kunstpolitik in Wien“ taucht in die Vergangenheit ein. Coronabedingt gibt es noch keine fixen Startdaten. Die Bauarbeiten am Karlsplatz schreiten unterdessen planmäßig voran.

Die Corona-Pandemie macht die Jahresplanung für Museumsmanager – im Moment müssen die Häuser geschlossen halten – zur Herausforderung. Wien-Museum-Direktor Matti Bunzl will jedenfalls aufsperren, sobald dies wieder erlaubt ist. Allerdings werde das nicht überall möglich sein, wenn in Bezug auf Abstandhalten und maximale Personenanzahl wieder ähnliche Vorgaben gelten wie in der Vergangenheit, schränkte er am Mittwoch in einer Online-Pressekonferenz aber ein. Schwierig könnte ein Öffnen von kleineren Örtlichkeiten wie den Komponistenwohnungen werden.

Aber: „Ich will nicht drüber jammern. Eine Pandemie ist größer als mein inniger Wunsch, die Öffentlichkeit wieder in Museen zu begrüßen. Die Impfung wird kommen und sie wird zu einer Normalisierung führen – dann werden wir mit großer Begeisterung wieder öffnen.“

Fertige Planungen für die Zeit der Öffnung und danach gibt es bereits – in Form zweier großer Ausstellungen im MUSA beim Rathaus in der Felderstraße. Die haben aber vorerst keine fixe Startdaten. Was Bunzl heute versicherte: Die Ausstellungen würden gezeigt – sollte es coronabedingt zu Verschiebungen kommen, dann eben zu anderen Zeitpunkten.

Für das Frühjahr bzw. den Sommer ist die Schau „Augenblick! Straßenfotografie in Wien“ avisiert. Dabei wird ein Querschnitt durch die Geschichte der Wiener „Street Photography“ präsentiert. Im Fokus steht die sich verändernde Großstadt und das Leben auf Wiens Straßen von den 1860er-Jahren bis heute. Das Spektrum reicht von Straßenszenen über intime Schnappschüsse bis hin zu flüchtigen Momentaufnahmen des städtischen Lebens.

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Die zweite große Schau „Auf Linie. NS-Kunstpolitik in Wien“ setzt sich mit der „Reichskammer der bildenden Künste“ im Nationalsozialismus auseinander. Dieser mussten Kunstschaffende während der NS-Diktatur beitreten – einer davon war Oswald Haerdtl, der Architekt des Wien Museum-Gebäudes am Karlsplatz. In der Ausstellung soll daher nicht nur die Wiener Kulturpolitik aufgearbeitet werden, sondern auch die Geschichte des Wien Museums. Die Schau soll von Herbst 2021 bis Frühjahr 2022 stattfinden.

Auf dem Plan steht heuer auch die Nutzung der sogenannten Startgalerie im MUSA, wo junge Künstlerinnen und Künstler ihr Schaffen präsentieren können. Unterstützung des Wien Museums gibt es seit geraumer Zeit auch für die Bezirksmuseen. Die Früchte der Zusammenarbeit sollen heuer zwei Schauen – in Wieden und der Josefstadt – zeigen. Auch der permanente Bauzaun am Karlsplatz wird wieder in das Kreativgeschehen eingebunden.

Das war bereits im Vorjahr der Fall, allerdings kam es im Herbst zu Schmierereien auf der Ausstellungsfläche. Davon wolle man sich nicht entmutigen lassen, so Peter Stuiber, Leiter der Abteilung Publikationen und Digitales. Von 11. Februar bis 28. März sind daher unter dem Titel „Almost. Wiener Weltreisen 1873 / 2020“ Schnappschüsse des Architekturjournalisten Wojciech Czaja zu sehen. Die Motive – Gebäude, architektonische Details und urbane Stimmungen – erinnerten ihn an fremde Orte und ferne Metropolen. Dem gegenüber gestellt werden Souvenir-Fotos der Wiener Weltausstellung. Im Sommer ist dann ein Street-Art-Projekt geplant.

Im Rahmen der Pressekonferenz gab es auch ein Update zu den Bauarbeiten am Haupthaus am Karlsplatz. Laut Finanzdirektorin Christina Schwarz befindet sich die Baustelle im Zeitplan. Heuer finden die Hoch- und Rohbauarbeiten statt. Der denkmalgeschützte Haerdtl-Bau wird seit vergangenem Juli generalsaniert und um zwei Geschoße aufgestockt. Damit soll dem Museum in Zukunft eine fast verdoppelte Fläche zur Verfügung stehen. Die Fertigstellung ist im Herbst 2023 geplant. Für den Umbau sind 108 Mio. Euro budgetiert.

Auf der neugewonnenen Fläche werden künftig Wechselausstellungen zu sehen sein. Währenddessen kommt in das Erdgeschoß sowie in den ersten und den zweiten Stock eine Dauerausstellung. „Es wird eine chronologische Erzählung sein von der Ökologie des Wiener Raums bis zur Gegenwart“, beschrieb Bunzl. Das Grobkonzept stehe bereits, für heuer sei die Feinarbeit geplant. Als künftiges Herzstück dient das Atrium, wo auch sehr große Objekte platziert werden können – etwa der „Donnerbrunnen“ aus dem Belvedere oder ein fast sechs Meter hohe Stephansdom-Modell.

Lob für die Arbeit der Kulturschaffenden in Wien gab es von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ): „In diesen, für uns alle enervierenden und schwer zu ertragenden Zeiten, gibt es immer wieder Zeichen der Hoffnung. Und sie gehen auch sehr stark von der Kunst- und Kulturszene aus. Denn sie wird nicht müde, immer wieder neu zu versuchen, ein Publikum zu und an unterschiedlichen Projekten zu arbeiten.“

(S E R V I C E – www.wienmuseum.at)

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